Stress, nein danke!
Zuviel Harmonie kann belasten
Wer merkt, dass die negativen Anteile überwiegen, sollte unbedingt das eigene Verhalten überdenken. Doch, doch, das geht – wenn nicht gerade der Rehrücken im Ofen anbrennt. Wäre ein toller Eintopf nicht auch einmal eine gute Idee? Hingen nicht letztes Jahr alle nach dem Essen mit vollem Bauch auf dem Sofa? Muss man sich wieder den Kopf für ein Geschenk verknoten? Schenken hat ja eigentlich „mit Geben zu tun – darin liegt der Wunsch, jemandem etwas Gutes zu tun“, erinnert Jäger-Flor. Man könnte sich ja mal etwas schenken, das man nicht kaufen kann – wie wäre es mit Zeit?
Aus eingefahrenen Ritualen neue zu entwerfen, wird nicht bei jedem auf Anhieb klappen. „Was macht Weihnachten so belastend?“, fragte das Meinungsforschungsinstitut Emnid vor sechs Jahren und schlug ein paar Gründe vor – die ersten drei Weihnachtshits landeten die Antworten „zu hohe Erwartung an die Harmonie“, „zu viele Besuchsverpflichtungen“ und „zu viel Alkoholkonsum“.
Ein offenes Gespräch tut gut
Nicht alle Konflikte werden sich schon vor den Feiertagen lösen lassen. Aber man kann die Spitzen herausnehmen und ein wenig vorbeugen, indem man den Ablauf ändert – etwa einen Spaziergang vor der Bescherung einlegt, gemeinsam das Essen vorbereitet und jedem ein wenig Zeit zukommen lässt. Wer grundlegend etwas ändern will, sollte das jedoch frühzeitig abklären. Mit Familie oder Freunden offen über Vorstellungen vom schönen Weihnachtsfest zu sprechen, kann anfangs etwas Überwindung kosten, aber „durchaus heilsam“ sein, ermuntert die Psychologin Jäger-Flor. Sie spricht aus eigener Erfahrung: Als ihre Schwester und sie sich erstmals eingestanden hätten, dass keiner von beiden je die Geschenke der anderen wirklich gefallen hätten, habe jede erst mal geschluckt „und dann aber befreit aufgeatmet“. Wird endlich alles offen ausgesprochen, lernt man sich manchmal ganz neu kennen. Die Zeit der Besinnung ist schließlich auch eine Zeit der Beziehungen. Wer weiß, vielleicht wird daraus ein ganz neues Weihnachtserlebnis.
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