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Schönheit & Pflege

Stress, nein danke!

Alles perfekt? Lieber nicht, denn weniger ist mehr – jedenfalls in der Weihnachtszeit. Um sie entspannter zu erleben, kann es hilfreich sein, Rituale zu überdenken. // Von Sylvia Meise

Weihnachten – welche Verheißung! Kindheitserinnerungen duften nach Räuchermännchen und Zimtsternen, leise läuten die Glocken, Geschenkpapier und Kerzen knistern. Alles war schön, aufregend und besonders. Jahre später sieht es anders aus, die unbeschwerte Kindheit ist der Alltagsmühle des Erwachsenseins gewichen. Aus dem damals andächtig geflüsterten Wort wird ein langer, tiefer Seufzer: Oh nein, schon wieder diese Hektik! Schade eigentlich, aber warum ist das so?

Absage an den Perfektionismus

„Den Druck macht man sich selbst“, sagt Psychologin Doris Jäger-Flor vom Familienberatungsteam der Universität Landau. „Vor allem, wenn man versucht, den Ansprüchen verschiedener Familienmitglieder und deren Vorstellungen vom perfekten Weihnachten nachzukommen.“ Oh ja, diesen Weih-nachtsperfektionismus kenne ich aus eigener Erfahrung. Vor ein paar Jahren haben meine Familie und ich das perfekteste Fest der Welt hingelegt und für alle extra geschmückt, gebacken und gekocht. Und das Ende vom Lied: Wir waren hinterher extra fertig, kaputt und gestresst. Da war uns klar: So soll es nie wieder sein. Wir haben dann darüber gesprochen, was uns wichtig ist in dieser Zeit oder worauf wir gut verzichten können. Beispielsweise auf den Kirchbesuch – und anstatt Gans am zweiten Feiertag gibt es einen gemeinsamen Brunch im Restaurant.

Aber auch die Feier mit Freunden kann zu einer stressigen Angelegenheit werden. Die Vorstellung vom schönen Fest sieht nun mal bei jedem anders aus. Wer merkt, dass nur noch Hektik im Vordergrund steht und nicht mehr das Vergnügen, sollte sich auf den eigentlichen Kern der Feier besinnen, darauf „warum wir in der Familie oder mit Freunden in dieser Zeit zusammenkommen“, empfiehlt Jäger-Flor. Das könnte womöglich das Aus für das aufwändige Festtags-Menü oder das lustlose Geschenke-Shopping bedeuten.

Prinzipiell ist „Stress die unspezifische Reaktion das Organismus auf jede Art von Anforderung“. Das entdeckte vor etwa 60 Jahren der kanadische Begründer der Stressforschung Hans Selye. Ob wir das positiv oder negativ etikettierten, sei eine Frage der inneren Einstellung. Eine ganze Liste von Faktoren bestimmt laut Selye, wie jemand mit einem außergewöhnlichen Ereignis, wie Urlaub, Krankheit oder eben Weihnachten, umgehe. Alles hänge davon ab, wie man selbst das Ereignis bewerte: Kommt es überraschend, ist es geplant oder aufgezwungen, bedrohlich oder erfreulich, bedeutsam oder nebensächlich? Darüber hinaus stelle sich weiter die Frage „Kann ich es allein bewältigen oder brauche ich Hilfe?“ Ebenfalls wichtig sei, ob es Spielräume für die eigenen Ideen gebe und wie alt man sei. Je nachdem also, wo die einzelnen vorweihnachtlichen Aktionen auf der persönlichen Positiv- oder Negativ-Skala verortet sind, werden sie zu Hochleistungen anspornen – oder aber frustrieren, erschöpfen oder gar verärgern.

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