Ayurveda pur– mehr als nur Wellness
Spezielle Massagen haben Ayurveda so populär gemacht, dass viele Wellnesshotels damit werben. Zur altindischen Heilkunst gehört jedoch viel mehr als ein paar Streicheleinheiten. // Von Karin Willen
Vata, Pitta, Kapha: Welcher Typ bin ich? Diese Frage taucht schnell auf, wenn man über Ayurveda redet. Doch so spaßig der Zeitvertreib mit Tests sein kann, man hat deutlich mehr davon, wenn ein erfahrener, ayurvedisch geschulter Arzt die Frage nach den Doshas beantwortet. Die ganzheitliche, Jahrtausende alte indische Gesundheitslehre will Körper, Geist und Seele durch die richtige Lebensführung in Einklang bringen, indem sie die Stärken und Schwächen eines Menschen und seine Krankheitsanfälligkeiten berücksichtigt. Dazu untersucht der Arzt Puls und Zunge, fragt nach Verdauung, Schlafgewohnheiten, Erkrankungen und Befindlichkeitsstörungen. So ermittelt er den Konstitutionstyp und die Störungen. Ein Behandlungsplan soll das Gleichgewicht der drei Doshas in der Person wiederherstellen. Das alte „Wissen vom langen Leben“ – so die wörtliche Übersetzung – sieht im Körper drei Energiesysteme wirken, die Doshas. Sie sind den fünf Elementen Erde, Wasser, Feuer, Luft und Raum zugeordnet. Nach dem Ayurveda kommt jeder Mensch mit einer bestimmten Dosha-Mischung auf die Welt. Krankheiten zeigen an, dass diese Grundkonstitution gestört ist. Auf solche persönlichen Umstände stimmt der Arzt die Ernährung, Bewegung und Atemübungen sowie Massage ab. Die meisten Menschen sind Mischtypen, also etwa „Vata-Pitta“ oder „Pitta-Vata“, je nachdem, welche Eigenschaften vorwiegen.
Vata (Wind, Luft, Äther) werden jene Kräfte genannt, die mit Bewegung und Beweglichkeit zu tun haben, die etwa den Atem, die Muskeln im Magen-Darm-Trakt und die Ausscheidungsvorgänge regulieren. Vata-Typen gelten als wendig im Denken und rasch handelnd, körperlich eher zart gebaut, können sie Kälte schlecht ertragen. Ihre Haut ist trocken bis rau. Unter Pitta (Feuer, Wasser) versteht man Energien, die an Umwandlungsprozessen wie Stoffwechsel und Verdauung beteiligt sind. Pitta-Typen ertragen Hitze schlecht, haben einen leichten Schlaf, Appetit und Verdauung sind meist gut. Ihre Haut neigt zu Sommersprossen und Muttermalen, Störungen zeigen sich in Akne, Schwitzen und Brennen. Kapha (Wasser, Erde) stellt die Kraft dar, die dem Körper Stabilität und Struktur verschafft, es reguliert Nerven, Knochen und Muskelgewebe. Kapha-Typen zeigen sich erdverhaftet, ruhig und beständig, sie denken eher langsam, verfügen über ein gutes Gedächtnis und neigen zu glatter, bei Störungen zu öliger und juckender Haut.
Ernährungstipps inklusive
Zu einer Ayurveda-Kur gehören eigene Arzneimittel und das typgerechte Panchakarma: Fasten, Bäder, Einläufe, in Asien auch Erbrechen und Aderlass. Denn nach der Überlieferung liegen den meisten Symptomen Ablagerungen giftiger Schlacken (Ama) im Organismus zugrunde. Doch auch vor einer Wellness-Behandlung sollte man sein Dosha und seine Dosha-Störung kennen. Denn die Behandlung, etwa die beliebten Massagen, ist nur ganzheitlich angewandt optimal: „Sie soll die Doshas ausgleichen, die Ruhephase, Ernährungstipps und Verhaltensweisen nach der Behandlung einschließen sowie bei Beratungen und Training die Konstitution beachten“, formuliert Dr. Dietrich Wachsmuth die ayurvedischen Wellnessprinzipien. Er ist Arzt im Hotel Parkschlösschen in Traben-Trarbach, das in Deutschland zu den ersten Ayurveda-Adressen gehört.
Zwar lösen alle guten Massagen Spannungen, fördern die Durchblutung und regen den Lymphfluss an. Eine typgerechte Anwendung potenziert die Wirkung aber, indem die Massagen die Entgiftung über die Haut unterstützen. Außerdem gibt es Ernährungstipps, Bäder, Sportvorschläge und Entspannungsübungen, bis hin zu Änderungen der Lebensgewohnheiten. Gestressten wird zum Beispiel eine Fußmassage (Padabhyanga) mit Ghee empfohlen. Der Masseur streicht geklärte Butter über spezielle Griffe an Füßen, Waden und Knien kreisend aus und massiert sie ein.
Vorwiegend vegane Kost, zwei Kannen heißes Wasser täglich und der Verzicht auf Kaffee, schwarzen Tee und Nikotin helfen rasch, die Gifte im Körper auszuleiten. Mithilfe von Yoga und Sport zieht so bald wieder Ruhe ein, und die Kräfte können sich entfalten.
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