Im Gespräch
„Naturstoffe haben Vorteile“
Professor Dr. Christoph M. Schempp spricht über die Möglichkeiten von Anti-Aging-Produkten – und über deren Grenzen. // Interview: Astrid Wahrenberg
Professor Dr. Christoph M. Schempp (46) ist Dermatologe und Allergologe. Er leitet das Kompetenzzentrum Skintegral an der Universitäts-Hautklinik Freiburg. Dort werden Wirkungen von Pflanzen auf die Haut wissenschaftlich erforscht.
Was können Anti-Aging-Produkte leisten?
Sie versorgen die Haut mit Feuchtigkeit und können tiefe Falten etwas mindern, was man allerdings optisch kaum sieht. Tiefe Hautschichten, in denen Krähenfüße und Mimikfalten entstehen, erreichen die Cremes nicht. Das darf eine kosmetische Creme auch gar nicht, das dürfen nur medizinische Produkte.
Bei manchen Cremes und Fluids wird mit einer Faltenminderung nach vier Wochen um 60 Prozent geworben. Wie sind solche Aussagen zu bewerten?
Unternehmen, die mit einer Reduktion der Faltentiefe werben, lassen das in dermatologischen Tests untersuchen. Manchmal werden Testpersonen nur nach ihrer persönlichen Einschätzung gefragt, nachdem sie ein Produkt über mehrere Wochen aufgetragen haben.
Aussagekräftiger und teurer sind kontrollierte Studien, die die Wirkung eines Produkts mit unbehandelter Haut oder einer anderen Creme ohne spezielle Wirkstoffe vergleichen. Einen gesetzlichen Standard gibt es allerdings noch nicht. Der wird aber sicherlich von Behördenseite früher oder später gefordert werden.
Die Naturkosmetik wirbt mit natürlichen Inhaltsstoffen. Sind die besser als im Labor gebastelte Einzelsubstanzen?
Synthetische Peptide sind nach dem aktuellen Stand des Wissens die wirksamsten frei verkäuflichen Wirkstoffe gegen Falten. Aber auch natürliche Stoffe wie Koffein oder Centella-Extrakt haben eine Wirkung. Natursubstanzen haben oft noch weitere Vorteile. Zum Beispiel wird Vitamin E aus Weizenkeimöl besser aufgenommen, als synthetisches Vitamin E. Die chemische Struktur der natürlichen Fettsäuren ähnelt den Fettsäuren des Säureschutzmantels unserer Haut. Ebenso bin ich sicher, dass ein natürlicher Rohstoff in seiner komplexen Gesamtzusammensetzung besser ist, als eine daraus gewonnene Einzelsubstanz. Es ist bekannt, dass die Inhaltsstoffe von natürlichen Extrakten als System wirken und sich gegenseitig vor Zerfall schützen.
Manche Inhaltsstoffe werden als besonders effektiv beworben, etwa weil sie reich an Vitamin C oder E sind. Was gelangt davon in die Haut?
Es gibt nur wenig gute Untersuchungen zur Aufnahme von Vitaminen durch die Haut. Man weiss um die Effekte einer Einzelsubstanz. Also etwa, dass Vitamin C in der Haut als Radikalenfänger wirkt. Doch es ist ein sehr empfindliches Vitamin. Es ist schwierig, es in einer Cremegrundlage stabil zu halten und tatsächlich in die Haut zu bringen. Was das Thema Antioxidantien betrifft, kann man über eine gute Versorgung von innen sowieso sehr viel mehr erreichen als von außen über eine Creme.
Also sollte man für eine jugendliche Haut viel Tomaten und grünes Gemüse essen?
Laseruntersuchungen der Haut an der Charité Berlin haben gezeigt, dass Menschen, die sich gesund ernähren und einen gesunden Lebensstil pflegen, sehr viele Antioxidantien in der Haut aufweisen – das ist ein sehr wirkungsvoller Zellschutz. Umgekehrt hat sich das Ergebnis auch bestätigt: Ungesunde Ernährung und ungesunde Lebensweise lassen den Antioxidantiengehalt in der Haut rapide sinken. Der Lebensstil beeinflusst die Hautalterung also ganz enorm.
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