Gipfelschnaps und Fackelzug
Besonders toll ist diese Wanderung auf den dritthöchsten Berg des Schwarzwalds, wenn viel Schnee liegt. Aber auch ohne Schneeschuhe gibt es einiges zu erfahren, wenn Förster Andreas Mutterer Wanderer auf den Gipfel führt. // Von Birgit-Cathrin Duval
Unser Weg beginnt, wo er für Skifahrer endet – direkt am Skilift Hofeck in Bernau-Hof. Dort wartet auf uns bereits Förster Andreas Mutterer, der sich selbst Bernau-Ranger nennt. Mit ihm wollen wir ganz hoch hinauf, auf den Gipfel vom Herzogenhorn, um uns von dort den winterlichen Sonnenuntergang anzuschauen. Mit 1416 Metern ist er zwar nur der dritthöchste, aber doch der schönste Berg des Schwarzwalds. Sagt jedenfalls Andreas Mutterer, als wir uns auf den Weg machen.
Dass er damit recht hat, wird uns mit jedem zunehmenden Höhenmeter bewusst: Das Bernauer Tal, das höchst gelegene subalpine Plateau des Schwarzwaldes, entfaltet vor unseren Augen seine heimelige Pracht zwischen Wiesen und Wäldern, weiß schimmernden Baumwipfeln und Alpengipfeln, die in der Ferne majestätisch grüßen. Alles um uns herum ist mit einer dünnen Schneedecke überzogen. Allerdings zu wenig, um – wie an manch anderen Tagen – Schneeschuhe für den Aufstieg zu brauchen.
Schon seit Jahrhunderten besiedelt
Bereits die Mönche des Benediktiner Klosters St. Blasien wussten die besondere Lage des Bernauer Tals zu schätzen. Die Besiedlung begann um 1050 bis 1100 in Bernau-Hof. Direkt am Fuße des Herzogenhorns machten die Männer in Form von Mönchs- und Bruderhöfen die Hochfläche urbar. Die Brüder rodeten das Tal und verliehen Bernau im Laufe der Jahre durch ihre Bewirtschaftung das charakteristische Bild einer von Menschen geprägten Kulturlandschaft.
Als der Mönchsnachwuchs ausblieb, verlieh das Kloster St. Blasien Feld und Wälder an Bauern. Ihre Gehöfte mussten die Bauern selbst errichten und aus diesen Leihungen entstanden die Namen der Bernauer Ortsteile Innerlehen, Oberlehen und Unterlehen. Inzwischen besteht Bernau aus zwölf Ortsteilen, die früher alle eigenständige Gemeinden waren.
Unser Weg nach oben aufs Herzogenhorn bietet weitere imposante Ausblicke: Im Vordergrund ragen die weißen Gipfel des Spiesshorns mit 1349 Metern und des Blössling mit 1309 Metern empor. Und immer wieder jagen Nebelschwaden vom Tal den Berg hinauf. Unterwegs erzählt Andreas Mutterer viel über die einzigartige Pflanzenwelt in diesem Tal: Orchideen, Silberdistel, Türkenbund, Arnika, Sonnentau und Fettkraut hätten hier oben ihre Heimat. „Ohne die Bewirtschaftung der Bergbauern würde das Tal allerdings zuwachsen und zur Waldwüste verkommen. Seltene Pflanzenarten würden vom Wald geschluckt und für immer verschwinden“, sagt der Förster.
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