
Luis Trenker machte Werbung für Speick. Nach der Ernte kommen
die Speik-Pflanzen mit einer Mischung aus Glyzerin und Alkohol
in einen Glasballon, in dem sie zwei Wochen bleiben.
<< Eine Pflanze wird zum Verkaufsschlager
Mit Unterstützung seines Schwagers, eines Mediziners und Homöopathen, entdeckte er eine in Vergessenheit geratene Heilpflanze neu: den Speik (der Name der Pflanze schreibt sich mit „k“, der Markenname richtet sich nach einer alten Schreibweise mit „ck“). Walter Rau wollte jedoch mehr als Seife herstellen: Sein Ziel war, den Menschen nützlich zu sein – durch einen Mix aus erfrischenden und harmonisierenden Wirkstoffen. Und er dachte nicht nur an die Konsumenten, sondern auch an seine Mitarbeiter: Er stellte ihnen einen Arbeitsplatz zur Verfügung, den sie ganzheitlich gestalten konnten. So führte er die Werks-Eurythmie ein, schuf eine Arbeitnehmervertretung und ver-sammelte einmal im Monat die gesamte Belegschaft. Bei diesen Treffen gaben externe und interne Referenten den Mitarbeitern einen tieferen Einblick ins Unternehmen und in die Prinzipien eines brüderlichen Wirtschaftslebens, wie es die Anthroposophen anstreben.
Rotierende Arbeitsplätze
Andere Zeiten, andere Mittel. Zwar veranstaltet die Firma inzwischen keine Werkseurythmie mehr, aber Wikhart Teuffel fördert die Motivation und das ganzheitliche Denken auf andere Art und Weise. Etwa durch das Prinzip, dass die Angestellten aus der Verwaltung bis hin zur Führungscrew immer mal wieder in der Produktion mithelfen. „Das ist wichtig, damit sich jeder in alle Abläufe hineindenken kann“, sagt der Inhaber. Und es ist ein Signal, dass alle ihren Platz haben und geschätzt werden, der Arbeiter in der Produktion genauso wie der Prokurist.
Der Inhaber weiß aus eigener Erfahrung, wie monoton manche Arbeiten sein können. Deshalb gibt es das „rollierende System“ in der Produktion: Jeder wechselt nach einer gewissen Zeit den Platz, optimaler Weise nach einer Stunde, und übernimmt dann die Arbeit eines Kollegen. Es war natürlich nicht nur die Begeisterung der Mitarbeiter allein, die den Erfolg der Speick-Seife begründete. „Mein Großvater war mit seiner Idee zur richtigen Zeit am richtigen Ort“, erklärt der Enkel den Siegeszug der Marke. Ende der „goldenen Zwanziger“ sei das Bedürfnis nach Körperpflege spürbar gewachsen. Wer es sich leisten konnte, habe statt Kernseife auch mal ein bisschen was Edleres für seine Haut gewollt.
Dass das unverwechselbare Produkt nach 80 Jahren und trotz des Flüssigseifentrends noch immer so gut bei den Kunden in aller Welt ankommt, führt Wikhart Teuffel auf die Konstanz der Markenführung zurück. Also auch auf die Weigerung, „jedem Modetrend hinterher-zulaufen“. Erst sieben Mal gab es einen neuen Auftritt und ein überarbeitetes Verpackungsdesign für die traditionellen zehn Produkte aus dem mittlerweile etwa 100 Artikel umfassenden Gesamtsortiment. Das besteht längst nicht mehr allein aus Seifen. Auch wenn die Bedeutung des Klassikers, für den einst der Bergsteiger und Berg-filmdarsteller Luis Trenker Werbung machte, ungebrochen ist.
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