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Liebe per Internet –
Wie weit geht die virtuelle Nähe?

Viele Menschen suchen den Partner fürs Leben in der weiten Welt des Web. Doch bei der Anbändelei per Mausklick lauern einige Fallstricke, und ein Happy End ist ungewiss. // Von Inga Rapp

Verliebt lächeln sich Martina (23) und Felix (24) an. Die beiden Studenten sind noch nicht lange ein Pärchen, ein paar Wochen erst. Kennengelernt haben sie sich in einem Chatroom. „Eigentlich war ich nur zufällig dort“, erzählt Martina. „Ich habe mich gelangweilt, bin ziellos im Internet gesurft und irgendwann in diesem Chat gelandet.“ Felix lächelt. „Auf einmal war der Nachmittag vorbei. Wir haben gar nicht gemerkt, wie lange wir uns unterhalten haben.“

Dem ersten Chat folgten unzählige E-Mails, später nächtelange Telefonate, dann ein erstes Treffen. Der virtuelle Funke zündete auch real – aus der zunächst lockeren Chatbekanntschaft wurde eine feste Beziehung.

Martina und Felix sind nicht alleine. Jeder fünfte Bundesbürger hat schon einmal über das Internet jemanden kennengelernt; dies fand der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM) bei einer Untersuchung im vergangenen Herbst heraus. Am erfolgsversprechendsten stellten sich dabei Chatrooms heraus, Singlebörsen spielten nur eine untergeordnete Rolle.

Es sind beileibe nicht nur gehemmte, vereinsamte oder unattraktive Menschen, die online ihr Glück suchen. Am aktivsten sind Schüler und Studenten. Mit zunehmendem Alter sinkt die Frequenz dann allerdings. Bei den Über-60-jährigen sind es nur noch drei Prozent, die Kontakte im Netz knüpfen.

Auf dem Weg vom ersten Kontakt bis zur Pärchenbildung warten allerdings eine Reihe von Fallstricken. Kritisch wird es vor allem immer dort, wo sich die Kommunikationsebenen verändern.

Dem ersten lockeren Small Talk im Chat oder Forum folgen meist viele weitere Schritte, bis es zum ersten Treffen von Angesicht zu Angesicht kommt. Zu Beginn der Bekanntschaft besteht das Gegenüber meist nur aus Schriftlichem, aber nach und nach erhält es eine konkrete Gestalt. Vom Chat aus führt der Weg über E-Mails, Fotos und Videos bis hin zum Telefon. Mit jedem Schritt kommen neue Kommunikationskanäle hinzu; die Buchstaben werden durch ein Gesicht ergänzt, durch eine Figur, durch eine Stimme.

Doch genau hier liegen auch die Risiken. Aus den erhaltenen Informationen formt sich ein inneres Bild. Dieses innere Bild wird in Richtung des eigenen Wunschbildes interpretiert – und dieses Wunschbild kann deutlich von der Realität abweichen. Mit jeder neuen Information rückt die Wirklichkeit ein Stückchen näher. Da hat der vermeintlich langhaarige Metal-Fan auf einmal doch eine Glatze, oder der erwartete Bass entpuppt sich am Telefon als Tenor.

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