<<Auch Creme kann Fair Trade sein
Mehr als gute Partnerschaft
„Wir kaufen unsere Rohstoffe bio ein wegen des Aspekts der Nachhaltigkeit“, sagt Ralf Kunert, Gruppenleiter für den Einkauf der Rohstoffe bei der Firma Wala und ihrer Marke Dr.Hauschka. „Aber Nachhaltigkeit bezieht sich für uns nicht nur auf die Landwirtschaft, sondern auch auf soziale Verträglichkeit. Deswegen sollte man Fair Trade und Bio auch nicht trennen.“
Ralf Kunert reist mehrmals im Jahr zu den Lieferanten, um sich die Verarbeitung anzuschauen und mit den Menschen vor Ort zu sprechen. Gerade war er im afrikanischen Burkina Faso und hat sich mit Frauen zusammengesetzt, die die Nüsse des Sheabaums ernten. „Wir haben uns über das vergangene Jahr unterhalten. Die Frauen erzählten mir, was gut lief, aber auch, wo es Probleme gab“, erzählt Ralf Kunert.
Doch Fair Trade geht über eine gute Partnerschaft und gerechte Bezahlung hinaus. Viele Hersteller von Naturkosmetik schließen feste Abnahmeverträge ab. So garantieren sie den Lieferanten und Bauern vor Ort, dass sie die Ernte auch abkaufen und geben ihnen dadurch Planungssicherheit. Außerdem wird die Ernte oft vorfinanziert. „Das ist eine besonders große Hilfe, da die Zeit direkt vor der Ernte finanziell sehr schwer ist für die Bauern“, erklärt Ralf Kunert. Außerdem bekommen die Menschen vor Ort Beratung und Tipps rund um den biologischen Anbau.

Nüsse des Sheabaums werden direkt vor Ort in Burkina Faso verarbeitet
Auch Jean-Claude Richard von Farfalla besucht seine Partner regelmäßig. „Alles, was wir einkaufen, muss ich vorher sehen.“ Selbst ein Zertifikat sei nur ein Papier und sage ihm nichts über die Menschen, die hinter den Rohstoffen stehen. Und so sagt er im Brustton der Überzeugung: „Ich weiß immer, unter welchen Bedingungen unsere Rohstoffe gewonnen werden.“
Apropos Zertifikat. Bei den Siegeln, die Naturkosmetik zertifizieren, spielt soziale Verträglichkeit – leider – eine eher untergeordnete Rolle. In den Richtlinien des BDIH beispielsweise taucht dieser Punkt erst ganz zum Schluss unter „Weitere Zielsetzungen“ auf.
Ein extra „Fair-Siegel“ auf Tube und Tiegel ist in dem Siegel-Dschungel, den es jetzt schon gibt, dennoch nicht wünschenswert. Außerdem ist die Aussagekraft auch fraglich. Wenn die Rohstoffe für ein Produkt beispielsweise überwiegend regional bezogen werden, macht ein „Fair-Siegel“ keinen Sinn. Die Produktionsbedingungen im Allgäu oder an der Nordsee kann man sicherlich als sozial verträglich bezeichnen. Auch Rohstoffe aus der Europäischen Union werden nicht Fair Trade klassifiziert. Ralf Kunert nennt ein Beispiel: „Wir beziehen unser Olivenöl aus Spanien, da ist von Fair Trade keine Rede. Käme es aus Tunesien, also mit einem längeren Transportweg, was für uns keinen Sinn ergibt, könnte es ein Fair-Trade-Rohstoff sein.“
Der feine Unterschied
Ein Siegel, das Naturkosmetik zertifiziert, hilft in der Frage nach sozial verträglichen Produktionsbedingungen also nicht wirklich weiter. Ein Anruf beim Hersteller, ein Blick auf seine Homepage oder die Frage an den Fachhändler schon eher. In der Regel sind allen etablierten Herstellern von Naturkosmetik fair gehandelte Rohstoffe wichtig und sie engagieren sich seit Jahren dafür.
Inzwischen gibt es Naturkosmetik mit BDIH-Siegel jedoch auch bei Drogerie und Discounter – allerdings nur mit dem Schwerpunkt auf kontrolliert biologischen Anbau. Fair Trade spielt bei diesen Marken keine Rolle – das ist, unter anderem, der feine Unterschied zur Naturkosmetik aus dem Fachhandel.
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