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Cosmia 1/2008
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Für jeden das richtige Tempo

Zu spät, schon stehen sie vor mir. „Hallo, ich bin der Willi“, sagt der Älteste von ihnen und reicht mir die Hand. Nach und nach treffen mehr Leute ein. Eigentlich sehen sie ganz normal aus, denke ich, als ich einen Blick in die Runde werfe. Auch etliche Frauen kommen. Es geht richtig locker zu, alle duzen sich. Der Leiter der Laufgruppe bemerkt mich und kommt auf mich zu. Er heißt Uwe Langner und ist Polizist und Sporttrainer. Nach einer freundlichen Begrüßung erklärt er mir: „Bei uns wird keiner alleine gelassen, wir finden für jeden das richtige Tempo.“ Kann der etwa Gedanken lesen?

Und schon geht es los, locker traben wir vom Parkplatz. Anfangs noch ganz gemächlich, dann beginnen sich einzelne Gruppen zu bilden. „Ein Konzept, das sich bewährt hat“, erzählt Uwe, der neben mir läuft. So könne jeder in einer kleineren Gruppe sein eigenes Tempo laufen. Jeweils eine halbe Stunde, dann geht‘s zurück und jede Gruppe kommt nach einer weiteren halben Stunde wieder zeitgleich mit den anderen am Parkplatz an. „So können jederzeit Neueinsteiger hinzukommen und denen, die etwas schneller laufen möchten, wird es nicht langweilig.“

Willi gesellt sich zu uns und will wissen, ob ich zum ersten Mal beim Lauftreff bin. Ich nicke und erzähle ihm von dem Flyer im Café. „Der hing bei mir ein ganzes Jahr in der Wohnung, bevor ich mich zum Lauftreff traute“, sagt er lachend. Das Lachen gelingt ihm ganz mühelos, denke ich etwas neidisch, während ich noch ordentlich schnaufe. Willi ist mit 70 Jahren der älteste Teilnehmer. Was man ihm, vor allem aber seinen Beinen, nicht ansieht. „Vorher bin ich immer nur mit meinem Hund spazieren gegangen, jetzt habe ich neue Freunde gefunden“, sagt er.

Dann schwärmt er mir vom Samstagslauf vor: „Einmal im Monat frühstücken wir nach dem Laufen zusammen. Und wenn es mal im wahrsten Sinne nicht so gut läuft, hat immer jemand ein nettes Wort oder eine Ermunterung parat.“ Sollte also doch etwas dran sein an dem Motto, dass gemeinsames Schwitzen verbindet?

Trotz der Plauderei gelingt das Laufen von Schritt zu Schritt immer besser. Uwe und Willi passen sich meinem Tempo an und beschweren sich auch nicht, als ich zwischendurch doch mal eine kurze Gehpause einlegen muss.

Die Gruppe, erzählt mir Uwe, besteht seit fünf Jahren. Zunächst seien es 15 Leute gewesen, heute kämen bereits regelmäßig über 50 Jogger in die verschiedenen Lauftreffs. Warum so viele in der Gruppe laufen, will ich wissen. „Es liegt auf der Hand: In der Gruppe ist der Spaßfaktor erheblich höher und das wirkt sich positiv auf die Laufmotivation aus“, erklärt er. „Beim Laufen ist es egal, wer du sonst bist. Wir haben hier Geschäftsleute, Köche, Studenten, Schüler, Rentner, Hausfrauen. Verschwitzt und im Laufdress fallen die Konventionen.“

Egoismus schadet der Gruppe nur

Wie aber sieht es mit sportlichen Zielen aus? Herrscht nicht ein gewisser Gruppenzwang? „Keiner fällt bei uns einem Leistungsdruck zum Opfer,“ versichert mir Uwe. „Es sei denn, er legt ihn sich selber auf.“ Einige Teilnehmer trainierten sogar für Marathonläufe. Andere hätten andere Ziele, ein paar Pfunde weniger oder mehr Fitness. Wichtig sei, dass man den anderen wahrnehme. Denn Egoismus schade einer Gruppe nur.

Inzwischen sind wir schon wieder am Ziel angekommen und laufen auf den Parkplatz ein. Einige sind bereits mit Dehnen der Muskulatur beschäftigt. Alle haben zufriedene Gesichter, es wird geredet und viel gelacht. Auch ich fühle mich richtig beschwingt und bin nächste Woche sicher wieder mit dabei.

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