Avocado– die Alleskönnerin
Die Exotin aus Südamerika ist ein Multitalent in der Küche, das auch schon spanische Herrscher zu schätzen wussten. Zugegeben, ihr Fettgehalt ist ganz ordentlich, aber dafür sind es äußerst gesunde Fette, die in ihr stecken. // Von Sabine Kumm
A bacate, Butterfrucht, Alligator- oder Advokatenbirne – die Avocado hat so viele Namen wie Verwendungsmöglichkeiten. Schon vor mehr als tausend Jahren diente sie bei den Ureinwohnern Mittel- und Südamerikas als Heilpflanze und wichtiges Grundnahrungsmittel. Zu verdanken haben wir die Entdeckung der grünen Frucht mit großem Kern dem spanischen Eroberer Hernán Cortés. Als der zu Beginn des 16. Jahrhunderts dem unterworfenen Aztekenherrscher Montezuma die Auslieferung seiner wertvollsten Schätze befahl, sollen ihm zwischen fein gearbeitetem Schmuck, goldenen Statuetten und mit Edelsteinen besetzten Kult-Masken auch birnenförmige Früchte vor die Füße gekullert sein: Avocados.
Die inneren Werte zählen
Die erfüllten zwar mit ihrem warzig-grünen Äußeren nicht gerade die klassische spanische Vorstellung von kostbarer Beute, offenbarten bei näherem Hinsehen jedoch beachtliche innere Werte. Nicht nur, dass die Früchte des 10 bis 20 Meter hohen Avocadobaumes von den Azteken gegen Magen-Darm-Erkrankungen und zur Wundheilung eingesetzt wurden, muss für die Conquistadoren aus nahe liegenden Gründen interessant gewesen sein. Die nahrhaften Riesenbeeren galten auch als Aphrodisiakum und wirkten mit ihrem hohen Fettgehalt wie wahre „Energiebomben“. Auch wenn die „Butterbirnen“ jede Banane in puncto Nährwert glatt um das Doppelte übertreffen, dauerte es doch nach ihrer ersten Atlantiküberquerung noch einige Jahrhunderte, bis sie in größerem Stil auch in Spanien, Portugal, Israel und Südafrika angesiedelt werden konnten. In Deutschland sind sie erst seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs in den Supermarktregalen zu finden. Doch noch immer stammt ein Drittel der Weltproduktion aus Mexiko, die dünnschaligen Früchte von dort weisen mit bis zu 30 Prozent den höchsten Fettgehalt auf.
Gesundes Fett darf sein
Dass es sich dabei um gesunde, mehrfach ungesättigte Fettsäuren handelt, macht die Avocado vollends zu einer ernährungsphysiologischen Goldader. Hinzu kommt ihr Kaliumgehalt, der unseren täglichen Bedarf bereits mit dem Genuss von zwei Früchten locker decken kann. Die Mineralstoffe Phosphor, Magnesium, Calcium und Natrium sowie ein hoher Anteil an Vitaminen der B-Gruppe und die Vitamine A, C und E sorgen gemeinsam mit wertvollen sekundären Pflanzenstoffen für die Eliminierung freier Radikale, wirken cholesterinsenkend und sollen Krebs hemmen. Und als wäre das noch nicht genug: die Avocado ist auch kulinarisch ein Multitalent.
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