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in Balance
Reden, bürsten, schneiden
Naturfriseure schneiden „energetisch“, „lebendig“ oder „bewegungsgerecht“. Doch ganz gleich wie man es nennt, gemeint ist dasselbe: Die Haare werden ihrer Eigenbewegung entsprechend geschnitten. Denn schneidet der Friseur gegen sie, hat die Kundin spätestens nach der ersten Haarwäsche ihre ungeliebten Ecken und Kanten wieder. „Das Haar zeigt mir, wie ich es schneiden soll“, so Gerth und lacht: „Das klingt esoterischer als es ist. Denn jedes Haar mit seinen Muskeln hat eine eigene Dynamik.“ Und der neueste Frisurentrend nütze sehr wenig, wenn der Schnitt nicht zu Haar und Kopfform passe. Das ist, neben dem konsequenten Verzicht auf synthetische Zusatzstoffe, auch ein Grund, warum es eine Dauerwelle beim Naturfriseur nicht gibt. Sie verändert den Typ und wächst schnell wieder heraus. Dasselbe gilt auch für das Färben. Naturfriseure färben ausschließlich mit Pflanzenfarben: Kamille und Rhabarberwurzel für den blonden Schopf, Henna, Heidelbeere und Rotbusch fürs rote Haar und weitere 13 Grundfarben für individuelle Mischungen. Doch es gibt Grenzen: Weizenblondes Haar für Brünette kann nur Wasserstoffperoxid leisten.
Und wenn sich eine Kundin mit glatten Haaren doch partout eine Lockenmähne oder aufgehellte Haare wünscht, muss Thorsten Gerth ablehnen: „Ich würde sie aber fragen, warum sie glaubt, dass die liebe Göttin oder der große Schöpfer ihre Haare so produziert hat.“
Der Begriff Naturfriseur ist nicht geschützt. Doch das muss die Grundlage sein: Die Produkte müssen biologisch abbaubar sein und dürfen keine synthetischen Stoffe enthalten. Wie bei Thorsten Gerth sind es oft gesundheitliche Gründe, die konventionelle Friseure umdenken lassen: „Ursprünglich wollte ich kein anderer Friseur werden. Ich wollte nur meine Gesundheit erhalten.“
Konsequent biologisch
Dies ist nach Ansicht Wilhelm Lugers eine der Hauptmotivationen für den Umstieg zum Naturfriseur. Er ist Gründer des Naturfriseur-Verbands Culumnatura, erzeugt seit 1996 ökologische Haarpflegeprodukte für Friseure und gilt als Pionier. Denn neben seiner
Produktserie bildet er auch aus: Haut- und Haarpraktiker. Sie unterliegen strengen Richtlinien, die von Testkunden regelmäßig überprüft werden. Wilhelm Luger war es nach eigenen Aussagen als konventioneller Friseur leid, viel über die neuesten Produkte, aber wenig über die Inhaltsstoffe und deren Wirkung zu erfahren. Und je mehr er über chemische Bestandteile wie PEG-Derivate oder Sodium Laureth Sulfate – Inhaltsstoffe, die im Verdacht stehen, gesundheitsschädigend zu sein – erfuhr, umso weniger konnte er „konventionelle Produkte guten Gewissens empfehlen“. Und damit liegt er im Trend – die Zuwachsraten bei Naturfriseuren liegen, so Luger, im zweistelligen Bereich.
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