Dauerlauf fürs Köpfchen
Unser Denkorgan ist ein enorm bewegliches und veränderbares Kraftpaket, so beschreibt es die Hirnforschung. Tatsächlich macht uns ein regelmäßiges Fitnesstraining für die grauen Zellen schlauer, wacher und auch gesünder. // Von Barbara Müller
Der Gang ins Fitnessstudio oder die tägliche Jogging-Runde gehören für zahlreiche Menschen zum positiven Körpergefühl. Was viele nicht wissen: Ebenso wie ein Muskel sich unter regelmäßiger Belastung kräftigt, steigern unsere Nervenzellen im Gehirn ihr Potenzial für Logik, Sprache, Erinnerung und Konzentration durch stetiges Üben. Unter dem Begriff „Gehirn-Jogging“ hat sich daher in den vergangenen Jahren ein wahrer Boom an Ratgeberbüchern, Lernsoftware, Internetseiten und Gedächtnisakademien herausgebildet. Die allgemeine Angst vor dem Älterwerden steht Pate für den kommerziellen Erfolg.
Doch mentales Workout ist wie das körperliche Fitnesstraining ein Gesundheitsprogramm für jedes Alter, und es muss nichts kosten, außer vielleicht den geringen Betrag für einen Bibliotheksausweis. Literatur zum Gehirnsport setzt die wissenschaftliche Erkenntnis um, dass die grauen Zellen Abwechslung brauchen.
Der Mix macht‘s
Und das funktioniert so: Bilderrätsel und Vergleiche geometrischer Figuren schulen das räumliche Denken, eine wichtige nicht-sprachliche Fähigkeit. Das Sprachvermögen wiederum profitiert enorm von Aufgaben mit spielerischen Wortketten, wie bei folgendem Verknüpfungsrätsel: „Höhepunkt“ verhält sich zu „Beginn“ wie „Gipfel“ zu – na? a) Spitze, b) Basis, c) Höhe, d) Schnee, e) Berg. Wer sich für „b) Basis“ entschieden hat, zeigt ein gutes verbales Denken!
Wissensfragen im Quizstil fördern im „Brain Gym“ die Allgemeinbildung. Merk- und Erinnerungsspiele hingegen trainieren das Kurz- und Langzeitgedächtnis. Die schwer auszusprechende Mnemotechnik ist dabei eine große Hilfe, die von allen Gedächtnisprofis auf Meisterschaften angewendet wird. Sie lehrt das geistige Verknüpfen eines sachlichen Inhaltes, wie eine lange Zahl, mit einer Bildergeschichte, anhand derer man sich auch durch zwanzigstellige Ziffern hangeln und diese behalten kann.
Eine andere Methode, das „Mind Mapping“, ist eine Assoziationsübung mit einer selbstgemalten Gedächntis-Landkarte zu jedem beliebigen Thema. Sie erzeugt die berühmte Hirnhälften-Synchronisation, also den parallelen Einsatz unserer logischen und emotionalen Hirnareale, was ein wahres Feuerwerk an Kreativität und Intuition beim Gehirnsportler auslöst. Was ist dagegen ein klassisches Kreuzworträtsel? Nicht mehr als eine kleine geistige Fingerübung.
Wer nun glaubt, als Gehirn-Jogger müsse man hochbegabt oder mit einem stattlichen IQ ausgestattet sein, liegt völlig falsch. Ziel des Mentaltrainings ist nicht Fehlerfreiheit im Sinne der Schulnote Eins. Fehler sind ausdrücklich erwünscht, da man bei ihrer Korrektur wieder spielerisch dazu lernt.
Vielmehr wird die breite Nutzung aller Hirnareale und ihrer Fähigkeiten angestrebt, ebenso wie bei Aerobic oder Bodystyling alle Muskelgruppen bewegt werden wollen. Spiel und Spaß sind die beste Motivation, weshalb sich Gehirn-Jogging gut als tägliches Familienritual oder für das Zusammensein mit Freunden eignet. Oder zur täglichen „Wellness-Behandlung“ für den eigenen Kopf.
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