Cosmia natürlich schön
 
Cosmia 1/2008

Hintergrund

Im Zweifel gegen die Angeklagten?

Einige Inhaltsstoffe in Kosmetika haben einen schlechten Ruf. Da viele Substanzen tatsächlich noch nicht hinreichend untersucht wurden, geht man besser auf Nummer sicher. // Von Stephanie Silber

N ur wenige Verbraucher verstehen die Bezeichnungen der Inhaltsstoffe für Kosmetika. Kein Wunder, ein finnischer Dialekt ist nichts gegen die INCI-Deklaration der mehr als 6300 Einzelstoffe für Pflegeprodukte. Viele Menschen möchten aber genau wissen, was sie täglich an Haut und Haar lassen. Sei es, weil sie mit Allergien oder Unverträglichkeiten zu kämpfen haben oder aber, weil Wörter wie „krebserregend“, „hautreizend“ oder „gesundheitsgefährdend“ immer wieder Schlagzeilen machen.

Verlässliche Kriterien gesucht

Und genau da liegt die Krux: „Genau wissen“ gibt es leider nicht. Noch immer sind unzählige chemische Zutaten nicht auf ihre Auswirkungen auf den menschlichen Körper hin untersucht. „Viele Inhaltsstoffe werden schon seit Jahrzehnten eingesetzt, ohne dass sie über die gesetzlich vorgeschriebene Sicherheitsbewertung hinaus hinterfragt wurden“, erklärt Dr. Tilmann Reuther, Dermatologe am Institut für Biochemie, Fachrichtung Kosmetikwissenschaften, der Universität Hamburg. Es gebe zu wenige Daten, mit denen man verlässliche Aussagen treffen könne. „Der Einsatz vieler Stoffe ist eine Frage der Tradition“, so Reuther. Erst in den vergangenen Jahren habe sich das öffentliche Interesse verstärkt auf dieses Thema gerichtet.

Doch worin liegt die Schwierigkeit, Inhaltsstoffe wissenschaftlich fundiert zu bewerten? „Wir müssen interdisziplinär arbeiten“, schildert Reuther eines der Probleme. „Dermatologen, Toxikologen, Pharmazeuten und Biochemiker müssten sich an einen Tisch setzen. Das ist nicht einfach zu realisieren“, sagt der Wissenschaftler. Außerdem sei immer die Frage, wer sich für die Studien interessiere. „Es gibt noch eine Menge Untersuchungsbedarf, aber wer zahlt das?“

Und wenn einer zahle, stelle sich das Problem der Bewertung. „Die Herausforderung liegt darin, verlässliche Kriterien zu finden, um über Inhaltsstoffe sichere Aussagen machen zu können. Und zwar nüchtern, differenziert und vor allem ohne Tierversuche.“

Trotz allem hält sich der schlechte Ruf einiger Substanzen hartnäckig – und das macht Verbraucher misstrauisch. Ihnen reicht der Anfangsverdacht „gesundheitsgefährdend“ aus, denn im Zweifel wollen sie ein Risiko vermeiden.

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