Cosmia natürlich schön
 
Cosmia 5/2008

Sanfte Pflege
für die raue Schale

Auch Männer cremen sich ein und besprühen sich mit Parfüm. Nicht immer, aber immer öfter. Schließlich hat Mann es sich verdient. // Von Leo Frühschütz

awohl, ich gebe es zu, ich habe einen Lieblings­tiegel. Die Creme darin massiere ich nach dem Rasieren ein. Nicht nur, weil es meiner abgeschabten, vom Rasierschaum entfetteten Haut gut tut. Entscheidend ist der Duft, der mich einhüllt, erst zart, dann immer kräftiger. Eine Mischung aus Sandelholz, Zeder und einigen ätherischen Ölen, die der Hersteller nicht verraten will. Meine Laune steigt mit jedem Atemzug, das Selbstbewusstsein wächst und ich stürze mich aus dem Badezimmer heldenhaft in den Alltag.

Pfirsich und Veilchen unerwünscht

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Ich bekämpfe meine Falten nicht mit Anti-Aging-Creme, das wäre Geschichtsklitterung. Ich blättere auch nicht in „Men’s Health“ nach, mit welchem Duft man eine Frau herumkriegt. Das ist ebenso wenig meins wie Mascara for Men. Bei mir sind die Augenringe echt. Dennoch trage ich gerne mein Scherflein zu den 880 Millionen Euro bei, die wir Männer jedes Jahr für Herrenkosmetik ausgeben. Denn ein bisschen Pflege und Wartung brauche ich schon.

Dazu gehört zum Beispiel, dass ich mich nach dem Duschen mit einer Bodylotion einreibe. Angefangen hat das, als die Haut an den Beinen im Winter zu jucken begann. „Zu trocken, schmier dich ein“, lautete die Diagnose meiner Frau. Ich kratzte noch ein paar Tage lang und griff dann zu einer ihrer Bodylotionen. Tatsächlich lies das Jucken nach.

Nur der Duft war viel zu rosig. Männer mögen es an sich selbst gerne herb. Das liegt an den Hormonen, sagen die Geruchsforscher. Die Bakterien auf der Haut zersetzen das männliche Geschlechtshormon Testosteron im Schweiß zu Substanzen, die paarungsbereite Weibchen anlocken. Unbewusst wählen wir Männer für uns deshalb Düfte, die wie solche Lockstoffe riechen. Vielleicht liegt es aber auch an den Bildern in unseren Köpfen: Der Marlboro-Mann duftet nicht nach Pfirsich oder Veilchen, sondern nach Leder, Lagerfeuer und Abenteuer.

Außerdem rasiert er sich nass. Schaum aufschlagen, mit dem Dachshaarpinsel die Wangen streicheln, konzentriert mit der Klinge das Kinn umkurven. Für mich gibt es kein sinnlicheres Ritual im Badezimmer, als eine altmodische Nassrasur. Nirgends sonst kommt ein Mann seiner Haut so nahe. Zumindest die Hälfte der Männer, die den Griff zum Elektrorasierer verweigert. Wer hat schon etwas davon, wenn ich beim Rasieren Zeit spare. Diese Minuten vor dem Spiegel gehören mir. Eine Flasche in meinem Drittel des Toilettenschränkchens teile ich dagegen gerne. Es ist die mit dem Massageöl.

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