Zu Gast bei Laverana

Familie statt Mitarbeiter
Die niedersächsische Firma Laverana setzt mit ihrer Unternehmenskultur auf einen „sanften Führungsstil“: Kollegen sollen sich in allen Facetten zeigen können – auch mal in schlechten Zeiten. Für die Chefs ist das kein Widerspruch zu ihrer sonst eher offensiven Marktstrategie. // Von Stephanie Silber
Früher war es einfach: Schnell waren an ein paar Novemberabenden 20 Säckchen geschnürt, die Klara Ahlers am Nikolaustag im Treppenhaus des Unternehmens für ihre Mitarbeiter aufhing. Inzwischen, knapp 20 Jahre später, braucht die Geschäftsführerin der Firma Laverana dafür Unterstützung, denn es müssen fast 250 Säckchen befüllt werden. „Aber das ist für mich kein Anlass, mit dieser lieb gewordenen Tradition aufzuhören“, sagt Klara Ahlers.
Die Aktion zu Nikolaus ist nur eins von mehreren Symbolen für die Unternehmenskultur des Naturkosmetik-Herstellers aus dem niedersächsischen Wennigsen. Die wird dort groß geschrieben und hat sogar einen Namen: „Sanfter Führungsstil“. „Mit dieser Bezeichnung habe ich mir anfangs etwas schwer getan“, sagt die Chefin. Denn man könne einiges von ihr sagen, aber sicherlich nicht, dass sie sanft sei. „Eher werde ich mal ‚General‘ oder auch ‚Weiße Kampflöwin‘ genannt.“ Allerdings nicht von ihren Mitarbeitern, sondern von Geschäftspartnern. Und genau da liege der Unterschied: „‚Sanft‘ bezieht sich auf innerhalb des Unternehmens, auf den Umgang miteinander. Das ist ein interessantes Spannungsfeld zu dem Stil, den wir nach außen pflegen: dynamisch, aktiv und eben auch mal kämpferisch.“
Rollenspiele nicht erwünscht
Das Miteinander ist Klara Ahlers sehr wichtig. „Wir möchten ein Arbeitsumfeld schaffen, das jedem Kollegen die Möglichkeit gibt, sich in all seinen Facetten zu zeigen. Niemand soll hier Rollen spielen müssen.“ Christiane Schäfer, Teamleiterin Marketing und Service, kann das nur bestätigen. Sie ist seit sieben Jahren im Unternehmen. „Die Geschäftsführung strahlt diesen sanften Führungsstil aus und lebt ihn vor“, sagt sie. Christiane Schäfer ist bildhübsch, trägt die Haare wild, punkig aufgetürmt, die Ohren voller Ringe und den Rock über der Hose. „Wir müssen uns hier nicht verbiegen und können ganz offen im Umgang miteinander sein.“ „Sanfter Führungsstil“ bedeute aber auch, dass alle Verantwortung übernehmen und sich mit ihrer Arbeit identifizieren. „Die Kollegen sollen nicht aufhören mitzudenken“, sagt die Teamleiterin.
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