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Einmal günstig, einmal teuer?
Vor solchen Tricks bewahren Siegel für kontrollierte Naturkosmetik. Sie stellen sicher, dass keine Rohstoffe aus Erdöl verwendet werden, sowie keine synthetischen Farb-, Konservierungs- und Duftstoffe. Tenside und Emulgatoren müssen aus pflanzlichen Rohstoffen hergestellt werden. Diese Vorgaben machen Naturkosmetika teurer als herkömmliche Produkte, zumindest bei der Herstellung. Im Laden sind Naturkosmetika dagegen preiswerter als die meisten Edel-Marken.
Wer aufmerksam einkauft, stellt fest, dass auch bei zertifizierter Naturkosmetik die Preise unterschiedlich sind. Es gibt Cremes, bei denen die Tube vier Euro kostet. Bei anderen Marken muss man für die gleiche Menge das Fünf- oder Zehnfache hinblättern. Gründe für die Differenz gibt es mehrere: Günstige Naturkosmetika sind sehr oft sogenannte Eigenmarken, die es nur in bestimmten Märkten gibt. Ein Hersteller produziert für eine Handelskette und hat keinen Aufwand für Werbung und Vertrieb. Dadurch kann er das Produkt günstig abgeben. Die Handelskette schlägt wenig auf, um den Absatz ihres eigenen Produktes anzukurbeln. Denn dabei macht es die Menge.
Außerdem sind bei Eigenmarken oft die Rezepturen abgespeckt. Wenn das wichtigste Fett Soja- statt Mandelöl ist, spart das Geld. Einen Unterschied macht es auch, ob Jojobaöl oder Sheabutter aus Bioanbau stammen, was nach den BDIH-Richtlinien nicht vorgeschrieben ist. Auch verwendet man für preisgünstige Kosmetika nicht teures Rosenöl. Dennoch sind diese Produkte echte Naturkosmetik und den meisten konventionellen Produkten überlegen.
Unterschiedliche Philosophien
Die bekannten Naturkosmetik-Hersteller gehen über den BDIH-Mindeststandard hinaus. Das macht ihre Produkte noch wertvoller. Manche Firmen legen Wert auf einen möglichst hohen Anteil an Rohstoffen aus Bioanbau. Einige Hersteller schwören auf aufwendige Verarbeitungsverfahren für bestimmte Zutaten. Es gibt Firmen, die versuchen, die Inhaltsstoffe möglichst naturnah zu lassen. Andere setzen auf neu entdeckte, isolierte pflanzliche Wirkstoffe. All diese Produktphilosophien schlagen sich im Herstellungspreis nieder.
Natürlich soll sich die Wertigkeit der Creme oder Bodylotion auch in der Verpackung widerspiegeln. Doch selbst die nobelsten Naturkosmetikmarken sind nicht so teuer wie Lancôme und Co. Vielleicht wäre es sinnvoll, fünf Euro mehr zu verlangen, um dieses Geld dann in Werbung zu investieren.
Neuronen beim Shoppen
Was passiert im Gehirn, wenn Menschen Markenbotschaften wahrnehmen? Hirnforscher haben dazu Beobachtungen im Kernspintomographen gemacht. Das Ergebnis: Bei starken Marken schlagen Hirnareale an, die für positive Emotionen und Belohnung stehen. Schwache Marken dagegen wecken eher negative Emotionen.
Sind Menschen einer Marke sehr zugetan, verringert sich die Aktivität in den Teilen des Gehirns, die für rationale Entscheidungen zuständig sind. Stattdessen überwiegen positive Bilder und Erinnerungen, die man mit dieser Marke verbindet. „Bei Marken schaltet der Verstand aus“, kommentiert der Neurophysiker Dr. Michael Deppe aus Münster solche Ergebnisse. Bonner Hirnforscher konnten zeigen, wie der Anblick eines Rabattschildes die Gehirnregionen unterdrückt, die aktiv sind, wenn wir Preise und Leistungen vergleichen. Der Effekt funktioniert nicht immer, denn es gibt noch andere Einflüsse beim Einkauf. Doch eines ist klar: Nur bewusst und rational entscheiden wir uns selten.
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