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Martina Gebhardt

Die Inspiration kommt aus der Wüste

Auf ihrer Farm in Utah beschäftigt sich Martina Gebhardt mit Spagyrik, einer alten Alchimistenkunst. Auf einem restaurierten Hof in Bayern wird Kosmetik daraus. // Von Leo Frühschütz

Kein Blatt raschelt im Wind, kein Vogel trillert. Nichts was ablenken könnte. „Da entsteht in einem drin eine ganz besondere Stille. Die macht richtig kreativ, wenn man sich darauf einlässt.“ Vielleicht liegt es an dieser Ruhe, dass für Martina Gebhardt die Wüste ein Kraftfeld ist. Eines, in das sie regelmäßig aufbricht, manchmal für Wochen – und ohne Handy. Sie kann dabei zu Fuß gehen, denn die Wüste liegt vor der Haustüre. Martina Gebhardt lebt die Hälfte des Jahres auf ihrer Farm im US-Bundesstaat Utah. 9000 Kilometer liegen dann zwischen ihr und der Naturkosmetik-Firma in Oberbayern, die ihren Namen trägt. Die Frage, wie diese ungewöhnliche Arbeitsteilung funktioniert, beantwortet die Firmenchefin mit einem Wort: „Vertrauen“.

Das sei wie bei einem Schiff. Da müsse der Kapitän auch darauf vertrauen, dass die Mannschaft richtig Segel setzt und Kurs hält. „Du kannst nicht immer auf der Brücke stehen und alles kontrollieren“, sagt Martina Gebhardt, und dass sie nicht die Gefangene der eigenen Firma sein will, wie sie es bei anderen Unternehmern gesehen hat. „Loszulassen und Vertrauen zu beweisen statt zu dirigieren, das waren für mich mit die wesentlichsten Erfahrungen als Firmenleitung“. Weil sie ihren Mitarbeitern viel zutraute, gewann sie die Freiräume, die sie selbst brauchte. Für sich und für ihren 13-jährigen Sohn, der in Utah bei seinem Vater lebt.

Alle für eine Philosophie

Dass diese Arbeitsteilung seit über einem Jahrzehnt funktioniert, erklärt Martina Gebhardt auch damit, dass ihre Mitarbeiterinnen – ein Mann ist auch dabei – „meine Philosophie kennen und voll dahinter stehen.“ Einer ihrer Grundsätze ist es, sich auf das Wesentliche zu beschränken. Die Rezepturen bauen auf wertvollen Ölen auf, Kräuterauszüge und ätherische Öle. Großtechnisch hergestellte Tenside und Emulgatoren kommen ebenso wenig vor wie isolierte pflanzliche Wirkstoffe, die in anderen Naturkosmetika eingesetzt werden. Auch Vorgefertigtes kommt nicht in die Tiegel: „Wir kaufen alle Inhaltsstoffe, die auf unseren Etiketten stehen, selber ein und mischen sie selbst. Früher war das üblich, heute sind wir damit eine große Ausnahme“.

„Sinn und Sinnlichkeit verbinden“, so beschreibt die Frau aus Bayern das Ziel ihrer Kosmetik. Die Sinnlichkeit ist das sanfte Berühren beim Einmassieren, die einhüllende Creme, der Duft der ätherischen Öle. Der Sinn beschränkt sich nicht nur auf die Wirkung der Zutaten. Sinn macht auch, dass 95 Prozent der Zutaten aus Biolandbau stammen, ein Teil davon aus Demeter-Landwirtschaft. Das schont die Umwelt und bringt die Rhythmen der Natur mit in die Creme. Der Verzicht auf jegliche Konservierungsstoffe verbessert die Verträglichkeit. Weil Kosmetik in Plastiktuben nur mit Konservierung funktioniert, ist Martina Gebhardt den Porzellantiegeln und -flaschen treu geblieben.

Standort mit Geschichte

Die Verbindung von Sinn und Sinnlichkeit prägt auch den Firmensitz in Rott am Lech, südwestlich von München. Einen in Teilen mehr als 800 Jahre alten Bauernhof hat die Unternehmerin 1990 gekauft und aufwendig so umgestaltet, dass er modernsten Produktions- und Hygienestandards genügt und dennoch seine Ausstrahlung bewahrt hat.

350 Jahre alte Balken ziehen sich offen sichtbar durch die Büros der Mitarbeiter und den Ausstellungsraum, verbinden spürbar Vergangenheit und Gegenwart. Martina Gebhardt erzählt davon, dass die Holzständer innen so hart wie Beton seien und eine enorme Dachlast tragen. Sie hat Architektur studiert und unter anderem einmal alte Häuser renoviert. In ihrer Stimme schwingt der Respekt mit vor der Arbeitsleistung der einfachen Zimmerer vor 350 Jahren.

Die Produktion im Erdgeschoss ist das Kontrastprogramm dazu. In den Reinraum kommt das Personal nur über eine keimtötende UV-Schleuse. Alle Rohstoffe müssen zuerst in den Sterilisator, bevor sie verarbeitet werden. Überall blitzender, täglich mehrfach desinfizierter Edelstahl. Doch die Rückseite bilden zwei große Fenster, durch die man in den Garten schauen kann.

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