„Der Haut Zeit geben“
Kosmetikerin Dagmar Gudrun Böschen erklärt, was bei der Umstellung von konventioneller auf Naturkosmetik passiert und womit man (frau) rechnen muss. // Von Imke Sturm
Die Berlinerin Gudrun Dagmar Böschen (53) ist seit 1977 Drogistin
und Kosmetikerin. 2003 spezialisierte sie sich auf
Naturkosmetik. In ihrer mobilen Praxis wendet sie auch
Massagen und Reiki an.
Was kann passieren, wenn eine Kundin zu Naturkosmetik wechselt?
Zunächst erkennt die Haut, dass etwas Neues passiert. Das signalisiert ihr erstmal: „Fremdkörper“. Also schickt sie Botenstoffe und Abwehrstoffe an die entsprechenden Stellen. Das kann sich durch Bizzeln, leichtes Brennen oder Röten der Haut bemerkbar machen. Wir Kosmetiker sagen: Die Haut arbeitet. Das ist auch vollkommen normal, aber die Kundin kriegt erstmal einen Schreck. Mitunter kann die Haut auch leicht abschuppen, angeregt durch den Regenerationsprozess – genau wie beim Wechsel von Winter zu Frühling.
Wie lange dauert diese „Arbeitsphase“?
Das dauert lange, mindestens vier Wochen, bis die Wirkstoffe eine neue Hautschicht im Gewebe erreichen. 28 Tage wandert eine Hautzelle von ihrer tiefer gelegenen Entstehungsschicht bis zur sichtbaren Hautoberfläche. Hier wird sie dann als trockene Hautschuppe abgestoßen. Während dieser Bildungsphase scheidet die Haut alte Wirkstoffe und deren Reste mit aus, was sich als Pickelchen zeigen kann. Das kann beim Umstellungsprozess auf Naturstoffe passieren. Konventionelle Produkte wirken oft nur oberflächlich mit Fetten und Feuchtigkeit. Sie gehen nicht mit in den Stoffwechsel ein, so wie es Bioprodukte tun. Da passiert einfach ganz viel.
Was raten Sie einer Kundin?
Sie sollte sich die Zeit gönnen. Diese Umstellungsprozesse sind vollkommen normal. Sie sollte keine Angst haben und es als positives Zeichen werten, dass da etwas passiert und es wirkt.
Zieht eine naturkosmetische Creme genauso schnell ein wie eine konventionelle?
Das wird unterschiedlich wahrgenommen. Der ganz glatte Film in konventioneller Kosmetik, der sich gut verteilen lässt, kommt oft von Silikonen. Das macht die Haut auch so trocken. Wie Spülmittel im Wasser, das sich oberflächlich sofort verteilt, aber nicht in die Tiefe geht. Naturkosmetik braucht Zeit und die Wärme des Körpers von 37 Grad, um sich mit der Haut zu verbinden. Dies benötigt einfach einige Minuten länger.
Woher kommt das? Wie geht man damit um?
Das liegt an den Naturstoffen. Rosenwachse beispielsweise brauchen Wärme, um sich zu verflüssigen, etwa zwei bis drei Minuten. Mein Tipp: zwischendurch Zähne putzen oder Haare bürsten. Dann nochmal über die Haut streichen. Einfach ein bisschen umdenken und das Positive daran sehen: Es ist ein Naturprodukt. Es hilft, sich an der Natur zu orientieren. Wie lange braucht eine Ente, um sich einzufetten? Das geht auch nicht „zackzack“.
Ist Naturkosmetik weniger lang haltbar?
Ja, das hängt damit zusammen, dass auf künstliche Konservierungsstoffe komplett verzichtet wird. Naturkosmetik ist so gut haltbar wie angegeben. Am besten möglichst kühl halten. Man sollte der eigenen Nase vertrauen: Wenn das Produkt noch gut duftet, kann es auch gut vier bis sechs Wochen nach dem Mindesthaltbarkeitsdatum noch verwendet werden.
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