Cosmia natürlich schön
 
Cosmia 5/2008

<< Honig - Göttllich süß

So wie es in freier Natur in Südamerika noch möglich ist, lebten vor hunderten von Jahren wilde Bienenstöcke auch in Deutschland. Die Bienen summten in Baumstämmen und ausgehöhltem Totholz. Ein wenig wie im Schlaraffenland: Wer süße Honigwaben wollte, griff einfach hinein. Dies belegen zumindest 12 000 Jahre alte Felszeichnungen. Noch im Mittelalter war dies landläufige Praxis. Auch wenn Honigjäger ihre Beute bisweilen mit wilden Bären teilen mussten.

Erst seit einem Dekret Karls des Großen um 800 nach Christus wurde Honig professionell angebaut. Und die Bienen fortan artig in Bienenkörbe umgebürgert. So schuf der Kaiser die Gilde der Imker und es begann die Bienenzucht. Lange Zeit war Honig das einzige Süßungsmittel – bis Zuckerrohr oder Sirup aus Rüben ihm im 18. Jahrhundert den Rang abliefen.

Vitamine und Co.

Wussten unsere Vorfahren das Naturgut nicht nur als Süße, sondern auch als Met, den germanischen Honigwein, zu schätzen, interessieren inzwischen eher die inneren Werte der einstigen „Kaisersüße“. Denn Honig hat viele Nährwerte und beschert uns ein Füllhorn an guten Gaben: Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, Enzyme, Aminosäuren – alle stecken in einem Löffelchen Honig. Dabei sollten Getränke oder Speisen, die wir mit Honig verfeinern wollen, nicht zu heiß sein. Denn bei über 40 Grad Hitze werden viele kostbare Inhaltsstoffe zerstört. Daher werden Biohonige auch nie über diese Marke erhitzt, ebensowenig wie „Deutscher Honig“.

Vitamine sorgen beispielsweise dafür, dass der Stoffwechsel funktioniert, Mineralien und Spurenelemente unterstützen den wichtigen Sauerstofftransport in die Zellen. Die im Honig enthaltenen Enzyme sind Nachlassenschaft der Bienen und bewirken die Wandlung von Pollen in Zucker. Daher auch die spätere Kristallisation.

Goldgelbe Kruste auf dem Braten

Beim enzymatischen Prozess entstehen auch Stoffe mit antibakterieller Wirkung. Honig hat daher einen lindernden Effekt bei Infektionen der oberen Luftwege – und hilft auch beim sogenannten kratzigen Hals. Synchronsprecher, die stimmgewaltig viel geben müssen, gurgeln deswegen gerne mit Honig gesüßten Heißgetränken.

Honig ist aber nicht nur in Getränken, sondern auch bei Speisen ein Tausendsassa: So erobert er als Lavendelhonigkruste auf dem Braten, warme Honig-Curry-Soße am Frühlingssalat oder milde Müsli-Würze unsere Herzen. Und spätestens mit einem Löffel Honig-Eis schmelzen unsere letzten Widerstände dahin. Schön daran, dass Honig immer bleibt, was es ist: ein reines Naturprodukt. Einer der ältesten kulinarischen Schätze unserer Erde.

Deswegen wacht „Honigsammler“ Mucen Cab über seine göttlichen Bienen. Und auch, wenn es bei uns keine wilden Stöcke mehr gibt – es lohnt sich immer, dem „magischen“ Summen zu lauschen

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