Hintergrund
Was ist natürlich?
Nicht überall, wo „bio“ drauf steht oder ein grünes Blatt die Verpackung ziert, ist auch echte Naturkosmetik drin. Kontrollierte Siegel helfen bei der Auswahl. // Von Stephanie Silber
Auf der Cremetube steht „natürlich“ und große, weiße Blüten zieren die Verpackung. Das sieht gut aus und verkauft sich noch besser. Der Markt für Naturkosmetik boomt, nicht erst seit sich einige Hollywood-Promis zur Körperpflege aus der Natur bekannt haben. Inzwischen hat auch die konventionelle Kosmetikindustrie den Trend erkannt und will ein Stück vom Kuchen abbekommen. Das neue Zauberwort der Branche heißt „Natur“. In Drogerien locken Shampoos mit „Wildrose“ und auf der Hand-Seife leuchtet das Signalwort „Bio“. Vor allem Luxus-Kosmetik wirbt gerne mit Vokabular wie “nature“, „bio-screening“ und ähnlichem.
Natur nur in kleinen Beigaben
Alles natürlich, oder was? Leider nicht wirklich. Eine entsprechende Verpackung oder ein Tropfen Rosenöl hier und ein bisschen Algenextrakt dort machen noch keine Naturkosmetik. Allerdings ist der Begriff nicht geschützt. Natürliche Bestandteile sind in herkömmlichen Kosmetikprodukten oft nur kleine Beigaben und stehen auf der Liste der Inhaltsstoffe ganz weit hinten. Und selbst in Tiegeln auf denen „natürlich“ oder „bio“ steht, können sich Duftstoffe finden, die Allergien hervorrufen oder Zutaten, die im Verdacht stehen, Krebs zu erregen. Echte Naturkosmetik dagegen verzichtet konsequent auf bedenkliche Inhaltsstoffe. Sie hat den Anspruch, die Haut in ihren natürlichen Funktionen zu unterstützen, damit diese wieder ihre Balance finden und auch halten kann.
Experten in Sachen Inhaltsstoffe
Zu hinterfragen, was man sich auf Haut und Haar schmiert, ist logisch. Vor allem, wenn es morgens leckeres Bio-Müsli gibt und die Paprika für die Gemüsepfanne vom Wochenmarkt kommt. Zwar trinkt man Körperlotion nicht zum Frühstück, aber von manchen Inhaltsstoffen können bis zu 50 Prozent direkt ins Blut gelangen. Die Durchschnitts-Frau verbraucht in ihrem Leben etwa 100 Liter Körperlotion – zehn große Putzeimer voll. Da kann eine Menge schädlicher Inhaltsstoffe zusammen kommen, die nichts im Blutkreislauf zu suchen haben.
Aber was ist tatsächlich natürlich? Für Verbraucherinnen gibt es zwei Möglichkeiten, sich durch diesen Dschungel zu schlagen: Zum einen können sie zu Expertinnen in Sachen Inhaltsstoffe werden. Allerdings ist das nicht so einfach. Zwar regelt seit 1999 die so genannte INCI-Nomenklatur, dass alle Zutaten auf Tube und Tiegel angegeben werden müssen, aber wer weiß schon, dass es sich beispielsweise bei dem gefährlich klingenden Wort Cocamidoethyl Betaine um unproblematische waschaktive Substanzen auf natürlicher Basis handelt? Und wer kann diesen Begriff gar von Cocamidopropyl Dimethylamine unterscheiden, ein Stoff, der das Haar kämmbar macht und außerdem im Verdacht steht, Krebs zu erregen?
Die andere Möglichkeit ist weitaus unkomplizierter: Es gibt kontrollierte Siegel, die Naturkosmetik nach konkreten Richtlinien zertifizieren. Allerdings steckt hinter kontrollierter Naturkosmetik mehr als nur die Wahl der richtigen Inhaltsstoffe. Für die Hersteller spielt außerdem Nachhaltigkeit eine große Rolle: Sie verwenden für Cremes und Co. Zutaten, die möglichst biologisch erzeugt und umweltschonend verarbeitet wurden. Das gilt auch für die eigene Produktion. Verpackungen gibt es nicht. Falls doch nötig, sind sie aus recyceltem Material. Tierversuche sind tabu.
Außen Siegel, innen Natur – diese Rechnung geht auf. Ein paar schöne Werbeworte und grüne Blätter auf der Verpackung reichen dagegen nicht.
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