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Wut<< Raus mit der Wut

Im fairen Rahmen bleiben

Donata Oerke empfiehlt, sich nur auf eine Sache zu beschränken und keinen Rattenschwanz loszulassen à la „und beim letzten Treffen hast du auch schon gelogen und vor zwei Jahren ...“ Positive Aggression zeichnet sich durch Respekt vor dem anderen aus. Wer innerhalb eines fairen Rahmens bleibt, kann präzise Grenzen ziehen. Wenn der andere es partout nicht anders versteht, auch durch Brüllen. Doch das ist Kampf mit harten Bandagen, auf den sollten sich nur Geübte einlassen.

Mit der Sekretärin Marianne Müller hat Donata Oerke als Erstes überlegt, wie die Grenzziehung – Nicht in diesem Ton! – überzeugend demonstriert werden könnte. Das kurze Intermezzo wurde also lange zuvor regelrecht einstudiert und zu Hause vor dem Spiegel trocken geübt. Es gehören Mut und Kraft dazu, sich aus der Opferrolle zu befreien oder Demütigungen klar zurückzuweisen. Wenn man es aber geschafft hat, sich zum einen Gehör zu verschaffen, zum anderen selbst die vorgetragene Kritik auszuhalten, dann kann etwas Neues beginnen: gegenseitiges Verstehen.

„Es braucht viel Vertrauen“

Diplompädagogin Donata Oerke arbeitet als Coach und Aggressionstrainerin. An verschiedenen Fortbildungsinstituten hält sie Seminare mit dem Abschluss „Aggressionsberater“.

OerkeAggressionen sind in unserer Gesellschaft nicht besonders erwünscht. Sie aber trainieren Menschen sogar, diese Gefühle auszuleben – warum ?

Ärger ist ein Weg, sich besser kennenzulernen – sich selbst genauso wie den anderen. Für viele aber gilt, dass sie die Aggression ganz raushaben wollen aus ihrem Leben, und dabei nicht bedenken, dass sie damit auch deren gute Seiten ausblenden.

Können Sie uns Beispiele nennen, welche guten Seiten Aggression hat ?

Die Energie, die in ihr steckt. Das ist eine Kraft, die genutzt werden will, damit kann man tolle Sachen erreichen. Die meisten gehen, sich gegenseitig beschimpfend, auseinander. Sie kämpfen nicht mehr selbst, sie geben das ab an Profis. So werden immer mehr Gewaltschlichter, Rechtsanwälte oder Anti-Streittrainer gebraucht. Meine Kollegen und ich wollen Menschen befähigen, so mutig zu sein, ihre Probleme selbst zu klären.

Und das klappt immer ?

Dass ein Konflikt nicht lösbar war, habe ich noch nie erlebt – aber es passiert, dass Menschen den Prozess der Lösung unterbrechen. An schmerzhaften Stellen braucht es ein großes Maß an Vertrauen.

Also, wer sich nicht mit sich selbst auseinandersetzt, schafft es auch mit anderen nicht ?

Ja. Das Verwirrende ist, wir sind zivilisiert, aber wir reagieren noch wie vor 30.000 Jahren, da ist kein Unterschied. Das anzuerkennen fällt ganz vielen Menschen schwer. Ich kann meinen Ärger eben nicht wegmeditieren oder wegdenken. Deswegen machen meine Kollegen und ich kein Anti-Aggressionstraining, sondern ein Aggressionstraining. Es ist wichtig zu lernen, wie man damit umgeht, denn dann kann man es lenken. Wenn ich immer unterdrücke und schlucke, kommt die Wut entweder in ungeeigneten Situationen raus oder sie macht mich krank. So sind die innerpsychischen Gesetze. Stelle ich mich aber meinen Aggressionen, kann ich üben, sie bewusst zu steuern.

Weitere Informationen

Bücher  
Weidner Weidner, Jens: Die Peperoni-Strategie – So setzen Sie Ihre natürliche Aggression konstruktiv ein. Campus. 197 Seiten. 19,90 Euro.
Haasen Haasen, Nele: Mut zu
klaren Worten. Wie Frauen sich in Konfliktgesprächen behaupten. Kösel.
184 Seiten. 14,95 Euro.

Kontaktadressen

Aktuell gibt es noch keine Liste, unter der man Aggressionsberater und Fair-Streiten-Trainer nach Wohnort sortiert finden könnte. Donata Oerke gibt aber auf E-Mail-Nachfrage gern die Kontaktadressen von Kollegen weiter: oerke@gmx.net

Kurse bieten folgende Institute an: www.odenwaldinstitut.de, Telefon (0 62 07) 60 50 und www.osterberginstitut.de, Telefon (0 45 23) 9 92 90.  

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