<< Die Inspiration kommt aus der Wüste
Vertrauen auf das Wesentliche
Kredit ist wie Kunstdünger
Vor 30 Jahren mischte die heutige Firmenchefin ihre erste Creme. Ein Arzt hatte ihr damals eine Wollwachssalbe verschrieben, um damit die Narbe eines Hundebisses im Gesicht zu behandeln. Als positive Nebenwirkung verschwanden auf der eingecremten Wange die Aknepickel. Die damals 17-Jährige las alles, was sie zum Thema Heilkräuter und Kosmetik in die Hände bekam und begann zu experimentieren.
Zuerst versorgte sie ihre Freundinnen mit Aknecreme, später entwickelte sie mehrere Produkte und startete, parallel zum Architekturstudium, einen kleinen Versandhandel. Den nannte sie der Einfachheit halber Martina Gebhardt Naturkosmetik. Dabei blieb es auch, als 1986 eine richtige Firma daraus wurde, die seither beständig wächst. Und das ohne Schulden. Denn das ist auch ein Grundsatz: „Wachstum auf Kredit heißt ungesundes, anorganisches Wachstum, das ist wie Kunstdünger bei Pflanzen“, sagt Martina Gebhardt.
Die Energie im Salz
Bei ihrer Beschäftigung mit Heilpflanzen stieß Martina Gebhardt auf die Spagyrik, ein von den Alchimisten des Mittelalters angewandtes Verfahren zur Gewinnung von Pflanzenessenzen. Die Wurzeln dieses Wissens sind einige Tausend Jahre alt. Bei diesem Verfahren destilliert man die Pflanzen und verascht den Destillationsrückstand. Die Asche wird dann im Feuer calciniert. Dabei entweichen das restliche Wasser und der Kohlenstoff, übrig bleiben die Mineralstoffe der Pflanze. Diese kristallisieren in trockener Luft als Salze aus. Der Prozess kann bis zu mehreren Jahren dauern. Die wasserlöslichen Kristalle werden dem Destillat zurückgegeben und bilden mit ihm eine spagyrische Essenz.
„Diese Salze enthalten die Information und Energie der Pflanze“, ist Martina Gebhardt überzeugt. Sie stellt die Essenzen selbst her, alleine, meist am Lagerfeuer in der Wüste von Utah. „Das ist mein Ding, das ist für mich das Essenzielle in meiner Kosmetik.“ Die spagyrische Essenz wird dann, wie eine homöopathische Urtinktur, in das Wasser für die Produktion einer Creme oder Körpermilch eingerührt und dabei entsprechend potenziert.
„Spagyrik ist für mich mehr als ein Verfahren, sie ist eine Lebensphilosophie, ein ganz persönlicher Weg“, erklärt Martina Gebhardt. Den will sie nicht groß breit treten. Nur so viel: Man sagt in der Alchemie, was innen ist, ist außen. Das ist so gemeint: Das sichtbare Äußere zeigt wie ein Spiegel auch die innere, seelische Entwicklung eines Menschen. In diesem Sinne spiegelt der bekannte Versuch der Alchimisten, im Labor aus unedlen Metallen (Dreck) Gold zu erzeugen, nur wider, wie sehr der Alchimist sich in seinem Inneren in eine „edle“ Persönlichkeit verwandelt hat. Und darauf kommt es an.
„Anti“ macht alt
„Was wir denken und fühlen, das ist eine Kraft, die diese Dinge dann auch entstehen lässt“, beschreibt die Spagyrikerin das Zusammenwirken von innen und außen. Zum Beispiel beim Altwerden: „Bei Anti-Aging bin ich gegen etwas. Ich baue Widerstand auf, das kostet Kraft, ich verliere Energie und beschleunige so den Alterungsprozess. Entspanne ich mich in diesem Zustand des Altwerdens, nehme ihn an und sage, es ist gut so, dann fühle ich mich wohl, schön, voller Ausstrahlung, geliebt.“ Vor einigen Jahren, in der Wüste, dachte Martina Gebhardt über diese Aspekte des Alterns nach. Da fiel ihr der Name für eine neue Kosmetikserie ein: Happy Aging.
Steckbrief
Name: Martina Gebhardt Naturkosmetik GmbH
Gegründet: 1978 begann Martina Gebhardt, Cremes herzustellen und zu versenden. 1986 gründete sie ihre Firma und fing an, Naturkostläden zu beliefern.
Firmensitz: Rott am Lech, 40 Kilometer südwestlich von München
Mitarbeiter/Umsatz: 35 Menschen arbeiten für das Unternehmen und erwirtschaften etwa vier Millionen Euro Umsatz.
Besonderheiten: Die Rohstoffe stammen zu mehr als 95 Prozent aus kontrolliert biologischem Anbau oder Demeter-Anbau. Über 20 Produkte sind Demeter-zertifiziert. Das Unternehmen verzichtet auf jegliche Konservierung und setzt auch keine chemisch veränderten Rohstoffe wie Tenside oder Glyzerin ein.
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