
Kein Wechsel der Generationen, eher eine Synthese – so beschreibt Inge Stamm (mitte) die Zusammenarbeit im Team mit Jörg von Kruse (links) und Bernhard von Glasenapp.
Aus eins mach drei
Fast 30 Jahre lang war Gründerin Inge Stamm Einzelkämpferin in ihrer Naturkosmetik-Firma i+m. Als jedoch der wirtschaftliche Erfolg zurückging, setzte sie alles auf Neustart. Jetzt ist sie Teil eines Teams – neben zwei Unternehmensberatern, die ihre bisherigen Jobs für i+m aufgaben. // Von Stephanie Silber
Irgendwie ist alles neu – aber eigentlich doch schon Jahrzehnte alt. Das Berliner Naturkosmetik-Unternehmen i+m feierte im Dezember sein 30-jähriges Firmenjubiläum. Ein Ereignis, an das Gründerin und Geschäftsführerin Inge Stamm vor zwei Jahren nicht mehr so richtig geglaubt hatte. Denn dem Unternehmen ging es damals nicht gut. „Mir war Marketing nie so wichtig“, bekennt die 60-Jährige. Doch der Naturkosmetik-Markt habe sich in den vergangenen Jahren verändert, professionelles Marketing spiele inzwischen eine große Rolle. „Und auf einmal verkauften sich unsere sehr dezenten Verpackungen nicht mehr so gut, der wirtschaftliche Erfolg lies nach.“
Früher wäre Inge Stamm nie auf die Idee gekommen, in so einer Situation Hilfe zu suchen. „Ich war Einzelkämpferin.“ Doch jetzt wollte und konnte sie nicht mehr allein weitermachen. Ein Neustart musste her – und der ist ihr geglückt. Doch nur, weil sie die zu ihr passende Hilfe auch fand. Zwei Partner hat sie nun seit Anfang 2007 an ihrer Seite: Bernhard von Glasenapp und Jörg von Kruse. Beides smarte Typen Anfang 40, ehemalige Unternehmensberater – und die pragmatische Ergänzung zur idealistischen Firmengründerin.
Das Treffen zur richtigen Zeit
Gleich zwei Neue in einem alten, traditionsreichen Unternehmen, neben einem „Urgestein“ wie Inge Stamm – kann das überhaupt gutgehen? „Bei uns macht 1 und 1 gleich 3“, sagt Bernhard von Glasenapp lächelnd. Und je mehr Zeit man mit dem Dreiergespann verbringt, desto genauer bekommt man eine Ahnung davon, was er meint. Man spürt den gegenseitigen Respekt vor der Leistung des anderen. Die Partner und Inge Stamm siezen sich beispielsweise, sehr ungewöhnlich in der Bio-Szene. „Manchmal ist mehr Nähe durch ein ‚Sie‘ möglich als durch ein einfaches ‚Du‘“, sagt Bernhard von Glasenapp, und die anderen nicken zustimmend. Sie hätten zwar schon hin und wieder darüber diskutiert, ob sie nicht zum „Du“ übergehen sollten, aber sie hätten gemerkt, dass alle eigentlich sehr zufrieden mit dem „Sie“ seien. „Es ist eine Form von Respekt“, ergänzt Bernhard von Glasenapp.
„Bernhard und ich verbringen schon unser ganzes Berufsleben gemeinsam. Alles, was wir darin tun, tun wir gemeinsam“, erklärt Jörg von Kruse. Bis sie Inge Stamm im August 2006 kennen lernten, hatten sie eine Firma, die mittelständische Unternehmen betriebswirtschaftlich beriet. „Doch wir merkten damals, dass es neben der reinen Profitmaximierung auch andere Dinge geben muss, die eine Rolle spielen und ein Unternehmen ausmachen. So kam Inge Stamm auch für uns zur richtigen Zeit“, erzählt Jörg von Kruse weiter.
Eine Synthese, kein Wechsel
Inge Stamm sei es nie darum gegangen, reich zu werden, ihr waren Dinge wie die Qualität der Produkte oder Nachhaltigkeit viel wichtiger. Das hat die beiden Unternehmer beeindruckt und „davon lernen wir immer noch“. Also ein Generationenwechsel bei i+m? „Nein, eher eine Synthese der Generationen“, sagt Inge Stamm und blinzelt über ihre knallrote Lesebrille, die man schon fast ihr Markenzeichen nennen kann. „Und es hat mich gewundert, wie einfach diese Veränderungen auch in mir drin stattgefunden haben.“
Das, was i+m ausmacht, kommt von Inge Stamm, wird von ihr geprägt. Sie hat in den 60er-Jahren Hebamme gelernt und in dem Beruf einige Jahre gearbeitet. „Irgendwann ist mir aufgefallen, dass immer mehr Neugeborene auf Pflegeprodukte reagieren“, erzählt sie von den Anfängen. Dann habe sie sich gefragt, was da eigentlich drin sei. Bei der schwierigen Suche nach Antworten – damals gab es noch keine INCI-Deklarationen – sei ihr aufgefallen, dass kaum noch natürliche Rohstoffe in Cremes enthalten sind. „Wir haben uns gefragt, was man machen kann und was natürliche Hautpflege eigentlich heißt“, sagt Inge Stamm. „Wir“, das waren sie und ihre damalige Partnerin Monika, die aber neun Jahre später aus dem Unternehmen ausstieg. Daher der Firmenname i+m. „Die erste Zeit war hart. Nachts arbeitete ich als Hebamme, morgens kam ich ins Büro, schlief hier ein paar Stunden auf dem Feldbett und ab 11 Uhr war ich dann für i+m da“, erzählt die Firmen-Gründerin.
Zu Beginn habe sich Inge Stamm sehr schwer getan mit dem Begriff „Naturkosmetik“. „Das war für mich die Gurke aus dem Garten auf der Haut, aber doch nicht, wenn ich Rohstoffe mische“, erklärt sie. Sie habe mit ihrer Hautpflege immer auf den selbstbestimmten Verbraucher gesetzt. „Ich will ihn nicht bevormunden, deswegen heißen beispielsweise bei i+m die reichhaltigen Cremes nicht explizit Nachtcreme.“
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