Cosmia natürlich schön
 
Schönheit & Pflege

<< Rosen auf meiner  Haut

Die duftende Alternative

Seit 30 Jahren ringt Afghanistan um Frieden, das Land ist arm. Für Bauern ist Opium oft die wichtigste Einnahmequelle. Eine Alternative kann der Bioanbau von Rosen sein, den deutsche Kosmetikhersteller nicht nur durch finanzielle Hilfe unterstützen. // Von Martin Fütterer

Vorsichtig zieht Destillenmeister Shireen das wertvolle Rosenöl mit einer Einwegspritze aus dem Auffangbehälter. Nur etwa einen Hundertstel Liter Rosenöl hat die Destille aus 40 Kilogramm Rosenblüten gewonnen. Deren Duft schwebt über dem kleinen Tal. Es liegt in einer der ungemütlichsten Ecken der Welt: Im Osten von Afghanistan, in der Provinz Nangarhar. Hier wurde bisher Schlafmohn für die Opiumproduktion angebaut. Die Rosen sind eine echte Alternative – zumindest für einige Bauern. Fünf Liter ätherisches Biorosenöl hat das Projekt der Deutschen Welthungerhilfe 2007 produziert, für 2008 erwartet Projektleiter Norbert Burger 30 Liter. Rosenöl ist ein seltener und edler Stoff. Nur 3000 Liter werden pro Jahr weltweit erzeugt. Besonders knapp ist Rosenöl aus biologischem Anbau. Für den deutschen Naturkosmetik-Hersteller Wala mit seiner Marke Dr.Hauschka ist das afghanische Rosenöl hoch willkommen – er zahlt über 5000 Euro je Liter.

Im Tal des Lichts

Eine der beiden Destillen der Welthungerhilfe steht im Tal des Lichts, dem Dar-i-Noor, mit seinen zwei Dörfern Qalay Shai und Bamba Khot. Weizenfelder und Obsthaine ziehen sich bis an die kargen Berghänge. Dazwischen die typischen Häuser der Paschtunen, die hier den Großteil der Bevölkerung stellen: Jede Familie bewohnt ein festungsartiges Viereck, umgeben von einer drei bis vier Meter hohen Schutzmauer mit einem einzigen Eingang und ohne Fenster, darin Männerhaus, Frauenhaus, Stallungen und Gemüsegarten. Diese Bauweise betont die strikte Privatsphäre, die die Paschtunen für ihr Familienleben in Anspruch nehmen und sie bietet Schutz vor Sonne und Wind. Aber auch vor Menschen. Die Bewohner sind heute kaum sicherer und genauso verteidigungsbereit wie vor zwei- oder dreitausend Jahren, als diese Bauweise entstand.

Im Dorf Qalay Shai ist eine Sammelstelle für die Rosenblüten. Projektleiter Norbert Burger und sein Assistent Mohammed Mohmand werden mit Handschlag und der Hand auf dem Herzen von den Männern begrüßt. Die Frauen sind längst außer Sicht. Dorfchef Sabit Amir Mohamad lädt mit großer Geste zum Essen, aber Norbert Burger lässt sich nur auf einen Tee ein. Auf Teppichen sitzend werden Höflichkeiten ausgetauscht. Sabit Amir spielt mit seinem Handy und seiner Armbanduhr, sein Haus hat Strom, er ist kein armer Mann. Mit den Rosen ist er dennoch nicht ganz zufrieden. Wenn er auf Dauer auf das Opium verzichten soll, dann möchte er höhere Preise. Norbert Burger zieht die Augenbrauen hoch, aber offener Widerspruch wäre unhöflich.

Eine dornige Angelegenheit

Beim Gang durch die Felder zeigt Norbert Burger, wie dieses Dorf mit Rosen mehr Geld verdienen könnte: „Rosen tragen am zweijährigen Trieb, also muss man alte Triebe abschneiden, damit sich neue Triebe bilden können. Werden die Büsche zu hoch, kommen weder die Pflücker durch noch das Sonnenlicht. Blüten wachsen dann nur noch ganz oben. Hier müssen sich die Pflücker die oberen Triebe mit Stöcken herunterziehen, damit sie überhaupt an die Blüten kommen. So bleibt die Ernte natürlich klein.“

Im Dorf Bamba Khot ist Norbert Burger zufriedener. Die Bauern sind diszipliniert und fleißig. Hier steht auch die Destille. Jeweils 40 Kilogramm Blüten werden abgewogen und mit 120 Litern Wasser zum Kochen gebracht. Der Dampf zieht über Rohre zur Abfüllstation und kühlt darin ab. Am Ende fließt eine Mischung aus Rosenöl und Rosenwasser in die „Florentiner Flaschen“. Das leichtere Rosenöl setzt sich nach einiger Zeit oben ab – und dann kommt Destillenmeister Shireen mit seiner Spritze und birgt das kostbare Gut.

  weiterblättern>