Auf die Rezeptur
kommt es an
Damit Cremes und Lotionen nach dem Öffnen noch einige Monate haltbar sind, müssen sie konserviert werden. Entscheidend ist die Wahl der Mittel – denn es geht auch natürlich. // Von Leo Frühschütz
Bakterien, Pilze und Hefen kümmern sich nicht darum, ob eine Creme Naturkosmetik ist oder nicht. Einmal öffnen genügt, schon sind sie auf und in der Creme und vermehren sich. Doch wer will schon Kosmetik, die nach drei Wochen verkeimt ist oder vergammelt riecht? Also schützen Hersteller ihre Produkte. Für konventionelle Kosmetika gibt es eine lange Liste zugelassener synthetischer Konservierungsstoffe. Viele von ihnen haben jedoch unerwünschte Nebenwirkungen (siehe Kasten). Naturkosmetik-Hersteller dagegen verzichten – bis auf wenige Ausnahmen – auf künstliche Haltbarmacher und gehen andere Wege.
Keimfrei arbeiten
Der wichtigste Schritt ist eine extrem hygienische Produktion. Bei Martina Gebhardt Naturkosmetik werden die Mitarbeiter am Eingang zur Produktion mit keimtötendem, ultraviolettem Licht bestrahlt. Die Zutaten gelangen nur durch einen Sterilisator in die Herstellungsräume. Auch andere Naturkosmetik-Hersteller ergreifen vergleichbare Vorsichtsmaßnahmen. Bei Wala beispielsweise gelten für die Dr.-Hauschka-Produkte die gleichen Hygienestandards wie für die Medikamente des Unternehmens.
Bei der Verpackung gibt es allerdings unterschiedliche Philosophien. Manche Hersteller lehnen Plastiktuben ab, weil sie nach dem Herausdrücken des Inhalts Luft und damit Keime anziehen. „Kosmetik in Plastiktuben funktioniert nur mit Konservierung“, sagt Martina Gebhardt. Weil sie für ihre gleichnamige Kosmetik auf jegliche Konservierung verzichtet, setzt sie auf Porzellan. Allerdings ist die kleine Öffnung einer Tube weniger einladend für Keime als die große Oberfläche eines Tiegels. Einige Firmen verwenden daher Tuben aus Aluminium, weil die keine Luft anziehen. Immer häufiger werden Naturkosmetika in Spender abgefüllt, weil die durch ihre Konstruktion besonders hygienisch sind. Wie anfällig ein Produkt für Verkeimung ist, hängt auch von der Rezeptur ab. Bakterien und Hefepilze brauchen Wasser und ein neutrales Milieu, um sich wohlzufühlen. Massageöle oder Seifen mit ihrem hohen pH-Wert müssen deshalb nicht haltbar gemacht werden. Steht jedoch bei einer Creme, Lotion oder einem Duschgel Wasser ganz oben auf der Zutatenliste, braucht es im Regelfall eine entsprechend starke Konservierung.
Alkohol desinfiziert
Wichtigste konservierende Zutaten in Naturkosmetika sind Alkohol und ätherische Öle. Bis zu zehn Prozent Alkohol sind – je nach Wasseranteil und Zutaten – nötig, um eine Lotion zu konservieren. Oft setzen Firmen wässrig-alkoholische Heilpflanzenauszüge ein und haben damit automatisch genug Alkohol im Produkt. Andere Marken verzichten auf Alkohol, weil er die Haut entfettet und austrocknet. Wer Alkohol einsetzt, verweist auf die rückfettenden und Feuchtigkeit spendenden Zutaten in den jeweiligen Produkten. Sie sollen die Wirkung des Alkohols ausgleichen.
Die ätherischen Öle zahlreicher Heilpflanzen wie Thymian, Gewürznelken oder Rosmarin wirken gegen Bakterien. Die Kunst besteht darin, für jedes Produkt die Öle so zu kombinieren, dass die Mischung ein breites Wirkungsspektrum aufweist. Schon Mengen von unter einem Prozent davon erhöhen die Haltbarkeit von Naturkosmetik deutlich. Um die natürlichen Fette und Öle vor Oxidation zu schützen, enthalten viele Rezepturen aus pflanzlichen Quellen stammendes Vitamin E (Tocopherol).
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