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Schönheit & Pflege

Zauberhafte Küchenkräuter

Mythen ums Kraut ranken sich seit Jahrtausenden durch die Gärten der Welt – das meiste ist jedoch keine Zauberei, sondern einfach lecker und gesund. // Von Sabine Kumm

Sie sind die grünen Schätze des Gartens und werden am besten frisch genossen: Kräuter duften, schmecken, heilen und schützen. Mitunter – so glauben viele – können sie sogar zaubern. Und jeder wird diesen recht geben, der schon einmal ein Pfefferminzblatt oder einen Thymianzweig zwischen den Fingern zerrieben, die Nase in einen Basilikumtopf gesteckt, ein Liebstöckelblatt gekostet oder über die silbernen Nadeln eines Lavendelbuschs gestreichelt hat.

Lavendel war übrigens bereits den alten Ägyptern bekannt. Als Teil des Mumifizierungsritus wurde er in Parfümurnen in die Grabungsstätten mit eingeschlossen. Man stelle sich vor: Als Tutenchamuns Grab geöffnet wurde, duftete es dort – nach 3000 Jahren – noch immer stark nach dem aromatischen Kraut, das bei uns heute noch Seifen parfümiert und in Gerichten aller Art mit den „Herbes de Provence“ für Urlaubsgefühle sorgt.

Gut fürs Gedächtnis

Das Basilikum mit seinen intensiv glänzenden Blättern, die Nadelzweige des Rosmarins, der samtige Salbei und der goldgrüne Oregano – sie alle sind vom Mittelmeer in unsere Breiten gewandert. Schon seit die Römer gegen die Germanen kämpften, schlugen ihre Kräuter bei uns Wurzeln und eroberten die Küchen unserer Vorfahren. Gerade der Rosmarin mit seinem kräftigen Geschmack und dem hohen Anteil an ätherischem Öl verleiht allen Schmorgerichten eine würzig-harzige Note, gilt aber auch als Pflanze von starker Symbolkraft. In früheren Zeiten hatte er sowohl im Braut- als auch im Totenkranz seinen Platz, ein Schicksal, das er mit der Petersilie teilt.

Griechische Gelehrte rieben sich mit Rosmarinöl die Stirn ein, um ihr Gedächtnis zu stärken. Und diese Stirn dann bei hervorragenden Leistungen mit einem würzigen Lorbeerkranz krönen zu dürfen, galt als große Ehre. Der immergrüne Lorbeerstrauch enthält neben Gerb- und Bitterstoffen vor allem ätherisches Öl, und jeder Kranzträger ist auch heute noch gut beraten, ab und an ein Blättchen für einen Schmorbraten oder einen Topf Sauerkraut zu opfern. Apropos Opfer: Wer Lorbeer trug, war vor Blitzen geschützt, und so soll der ängstliche römische Kaiser Tiberius bei Gewitter unter sein Bett gekrochen sein, nicht ohne sich vorher ein paar Lorbeerzweige aufs Haupt zu legen.

Hätte er mal den Griechen geglaubt und sich ein Salbeisträußchen hinters Ohr gesteckt – der galt nämlich als echtes „Über-Kraut“. Die Griechen genossen ihn nicht nur zum Lammspieß, sie glaubten auch, sein Genuss könnte einem Mann Unsterblichkeit verleihen. Dass er außerdem fruchtbar machen, Ungeziefer fernhalten und – mit Essig getrunken – recht nützlich gegen die Pest sein sollte, versteht sich da fast von selbst. Tatsächlich hat Salbei eine desinfizierende Wirkung und wird seit dem 17. Jahrhundert unter anderem auch für die Zahnhygiene verwendet.

Thymian mit seiner Vielzahl ätherischer Öle steht ihm da in nichts nach: Als Heiltee sind Mund- und Rachenentzündungen sein Einsatzgebiet, er lindert Husten und Bronchitis ebenso wirkungsvoll, wie er vielen mediterranen Gerichten den letzten Geschmackskick verleiht. Thymian ist ganzjährig im Topf für den Balkon erhältlich, ebenso wie Basilikum, ohne das Tomaten und Mozzarella schon fast nicht mehr denkbar sind.

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