Kaum staatliche Forschung
Forschung bedeutet Zukunft, auch für natürliche Körperpflege. Aber noch immer gibt es auf diesem Gebiet viele offene Fragen. Wir wollten von Firmen wissen, wo sie den dringendsten Forschungsbedarf sehen, und wo sie ihre Schwerpunkte setzen. // Von Peter Gutting
Welche Fragen in der Naturkosmetik müssten Ihrer Meinung nach dringend geklärt werden?
Dr.Hauschka: Kunden von Naturkosmetik wünschen sich mehr und mehr Produkte, die sie aus dem konventionellen Bereich kennen, wie Nagellack oder Schäume. Deshalb wäre es schön, wenn Lösungen für Nagellack gefunden werden könnten, die ohne die sonst üblichen künstlichen Lösungsmittel auskommen und auf rein natürlichen Inhaltsstoffen beruhen. Auch bei den Schäumen wäre es schön, Lösungen zu entwickeln, die in Anwendbarkeit und Konsistenz mit konventionellen Produkten mithalten können, aber rein natürliche Inhaltsstoffe haben.
Logona: Dringende Forschungsarbeit ist unserer Meinung nach erforderlich beim Thema Toxikologie und dem allergenen Potenzial von Pflanzen. Außerdem sollten endlich internationale Standards für Naturkosmetik entwickelt werden.
Lavera: Natürlicher Sonnenschutz durch Reflexion der UV-Strahlung mittels Titandioxid und Zinkoxid ist weltweit Angriffen ausgesetzt – ausreichende Studien zu bestimmten Fragestellungen fehlen, somit auch die Grundlage für eine wissenschaftlich fundierte Gegendarstellung, die eine Komplexität des Sachverhalts und des Organismus einschließen. Außerdem wäre es wichtig, Allergietests bei Dermatologen zu differenzieren und hier die natürlichen Wirkstoffe von den isolierten synthetischen zu trennen. Ein dritter Bereich ist die REACH-Gesetzgebung, also die EU-Verordnung zur Registrierung und Zulassung. Hier ist die Not groß, für viele der seit Jahrtausenden eingesetzten Wirkstoffe wissenschaftliche Studien zu erbringen.
Weleda: Bezüglich der Entwicklung und analytischen Charakterisierung von Pflanzenextrakten mit neuartigen Wirksamkeitsprofilen besteht sicherlich Nachholbedarf, um auch in Zukunft innovative Naturkosmetikprodukte entwickeln zu können. Ebenso wichtig ist die Erforschung alternativer Konservierungsmethoden.
Börlind/Tautropfen: Die Haut ist ein sehr komplexes Organ. Damit sie optimal funktioniert, müssen die Hautzellen miteinander kommunizieren, um auf innere und äußere Einflüsse reagieren zu können. Dieses Kommunikationssystem ist noch nicht umfassend erforscht. Damit hat man auch keine Möglichkeit, in dieses System regulierend einzugreifen.
Finden Sie, dass sich die staatlich geförderte Forschung, etwa an Universitäten, ausreichend um Naturkosmetik kümmert?
Dr.Hauschka: Leider nein. Deshalb gehen wir auf die Universitäten zu.
Logona: Nein, wir partizipieren nur gelegentlich an Projekten zum ökologischen Anbau, aber hier liegt der Fokus natürlich auf Lebensmitteln.
Lavera: Eher nicht, weil es kaum staatliche Fördermittel gibt. Außerdem: Der bürokratische Aufwand lohnt sich nicht im Verhältnis zu den Fördermitteln und dem Risiko, dass über die laufende Forschung schon Ergebnisse nach draußen dringen könnten, die so noch nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind.
Weleda: Nein, Naturkosmetik ist eher ein Randthema.
Börlind/Tautropfen: Naturkosmetik ist, soweit wir dies überblicken können, kein Thema der staatlich geförderten Forschung. In der Grundlagenforschung, also bei der Altersforschung oder der Einwirkung von Sonnenstrahlen auf die Haut, sind einige Institute aktiv. Diese Aktivitäten sind aber nicht speziell auf Naturkosmetik ausgerichtet.
| weiterblättern> |
