Exotische Zauberknolle
Äußerlich macht „Zingiber officinalis“, wie er mit lateinischem Namen heißt, nicht gerade sehr viel her: gelblich-blass und unscheinbar ist er in den Körben der Obst- und Gemüseabteilungen zu finden. Dabei hat das zitronig-scharfe Gewürz nicht nur asiatische Küchengeschichte geschrieben. Ingwer spielt seit Jahrtausenden auch in der Traditionellen Chinesischen Medizin und der indischen Heilkunst Ayurveda als gesundheitsförderndes Universalmittel eine bedeutende Rolle. Dort sind Verdauungsprobleme, Durchblutungsmangel, Gelenkbeschwerden, Krämpfe und Übelkeit seine Haupteinsatzgebiete. Außerdem soll er das Immunsystem stärken und Entzündungen lindern.
Was den Ingwer scharf macht, wirkt zugleich auch heilsam: Es ist sein zähflüssiger Balsam Oleorisin. Er besteht aus ätherischen Ölen und Scharfstoffen, den Gingerolen und Shoagolen, die in ihrer chemischen Struktur dem Aspirin ähneln.
Gestaffelte Ernte
Trotz seiner Heilqualitäten – das Tiefstapeln liegt dem unterirdischen Rhizom, der bis zu eineinhalb Meter hohen Ingwerpflanze, wohl im Saft. Während oben in subtropischer Luftfeuchtigkeit die orchideenartigen Blüten alle Aufmerksamkeit auf sich ziehen, bilden sich im Verborgenen schon die gehaltvollen Wurzelknollen als eigentliche Stars der Szene. Deren Geschmacksintensität hängt von ihrem Erntezeitpunkt ab: Je früher sie als so genannter „Grüner Ingwer“ ausgegraben werden, desto milder und zarter sind die Wurzelstücke – ideale Voraussetzungen also, um kandiert, eingelegt oder mit Schokolade überzogen zu Konfekt weiterverarbeitet zu werden. Ein Highlight für Naschkatzen.
Anders, nämlich intensiver, sieht es bei den später geernteten holzigeren Knollen aus, die getrocknet und dann zu Ingwerpulver zermahlen werden. Dessen Verwendung ist allerdings nicht mit Würzen mit der frischen Wurzel zu vergleichen. Die lässt sich mittels einer speziellen Reibe ohne holzige Teilchen mühelos in der Küche verarbeiten oder mit einem scharfen Messer zerkleinern, bevor sie in Topf oder Pfanne zum Einsatz kommt und feurige Schärfe bringt.
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