Im Gespräch
„Kampf gegen Naturstoffe“
Professor Dietrich Wabner arbeitet seit Jahren mit ätherischen Ölen. Auf Bestrebungen, diese als Gefahrstoffe hinzustellen, reagiert er allergisch. // Von Leo Frühschütz
Dr. Dietrich Wabner ist emeritierter Professor an der TU München und Präsident von NORA International. Die Gesellschaft forscht zu ätherischen Ölen und finanziert sich durch Spenden. Weitere Informationen: www.nora-international.de
Rosenöl oder Fencheltee enthalten den Stoff Methyleugenol. Der gilt als allergieauslösend und krebserregend im Tierversuch. Sind Rosenöl oder Fencheltee schädlich?
Nein, das sind sie nicht. Die Kollegen in Medizin und Pharmazie forschen mit synthetischen Einzelstoffen und nicht mit Stoffgemischen, also den ätherischen Ölen, wie sie natürlich vorkommen. Ihr Ziel ist es nachzuweisen, dass dieser Einzelstoff an einer bestimmten Stelle im Körper ansetzt und dort eine bestimmte Wirkung erzielt. Sie nehmen große Mengen an Einzelsubstanzen wie Estragol oder Methyleugenol und füttern damit Mäuse oder tragen sie auf deren Haut auf. Die Substanzen stammen meist aus dem Chemikalienhandel. Wir haben sie analysiert und fanden darin schädliche Verunreinigungen aus dem Herstellungsprozess. Kein Wunder, dass die Tiere davon krank werden. Von diesen Einzelstoff-Messungen wird dann auf das Naturprodukt geschlossen und in Brüssel bei der EU zu Verboten gegriffen.
Aber lassen sich solche Ergebnisse nicht übertragen?
Nehmen Sie Estragol, den wichtigsten Stoff im Basilikum. Wir haben nachgerechnet: Mit einer Portion Spaghetti mit Pesto überschreitet man den empfohlenen Höchstwert für die tägliche Estragolmenge um das Dreihundertfache. Da müsste ganz Italien schon an Krebs gestorben sein.
Auch für Methyleugenol gibt es neue Grenzwerte. Wie wirken sich die konkret aus?
Die EU-Kosmetikrichtlinie erlaubt Methyleugenol in Cremes nur noch in Konzentrationen von maximal 0,0002 Prozent. In Rosenöl sind aber um die drei Prozent davon. Die Hersteller müssen also das Methyleugenol aus dem Öl herausdestillieren, wenn sie es wie gewohnt einsetzen wollen. Dadurch verändern sich Duft, Wirkung und Haltbarkeit des Öls.
Das ist dann kein naturbelassenes Rosenöl mehr.
Leider nein. Und anderen ätherischen Ölen droht ein ähnliches Schicksal.
Welche meinen Sie?
Alle Zitrusöle, weil sie Furocoumarine enthalten. Die gelten bei Einstoff-Forschern als phototoxisch und Hautkrebs fördernd, weil sie mit UV-Licht der Haut schaden können. Dabei werden Furocoumarine und UV-Licht mit Erfolg zur Behandlung von Schuppenflechte eingesetzt. Doch in Kosmetika sollen sie nur noch in winzigen Mengen eingesetzt werden dürfen. Wir erleben einen europaweiten Kampf der pharmazeutischen und kosmetischen Industrie gegen Naturstoffe.
Was kann man dagegen tun?
Wir kämpfen im Rahmen der Natural Oils Research Association (NORA) mit wissenschaftlichen Argumenten gegen diesen Unsinn. Zwei meiner Doktoranden konnten mit ihren Forschungsarbeiten zeigen, dass beispielsweise Teebaumöl nicht das behauptete gefährliche Allergen ist. Deshalb hat die EU-Kommission ihr bereits seit Jahren geplantes Verbot von Teebaumöl in Kosmetika bisher verschieben müssen.
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