
Die abgebildeten Produkte sind eine Auswahl aus dem Naturkosmetik-sortiment: Nagellackentferner von Sante mit Bio-Orangenöl; Nagel-Fluid-Pflegestift
von Sante; Nagellack in leuchtendem
Rot von Sante; Nagelbalsam mit Neemöl von Martina Gebhardt
<< Lack drauf– alles gut?
Schnell mal eine Kiste umräumen und schon ist es passiert: Der Nagel ist ab und sieht neben seinen lang gehegten Kollegen einfach erbärmlich aus. Schutz vor diesen Überraschungen bietet beispielsweise ein Nagellack. Er verstärkt die Textur des Nagels wie eine Art Schutzfilm.
Doch geht das überhaupt in „Bio“? Lacke vereinen ja auf den ersten Blick alles, wogegen Bio steht: die pure Che-mie. Konventionelle Nagellacke sind umweltschädlich, vor allem durch ihren künstlich erzeugten Schadstoff-Cocktail. Nicht verwunderlich, denn sie sind im Grunde ein Abfallprodukt der Autolackindustrie der 20er-Jahre. So sorgen Lösungsmittel wie Toluol dafür, dass der Lack schnell trocknet, und ein Kunstharz aus den Zutaten Toluolsulfonamid und Formaldehyd, das sich in der INCI-Deklaration hinter der Bezeichnung „Tosylamide/Formaldehyde Resin“ verbirgt, gilt als Hauptursache für Nagellack-Allergien, weil er hochaller-genes Formaldehyd freisetzt. Dabei entstehen die typischen Hautausschläge nicht auf den Händen, sondern vor allem im Gesicht. Denn dorthin wandern unsere Hände oft unbewusst. Übersetzt heißt das: Risiken für Allergien und Organschädigungen sind inbegriffen. So können die Dämpfe des Lösungsmittels Toluol zu Müdigkeit und Empfindungsstörungen führen und langfristig Nieren und Nervensystem schädigen. Weichmacher wie Phytalate stehen im Verdacht, Nieren und Leber zu schädigen.
Was kann Bio – was nicht?
Um es vorweg zu nehmen: Ein farbiger Bio-Nagellack ist einfach nicht möglich. Zum einen sind natürliche Farben nicht deckend und verblassen auch schnell wieder. Zum anderen machen sie den Nagel rau und stumpf beim Trocknen. Ein deckender Lack mit glatten Oberflächen kann nur mit synthetischen Farbstoffen produziert werden. Der einzige Nagellack, der sich wirklich „bio“ nennen darf (BDIH-Siegel), ist der von der Firma Provida.
Nun kommt das Aber: Provida verzichtet als Konsequenz gänzlich auf Farbe. Als Härter wird Schellack verwendet, das Harz der sogenannten Schellacklaus, die aus Asien importiert wird. Dieser Lack ist allerdings nichts für Ungeduldige: Zehn Minuten dauert es, bis er völlig durchgetrocknet ist. Wer sich ein absolut reines Ökogewissen bewahren möchte, muss also auf Farbe verzichten und etwas geduldig sein.
Es geht auch mit Farbe
Nagellacke bietet auch die Naturkosmetikfirma Sante an. Allerdings: „Ein reines Naturkosmetikprodukt sind diese Nagellacke mit Sicherheit nicht“, sagt Silke Fliess, Marketingassisten-tin bei Sante. Es gehe vielmehr darum, das Sortiment der dekorativen Kosmetik zu vervollständigen. So gibt es zwar eine Farbvielfalt, die allerdings vornehmlich synthetisch hergestellt wird. Eine Alternative zu vielen anderen konventionellen Nagellacken sind die Sante-Produkte trotzdem, denn sie verzichten auf das allergene Toluol und auch auf Formaldehyd und Phytalate.
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