
Rosen auf meiner Haut
Das dornige Gewächs mit den opulenten Blüten ist ein Schatz für die Naturkosmetik. Hauptsächlich wird dafür deren Öl verwendet. Einige Firmen haben Anbauprojekte in anderen Ländern initiiert – das bedeutet faire Bedingungen für die Bauern vor Ort und eine Alternative zum Anbau von Rauschgift. // Von Stephanie Silber
„Es ist die verrückteste und gleichzeitig wundervollste Blume, die ich kenne“
Ein bisschen Romantik und Kitsch muss einfach sein, wenn es um die Rose geht. Allein ihre Spitznamen wie „Blume der Liebe“ oder „Königin der Blumen“ erinnern an die Casanovas dieser Welt und an in rosa getauchte, englische Landhäuser. Über das dornige Gewächs gibt es unzählige Geschichten zu erzählen, Mythen, Sagen und vieles mehr. „Es ist die verrückteste und wundervollste Blume, die ich kenne“, sagt Dr. Dietrich Wabner, Professor an der Technischen Universität (TU) München. Der Chemiker forscht seit Jahren über die Rose und ist Präsident der Natural Oils Research Association. „Verrückt unter anderem deswegen, da es die einzige Blume ist, die wirklich auf der ganzen Welt vorkommt. Und jedes Volk hat einen eigenen Namen für sie, außer einem – das der Inuit (Eskimos).“
Frei von Mythos sind jedoch die positiven Eigenschaften der Rose – ob in Heilkunst oder Kosmetik. Gäbe es den Kosenamen „Blume der Naturkosmetik“, wäre er nicht übertrieben. Fast alle Naturkosmetik-Hersteller haben Produkte, denen Rosenöl oder -wasser zugesetzt sind. Es gibt ganze Serien, die nach ihr benannt sind. Von Reinigungsmilch über Shampoo und Duschgel bis zum Deodorant ist fast alles „rosig“ im Naturkosmetikregal zu finden.
Für Sabine Ruf, die gemeinsam mit ihrem Mann eine Bioland-Rosenschule im hessischen Steinfurth betreibt, ist das kein Wunder: „Die Rose hat einfach alles, was man braucht“. Anhand eines Blütenblatts zeigt sie, was sie meint: „Unten ist die weiße Spitze. Da stecken die Bitterstoffe drin, die in der Kosmetik die kühlende und adstringierende Wirkung ausmachen. Oben im Blatt konzentrieren sich die ätherischen Öle, die einen harmonisierenden Effekt auf die Haut haben.“
Heilendes Wasser
Die Rose ist Wohltat pur für die Haut, besonders wenn diese empfindlich, sensibel und trocken ist. Das aus den Blütenblättern gewonnene Wasser hat sowohl antiseptische und entzündungshemmende als auch zusammenziehende Eigenschaften, die besonders gegen Entzündungen und Unreinheiten helfen. Rosenwasser ist tonisierend und spendet Feuchtigkeit, gerade wenn die Haut oft und unangenehm spannt.
Außerdem beruhigt es. Ein Gesichtsdampfbad mit Rosenwasser und einem Esslöffel getrockneter Blüten soll Akne abklingen lassen. Man kann Rosenwasser auch einfach zwischendurch aufsprühen. So ist es nicht nur im Sommer eine Erfrischung, sondern auch, wenn der Nachmittag im Büro nicht enden will. „Meine Seminarteilnehmer dürfen sich zwischendurch Rosenwasser ins Gesicht spritzen, um sich zu erfrischen“, erzählt Rosenexperte Wabner. Er empfiehlt es außerdem bei Neurodermitis, da das Jucken dadurch nachlasse. „Das kommt durch den Inhaltsstoff Phenylethanol, der schmerzunempfindlich macht.“
Bei empfindlichen, entzündeten Augen wirken Kompressen mit Rosenwasser kühlend und heilend. Übrigens: Reines Rosenwasser entsteht bei der Herstellung von ätherischem Rosenöl durch Destillation mit Wasserdampf als Kondenswasser.
| weiterblättern> |



