
Wikhart Teuffel, Chef der Firma Speick in der dritten Generation,
will nicht „jedem Modetrend hinterherlaufen“.
Tradition verpflichtet
Der Großvater fing an, Sohn und Enkel machen weiter. Doch egal, wer das Zepter in der Hand hält, bei dieser Naturkosmetikfirma steht immer eine Pflanze im Mittelpunkt: der Speik. // Von Peter Gutting
A uf einer Almhütte in den Kärntner Nockbergen: Wikhart Teuffel (53) wirft sich einen Sack über die Schulter, trägt ihn die Holztreppe hinunter und legt ihn in den Lieferwagen mit dem rot-grünen Speick-Logo, der vor der Hütte parkt. „Das reicht jetzt für ein Jahr“, sagt der Chef der traditionsreichen Naturkosmetikfirma mit Blick auf den Rohstoff mit dem würzigen Geruch: getrocknete Wurzeln der Speik-Pflanze, eines Baldrian-Gewächses. Auf geht’s, heim nach Stuttgart-Möhringen.
Der Einkauf bei den beiden Bauern, die die Alpenpflanzen in kontrolliert biologischer Wildsammlung exklusiv und per Hand für die deutsche Firma ernten dürfen, ist Chefsache. „Wir kennen uns seit mehr als 20 Jahren, da ist ein Vertrauensverhältnis gewachsen“, sagt Wikhart Teuffel. Dass er den Kontakt wenigstens einmal im Jahr auffrischt, versteht sich für den Enkel des 1968 verstorbenen Firmengründers Walter Rau von selbst.
Schon der Großvater mütterlicherseits war Unternehmer mit sozialem Anspruch, obwohl es keine leichten Zeiten für ihn waren – weder wirtschaftlich noch privat. Walter Rau hatte in seiner Jugend sein Gehör in Folge einer Scharlacherkrankung verloren. Trotz der Taubheit hatte er Betriebswirtschaft studiert und war in den Familienbetrieb eingetreten. Doch die Firma, die um die Jahrhundertwende mit zwei Seifenfabriken fusioniert hatte, geriet während der 20er-Jahre in Schwierigkeiten und musste aufgeben. Walter Rau aber gab nicht auf. Geprägt durch die Anthroposophie und die Schriften Rudolf Steiners zum Wirtschaftsleben, führte er die Familientradition fort und gründete 1928 in Möhringen eine Feinseifen-Siederei.
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