Cosmia natürlich schön
 
Schönheit & Pflege
Schönheit & Pflege
Fitness & Gesundheit
Fitness & Gesundheit

Wut

Raus mit der Wut

Ob Streithammel oder Harmoniefreak, in jedem von uns steckt Aggression. Wie positiv oder destruktiv sie sich entlädt, ist eine Frage des Umgangs mit Gefühlen. Den kann man lernen. // Von Sylvia Meise

So nicht! Mit diesen Worten stoppt Marianne Müller (Name geändert) den beleidigenden Redeschwall ihres Chefs, schlägt mit der Faust auf den Schreibtisch und schaut ihm direkt in die Augen. Der zieht sich erst mal verdutzt in sein Büro zurück, wählt aber gegenüber seiner Sekretärin seither einen anderen Ton. Kurz aber wirksam, diese Variante von „Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt“. Allerdings fällt es vielen Menschen schwer in die Offensive zu gehen und zu kämpfen. Auch Marianne Müller. Der Job gefiel ihr eigentlich gut, deswegen nahm sie die allmorgendlichen Auskotztiraden ihres Vorgesetzten lange als gegeben hin. Trotzdem ärgerte sie sich jedes Mal. Bis nach Jahren endlich ihr Wutfass voll war und sie sich fragte: Kündigen oder Angriff? Also, Flucht oder Kampf? Sie entschied sich für Letzteres.

Was tun mit aufgestauter Wut ?

Kampf war nicht gerade ihr Spezialgebiet, deswegen belegte sie einen Kurs bei Aggressionstrainerin Donata Oerke. „Männer und Frauen, die wie Marianne Müller ein Problem mit aggressiven Mitmenschen haben, sind die Mehrheit in meinen Seminaren“, erzählt die Trainerin. Es kommen aber auch diejenigen, die zwar andere nicht verletzen wollen, ihre Ausbrüche aber nicht kontrollieren können. Der Knackpunkt ist für alle derselbe: Was tun mit der aufgestauten Wut? Manche haben nur ein kleines Fass, das kurz nach dem Frühstück schon überschwappt, andere sammeln Ärger tonnenweise, bis ihnen der Kragen platzt. „Das muss erst mal raus“, betont Donata Oerke, sonst könne man nicht nachdenken. Angestauter Ärger, so ihre Erfahrung, wirke lähmend und zementiere Situationen.

Dampf ablassen und analysieren

Beim Ansatz „Aggressionstraining“ ist deswegen der erste Schritt ein sogenannter ritualisierter Wutabbau. Meist lassen die Teilnehmer den Dampf mit „Batakas“ – speziellen Schaumstoffschlägern – raus. Damit prügeln sie auf den Boden, oder zwei „Gegner“ schlagen sich gegenseitig auf die Hüfte. Keine Angst, das tut nicht weh, befreit aber den zurückgehaltenen Ärger. Man kann genauso gut in den Wald gehen und schreien oder Stöcke zerschlagen. Hauptsache, der Kopf wird frei. Dann kann die eigentliche Arbeit beginnen: Die sachliche Analyse, warum genau man sich ärgert. Welche Grundmuster es gibt. Wer warum ausra­s­tet. Je nach Situation und Veranlagung kann „Aggression“ ganz unterschiedliche Formen annehmen: von Zähneknirschen bis zu tätlicher Gewalt, Lügen, ungerechter Behandlung, Foulspiel oder Beschimpfungen. Jeder verbindet etwas anderes mit „aggressiv“. Geht man jedoch nicht allein vom allgemeinen Sprachgebrauch aus, sondern übersetzt das Wort mit angriffslustig, aktiv oder offensiv, ergeben sich für den Umgang mit der eigenen Wut interessante Möglichkeiten. Dass man wütend auf jemanden ist, mag ein berechtigtes Gefühl sein – den anderen deswegen aber zu schlagen, abwertend zu beschimpfen oder zu verspotten, ist kein angemessenes Verhalten. Die angemessene Reaktion, das „Wie“ des Streitens, ist das Schwierigste überhaupt. Dafür müssen die eigenen Gefühle ausgelotet werden – und die des Mitstreiters. Wer hörbar vor sich hingrummelt und sich dabei wegdreht, steht nicht zu dem, was er sagen möchte. So wird der andere nur noch wütender. Nach der Analyse kann die Konfrontation folgen. Also, ankündigen, dass man einen Punkt klären möchte und diesen sachlich schildern.

  weiterblättern>