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„Rosen aus dem Al-Qaida-Camp“

Das Tal der Familie Wadam war zehn Jahre lang ein Trainingslager der Al-Qaida. Inzwischen baut die Familie Rosen an. Mohamend Wadam erzählt, wie es dazu kam. // Von Martin Fütterer

Mohamend Wadams Familie lebt schon seit mehr als 1000 Jahren in dem afghanischen Tal. Er ist verheiratet und hat mehrere Kinder.

Haben Sie Schlafmohn für Opium angebaut?

Ja, es blieb uns nichts anderes übrig. Wir schaffen es zwar, genug Weizen für den eigenen Bedarf anzubauen, aber wir brauchen auch etwas, was wir verkaufen können. Einige Jahre bekamen wir nur für Opium genügend Geld, um Kleider, Haushaltsgegenstände und andere Dinge zu kaufen.

Heute bauen Sie stattdessen Rosen an. Ist das eine Alternative?

Auf jeden Fall. Wir bekommen zwar nicht so viel Geld, brauchen dafür aber auch weniger Dünger und Wasser und haben sogar weniger Arbeit damit. Als die Welthungerhilfe 2004 diese Möglichkeit anbot, haben wir sofort damit begonnen. Es hat einige Zeit gedauert, bis die Rosensträucher nun so viel tragen, dass wir eine gute Ernte haben, jetzt sind wir zufrieden. Und wenn Allah will, werden wir dieses Jahr noch eine bessere Ernte haben, denn wir haben gelernt, wie man die Sträucher richtig schneidet. Aber das Wetter ist dieses Jahr verrückt.

Was ist so ungewöhnlich?

Erst war es sehr trocken, weil ein heißer Wind im Frühjahr den Schnee auf dem Gebirge einfach verdunsten ließ, es kam zu wenig Schmelzwasser. Die Weizenernte ist so schlecht, dass sich die Preise dieses Jahr verdoppelt haben und viele Bauern nicht genug für den eigenen Bedarf ernten. So schlimm ist es bei uns zum Glück nicht. Aber jetzt, wo die Rosenblüten geerntet werden sollen, regnet es plötzlich in ganz unüblicher Weise und schlägt uns die Blüten von den Sträuchern. Wir haben aber schon viel geerntet und jetzt wollen wir auch eine eigene Destille bauen.

Ihre Familie wird in der Gegend als „heilig“ bezeichnet, warum?

Wir Wadam gehören zu den direkten Nachfahren des Propheten Mohammed. Unser Urahn galt als besonders gläubiger Mann und sein Grab gilt als wundertätig.

Wie lange bewohnt Ihre Familie schon das Tal Inseray?

Wohl schon 1000 Jahre. Ununterbrochen? Nein. Mitte der 80er-Jahre während des Krieges gegen die Russen mussten wir nach Pakistan fliehen. Zwölf Jahre haben wir dort als Lastwagenfahrer und Tagelöhner gearbeitet, um unsere Familien zu ernähren. 1999 kehrten wir zurück.

Wie fanden sie Ihre Heimat bei der Rückkehr vor?

Al-Qaida hatte das Tal für zehn Jahre von den Taliban gepachtet und hier ein militärisches Trainingslager eingerichtet. Die Felder lagen brach und es gab viele Zerstörungen durch Handgranaten, Raketenwerfer und Maschinengewehrfeuer. Es hat uns fast das Herz gebrochen.

Wie bekamen Sie ihr Tal zurück?

Wir mussten um unser Eigentum kämpfen. Der Taliban-Gouverneur von Nangarhar, Maulawi Kabir, befragte die Dorfversammlungen in der Nachbarschaft, ob der Pachtvertrag erfüllt werden soll oder wir das Tal zurückbekommen. Und unsere Nachbarn stimmten dafür, dass Al-Qaida gehen muss. Dafür sind wir sehr dankbar.

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