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Cosmia 5/2008
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Tod im Labor<< Quälerei ohne Ende

Das drohende Massaker

REACH heißt das neue Regelwerk der EU für Chemikalien. Es sieht vor, alle in der EU in größeren Mengen gehandelten Stoffe auf ihre Giftigkeit und Gefährlichkeit zu untersuchen. Bevor REACH im vergangenen Jahr verabschiedet wurde, schlugen die Tierschutzorganisationen Alarm.
Sie befürchteten, dass für die verlang­ten Tests 30 bis 45 Millionen Tiere umgebracht werden müssten. Ihre Kampagnen zeig­ten Wirkung. Zwar werden noch Millionen Versuchstiere sterben, „doch wir haben zumindest den Einstieg in den Ausstieg geschafft“, sagt Dr. Marlene Wartenberg, die das EU-Büro der Tierschutzorganisation Vier Pfoten leitet. Denn mit REACH wurde ein Stufenplan verabschiedet, der den Alternativmethoden nach und nach zum Durchbruch verhelfen soll.

Zudem sieht der Tierschutz-Aktionsplan der EU vor, Alternativmethoden stärker zu fördern. Auch haben sich die einschlägigen Chemiefirmen zu einer Initiative für Alternative Testmethoden zusammengeschlossen. „Das geht in die richtige Richtung, aber es geht viel zu langsam voran“, sagt Marlene Wartenberg.

Alternativen zum Tierversuch

Seit vielen Jahren entwickeln Wissenschaftler Methoden, um Versuche mit Tieren ersetzen zu können. Viele gefährliche Eigenschaften von Chemikalien lassen sich auch mit Hilfe von Zellkulturen im Reagenzglas nachweisen. Statt beim Draize-Test Kaninchenaugen zu traktieren, kann man beispielsweise die reizenden Eigenschaften einer Substanz an dem Häutchen auf der Innenseite von Eierschalen testen.

Langer Weg der Behörden

Das Problem aus Sicht der Tierschützer ist, dass es zehn Jahre und länger dauert, bis solche Tests entwickelt und – da liegt die Crux – amtlich anerkannt sind. Dr. Manfred Liebsch betreut bei der ZEBET ­(Zentralstelle zur Erfassung und Bewertung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden zum Tierversuch) solche Entwicklungen. „Die Validierung, also die wissenschaftliche Überprüfung alternativer Tests, wird sich künftig beschleunigen. Das Problem ist aber der anschließende politische Abstimmungsprozess“, erklärt Liebsch. Denn eine Methode hilft Versuchstieren nur, wenn sie von allen 30 Industriestaaten in der OECD anerkannt wird.

Nur durch Konsens zum Ziel

Der Knackpunkt: Die OECD entscheidet im Konsens. „Das heißt, Sie müssen alle mit ins Boot holen“, sagt Liebsch. Ein halbes Jahr hat er am OECD-Sitz in Paris damit verbracht, die Experten der Mitgliedsstaaten davon zu überzeugen, dass man die hautätzenden Eigenschaften einer Chemikalie an einer künstlichen Haut ebenso gut testen kann wie an glatt rasierten Kaninchen. Mit Erfolg.

Beim Draize-Test, der an Kaninchenaugen durchgeführt wird, ist eine solche Einigung allerdings noch nicht in Sicht. Doch in der Praxis verwenden viele Unternehmen trotzdem bereits die Alternativmethode, um stark reizende Substanzen zu bestimmen und von Kaninchenaugen fern zu halten.

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