<< Wirkung statt Wasser
Das Geheimnis steckt in den Blättern
Rein äußerlich ist die Aloe vera nicht sehr spektakulär. Sie wirkt karg, ein bisschen wie ein großer, grüner Kaktus. Normalerweise. Doch auf einem der Felder auf der Finca sind die Pflanzen ganz braun und verschrumpelt. Das soll der „Wunderrohstoff“ sein? „Auf diesem Feld haben wir gerade wieder Aloe eingepflanzt, das sind frische Setzlinge“, erklärt Sabine Beer lachend. In diesem Punkt ist die Aloe tatsächlich eine Art Wunderpflanze. Man kann sie ein Jahr und länger ohne Wasser und Erde lagern. „Innen bleibt sie allerdings grün. Sie konzentriert sich auf die Speicherung der Vitalstoffe. Wenn wir die Aloe dann wieder einpflanzen, dauert es ein paar Monate, und schon hat sie wieder grüne Blätter.“

Aloe vera: karges Gewächs mit kostbarem Inhalt. Vom Feld direkt ins Labor: Mitarbeiterinnen lösen die Filets aus den Blättern und frieren sie sofort ein. Während der Haupterntezeit im Herbst verarbeiten sie bis zu einer Tonne Blätter am Tag. Rechts: Gründerin und Inhaberin Sabine Beer.
Viel spektakulärer ist allerdings das, was in den großen Blättern der Pflanze steckt: das Blattfilet. Das wird gleich an Ort und Stelle gewonnen. Etwas unterhalb der Finca liegt ein futuristisch anmutendes Gebäude. Dort in den Laboren verarbeiten in Hauptzeiten sechs Mitarbeiterinnen bis zu einer Tonne Blätter am Tag. Zunächst werden die Ränder mit einer Art von großem Kartoffelschäler abgetrennt. Dann können die geübten Mitarbeiterinnen mit einem scharfen Plastikkeil das Filet in einem Stück heraus trennen. Anschließend wird es sofort eingefroren. „Das muss alles sehr schnell gehen, damit die Ware ganz frisch bleibt“, erklärt Sabine Beer. Die Schale der Blätter kommt anschließend wieder als Dünger auf die Felder. Wenn eine LKW-Ladung des kostbaren Rohstoffs zusammengekommen ist, geht die Reise nach Deutschland. Dort gewinnt ein Bio-Verarbeitungsbetrieb, der von Santaverde mit Spezialmaschinen ausgestattet wurde, aus den Filets den Aloe-vera-Saft, Hauptinhaltsstoff der meisten Santaverde-Produkte.
Vom Hobby zur Passion
Eigentlich begann Santaverde vor mehr als 20 Jahren nur als Hobby. Sabine Beer ist nämlich schon seit 1979 gemeinsam mit ihrer Schwester Inhaberin einer Firma für Medizintechnik in Gütersloh. „Glücklicherweise ist meine Anwesenheit dort aber nicht mehr so oft erforderlich“, erzählt sie. So hat sie genügend Zeit, sich um ihr „Hobby“ zu kümmern.
1987 lernte sie durch einen Nachbarn der Finca die Aloe vera kennen – und war begeistert von deren Wirksamkeit. Schnell stand die Entscheidung von Sabine und ihrem Mann Kurt Beer fest: Dort, wo unter der andalusischen Sonne bisher Tomaten und Kartoffeln wuchsen, wollten sie Aloe anbauen und den Rohstoff an die kosmetische Industrie verkaufen. Aber die interessierte sich nicht dafür. Die Konsequenz für Sabine Beer: „Dann mache ich es eben selbst.“ Der Weg dahin war lang und steinig. „Doch es ist geschafft, ein wichtiges Ziel ist erreicht: Echte Naturkosmetik als Symbol für die Verbindung von Ethik und Konsum ist endlich in“, freut sie sich und streichelt ihrem Hund Greta über den Kopf.
Steckbrief
Name: Santaverde GmbH
Gegründet: 1986 von Sabine und Kurt Beer
Firmensitze: Hamburg (Produktentwicklung und Verwaltung), Estepona (Spanien) und Para (Brasilien)
Mitarbeiter: 30, davon 18 in Hamburg, 8 in Spanien und 4 in Brasilien.
Produkte: Der Schwerpunkt liegt auf Gesichtspflege. Darüber hinaus stellt Santaverde mit ihren „Mittel zum Leben“ auch Gesundheits- und Beautysäfte her.
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