Cosmia natürlich schön
 
Cosmia 1/2008

<<Gelöffelt oder gerührt

Kenner löffeln das Fruchtfleisch am liebsten direkt aus der Schale, nur mit Pfeffer und Salz gewürzt. Füllt man die Vertiefungen, die nach der Entfernung des Kerns entstehen, mit Geflügel- oder Krabbensalat, wird aus dem Snack eine raffinierte Vorspeise.

In der Guacamole, dem Dip aus der Tex-Mex-Küche (texanisch-mexikanisch), dient sie mit scharf gewürzten Tacos als Appetizer. Die Japaner rollen sie mit Vorliebe in fleischloses Sushi, in ihrer Heimat Südamerika kommt die Avocado sogar als Speiseeis auf den Tisch. Und wer hätte gedacht, dass die grüne Exotin schon um 1900 herum Patin für eine Spirituose gestanden hat, die noch immer auf den Spitzendeckchen der Welt zu Hause ist: „Advokaat“, die Erfindung des Holländers Eugen Verpoorten, ging auf ein südamerikanisches Mixgetränk aus Avocados, Alkohol und braunem Zucker zurück. In Ermangelung von Avocados verwendete der Destillateur Eidotter – und erfand so den Eierlikör.

Beste Reste

Übrigens: Wer nicht gerade erpicht darauf ist, eine übrig gebliebene oder braun gewordene Avocado als Mixgetränk zu verwerten, sollte seine Gesichtshaut damit verwöhnen: Fruchtfleisch mit einer Gabel zerdrücken, mit etwas Joghurt und Honig verrühren – fertig ist die Gesichtsmaske. Die hat dann zwar mit den goldenen Kultmasken der Azteken nichts mehr zu tun, aber für müde, trockene Haut ist sie mindestens genauso wertvoll.

Hass-Liebe

Von den mehr als vierhundert Avocado-Sorten gelangen bei uns nur wenige in den Verkauf. Davon sind die birnenförmigen grünen „Fuerte“ und „Ettinger“ sowie die besonders wohlschmeckende schwarzbraune „Hass“-Avocado die bekanntesten. Deren Name weist nicht etwa auf eine finstere Gefühlsaufwallung beim Genuss der Frucht hin, sondern auf ihre geradezu märchenhafte Entdeckung im Garten des kalifornischen Postmannes Rudolph Hass in den 30er-Jahren. Dort versteckte sich die wilde Kreuzung als einzige ihrer Art zwischen vielen ande­ren Bäumen – und wurde nach ihrer Ent­deckung zur Ur­mutter aller in Israel, Kali­fornien, Mexiko und Spanien kulti­vierten Hass-Avocado-Bäume.

Keine Hitze

Manche mögen’s heiß – die Avocado eher nicht. Beim Erhitzen entwickelt sie Bitterstoffe, sollte also immer erst kurz vor dem Servieren in die Suppe.

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