Cosmia natürlich schön
 
Cosmia 1/2008
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SalamonBernd Salamon ist Redakteur beim Fussballmagazin „Kicker“. Für seine Pilates-Reportage bekam der 29-Jährige den Reportagepreis 2007 der Akademie der Bayerischen Presse.

Als das Training beginnt fällt mir auf, dass alle ihre Schuhe brav neben die Matten gestellt haben. Aha, trainiert wird ohne. Jetzt legt Ina los. Mit fröhlicher Stimme plädiert sie für gute Laune, ein tolles Erlebnis, das wir alle gemeinsam genießen werden. Fast alle. Dehnen sämt­licher Körperteile. Im Stehen. Den Frust von sich schütteln. Die Arme von sich strecken. Wild sein. Alles raus lassen.

„Geht‘s Euch schon gut?“ Nein, Ina, aber danke der Nachfrage. Ich sehe mich im Spiegel, bin drei Köpfe größer als die größte Frau hier und mache unkoordinierte Bewegungen, die auch so aussehen. Wie bitte soll es mir da gut gehen? Zehn Minuten wird gedehnt und gestreckt, dann geht‘s los, sagt Ina. Und ich dachte, wir wären schon mittendrin.

Suche nach dem Powerhaus

Die erste offenbar richtige Übung ist im Liegen, auf dem Rücken. Wir sollen unser Powerhaus finden. Ich schaue fragend zu Omi Antje. „Unser was?“ Sie lächelt mich an. „Die Körpermitte, Junge, um die geht‘s hier immer.“ Aha. Und wo ist die? Schon kommt Ina und erklärt es mir. Bauch einziehen beim Einatmen, Po­backen zusammenkneifen, Becken­bo­den­muskulatur anspannen. Bauch raus beim Ausatmen, wieder Pobacken zu­sammen­kneifen, Beckenboden­musku­la­tur an­spannen.

Die nächste Übung ist im Sitzen. „Prima macht ihr das“, lobt Ina. Lügnerin! Sie kommt zu mir. „Suche dein Powerhaus. Suche dein Powerhaus.“ Sie fasst mir an den Rücken, versucht, mich aufrecht hinzusetzen. Ich dachte, das täte ich. Sie schiebt mich hoch, mein Becken macht nicht mit, schiebt sich von allein wieder runter. Zweiter Versuch. Wieder nix. Dritter: nix. „Mach schon, du bist doch noch jung“, brüllt Ina. 15 Frauen lachen, sie haben ihr Powerhaus ja längst gebaut. Meins ist anderswo.

 In diesem Rhythmus geht es weiter. Arme, Beine und sämtliche Muskeln dehnen und strecken, Powerhaus finden und halten. Ob im Liegen, im Sitzen, auf dem Bauch oder dem Rücken. Wieder kommt Ina zu mir. „Hoch damit. Und durchdrücken. Schön machst du das.“ Aha, sie will mir nicht sagen müssen, was für ein steifer Bock ich bin. Mich zum Wiederkommen animieren. Dabei bin ich nicht unsportlich, laufe Marathon und furchtbar gerne allen möglichen Bällen hinterher. Aber beweglich? Nee, bin ich wirklich nicht.

Kein hoffnungsloser Fall

Nach 13 Übungen ist es zu Ende – ich fühle mich wie 60 und nicht wie 28. Nachdem mich Omi Antje moralisch aufgebaut hat, will ich mich leise verdrücken. Doch Ina ruft mir hinterher. „Und, wie geht‘s?“ „Gut, danke. Hat Spaß ge­macht“, sage ich verhalten. „Freut mich. Übrigens: Hoffnungslos bist du wirklich nicht. Du wirst sehen, heute Nachmittag fühlst du dich schon besser.“ Ich schmunzle, aber nur ein paar Stunden. Dann stelle ich fest: Sie hat recht.

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