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Shooting
Ihr fast vierjähriger Sohn Tim gibt Ines Kiefer viel Halt. Mit ihm wohnt sie in einem selbst errichteten Haus, das speziell auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist.
Zwischen den Aufnahmen richtet Stylistin Manuela Nowak immer wieder Ines‘ Haar.

Foto-Shooting einmal anders

Eigentlich ist Ines Kiefer ein Model wie jedes andere –
wenn sie nicht im Rollstuhl säße. // Von Stephanie Silber

Der Raum ist voller Menschen und trotzdem ist es mucksmäuschenstill. Dann geht es los: klack, klack, klack. Jedes Mal, wenn die Kamera von Roland Schmidt die nächsten Bilder einfängt, schallt das rhythmische Klacken durch den Raum. Doch das ist schon alles, was man hört – so ruhig und unaufgeregt stellt man sich ein Foto-Shooting eigentlich nicht vor. Keine Spur von Hektik und wildem Gewusel beim Making-of der neuen Werbekampagne des Naturkosmetikherstellers Logocos für seine Marke Logona – obwohl viele Menschen dabei sind: die Visagistin, der Fotograf, die Marketingfrau und eine Grafikerin von Logocos, ein paar Leute von der Presse und natürlich das Model. Alle tummeln sich in der Präsidenten-Suite des Radisson-Hotels in Hannover.

Shooting
Bei den professionellen Fotos spielt es überhaupt keine Rolle, dass Ines im Rollstuhl sitzt.
Fotograf Roland Schmidt lümmelt sich auf dem Fußboden der Präsidenten-Suite, um Ines in Szene zu setzen.

Kein alltäglicher Job

Doch was macht die Presse bei einem normalen Foto-Shooting? Dass es eben kein alltäglicher Job für Fotograf Roland Schmidt ist, sieht man beim Blick auf das Model: Ines Kiefer sitzt im Rollstuhl. „Natürlich bin ich etwas eingeschränkt, hoch und runter geht halt nicht“, sagt der Fotograf. Da müsse er eben etwas flexibel sein. Es gebe trotzdem viele Möglichkeiten, Ines in Szene zu setzen. „Und an den Bildern sieht man überhaupt keinen Unterschied.“ Und schon drückt er wieder ab. Klack, klack, klack. Das Objektiv ist fast 40 Zentimeter lang. Sobald er ein paar Fotos geschossen hat, schaut er sich das Ergebnis auf seinem Laptop an – und ist zufrieden. Jetzt soll Ines etwas näher an den Spiegel heran. Sie rollt sich in Position. Doch dann muss sie Geduld haben, es gibt ein technisches Problem.

Auf Ines Kiefer wurde Logocos 2007 durch den Schönheitswettbewerb „Beauties in motion“ aufmerksam. Das Unternehmen war einer der Sponsoren und stiftete einen Sonderpreis: das Foto-Shooting. Beim Wettbewerb, deren Teilnehmerinnen alle Rollstuhlfahrerinnen waren, kam Ines zwar nicht unter die ersten D­rei. Aber sie überzeugte den Naturkosmetik-Hersteller und ist nun das Gesicht der neuen Kampagne.

Die 29-Jährige war nicht immer querschnittsgelähmt. Erst mit 19 wurde bei einer Routineuntersuchung ein Rippentumor entdeckt. Während der Operation kam es zu Komplikationen: „Durch innere Blutungen wurde mein Rückenmark geschädigt, so dass ich vom fünften Brustwirbel ab querschnittsgelähmt war.“ Die nächste Zeit war hart. Ines lebte in Bayreuth – weit weg von ihrer Familie im sächsischen Freiberg.

Modeln soll ein Hobby bleiben

Doch die junge Frau lernte im Laufe der Jahre, mit ihrer Behinderung zu leben. Einen großen Anteil daran hat sicherlich ihr Sohn Tim, der im April 2005 geboren wurde. Er ist auch der Grund, warum Modeln ein Hobby bleiben soll. „Ich möchte ihn und die Schule nicht vernachlässigen“, sagt Ines. Sie lebt inzwischen im Saarland und arbeitet als Regierungs­angestellte im Wirtschaft­ministerium. Mit „Schule“ meint sie die Fortbildung für den gehobenen Dienst an der Fachhochschule für Verwaltung.

Nach Ines’ Teilnahme bei „Beauties in motion“ flatterten viele Fotoaufträge, aber auch Anfragen von Medien ins Haus. „Ich hätte nie gedacht, dass ich professionell genug bin“, sagt sie. Ist sie aber, wie schon einige Titelblätter beweisen. „Das Modeln gibt mir Selbstbewusstsein“, erklärt sie. Wenn man im Rollstuhl sitze, werde man manchmal von Zweifeln geplagt. Und dazu kommt: „Das Modeln gibt mir Sicherheit. Denn wenn man gut aussieht, fällt doch manches leichter im Leben.“

Inzwischen hat Fotograf Roland Schmidt das technische Problem behoben und es geht weiter in der Präsidenten-Suite. Ines soll sich nun eine Bürste ins Haar stecken. Doch Ines mag keine Bürsten. Dafür kommt ein Fön zum Einsatz. Das Haar fliegt hin und her, und schon eilt Stylistin Manuela Nowak herbei, um die Frisur wieder zu richten. Und weiter geht’s. Roland Schmidt lümmelt sich nun auf dem Fußboden herum, um die Perspektiven auszuloten. Alle anderen stehen dabei und schauen zu. Wieder ist es mucksmäuschenstill. Doch nicht lange, dann geht es wieder los: klack, klack, klack.

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