
Glückshormone auf zwei Rädern
Radfahren ist unschlagbar: Es macht uns gesund, schlank und gut gelaunt. Es beugt Krankheiten vor und schont obendrein das Klima. // Von Andrea Mauer
„Bei keiner anderen Erfindung ist das Nützliche mit dem Angenehmen so innig verbunden, wie beim Fahrrad“, sagte der Unternehmer Adam Opel bereits im 19. Jahrhundert. Der Gründer der Rüsselsheimer Firma produzierte das damals recht neue Fortbewegungsmittel ab 1886 selbst.
Die Firma Opel sattelte bekanntlich später auf die Herstellung von Autos um, doch das gute alte Fahrrad ist nach wie vor beliebt: Fast jeder Deutsche hat mindestens eines im Keller oder in der Garage stehen. Und jeder zweite tritt in seiner Freizeit regelmäßig in die Pedale. „Das ist auch gut so“, meint Thorsten Dargatz, Sportwissenschaftler und Autor des Buches „Radel dich fit!“. Schließlich sei das Radfahren eine der gesündesten Sportarten überhaupt.
Radeln erhöht die Lebenserwartung
Der Experte lobt vor allem die positiven Einflüsse auf das Herz-Kreislauf-System: „Durch ein regelmäßiges Training nimmt das Volumen des Herzens zu. Es pumpt nun mit weniger Schlägen mehr Blut in den Körper. Diese eingesparten Schläge können sogar für eine höhere Lebenserwartung sorgen“, so Thorsten Dargatz. Auch das Risiko eines Herzinfarktes soll bei regelmäßigem Training um satte 50 Prozent sinken, die Cholesterinwerte verbessern sich merklich.
Und das ist längst nicht alles: „Beim Radeln bilden sich mehr Lungenbläschen. Die können den Sauerstoff viel besser aus der Luft herausfiltern und in den Blutkreislauf abgeben“, erklärt der Sportwissenschaftler. Die Folge: Der ganze Körper bedankt sich mit einem Plus an Energie. Zudem werden die Bein-, Gesäß- sowie die Rückenmuskeln gekräftigt. Das tut gerade jenen gut, die beruflich viel Zeit vor dem Computerbildschirm verbringen und häufig über Nackenschmerzen klagen. Thorsten Dargatz: „Bei einer optimalen Haltung auf dem Rad – mit geradem Oberkörper nach vorne gebeugt – wird die sonst so geplagte Lendenwirbelsäule gestärkt.“ Auch Osteoporose kann durch ein regelmäßiges Training vorgebeugt werden. Denn die Bewegungen regen die Aufbauprozesse des Knochens an und sorgen so für ein stabiles Skelett bis ins hohe Alter. Wie bei jeder Ausdauersportart profitiert zudem das Immunsystem. Radfahrer haben seltener mit Erkältungen zu kämpfen. Spaß macht das Strampeln an der frischen Luft obendrein.
Und Radeln ist die beste Stresstherapie. Probieren Sie es aus: Wetten, dass sich nach etwa einer Stunde auf dem Velo ein Glücksgefühl einstellt? Das ist keine Zauberei, sondern hat einen handfesten physiologischen Grund: Beim Radeln werden reichlich Endorphine ausgeschüttet, die sogenannten Glückshormone. Sie sind dafür verantwortlich, dass man sich nach dem Sport entspannter und zufriedener fühlt. Zumindest, wenn man nicht gerade auf einer viel befahrenen Straße radelt, sondern gemütlich auf einem Fahrradweg.
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