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Oliven

Grünes Gold rund ums Mittelmeer

In der Antike ehrte man sie als Geschenk der Götter, als Jungbrunnen und Schönheitsmittel: Die Olive steckt voll uralter Weisheiten – und gesunder Wirkstoffe. // Von Dietlind Arndt

Der Legende nach gewann Athene die Herrschaft über die griechische Hauptstadt, nachdem sie dort einen Olivenbaum gepflanzt hatte. Seither spielt die Olive eine Hauptrolle in unzähligen Mythen und Geschichten. Ihr Öl galt als flüssiges Gold, in Olympia wurden aus ihren Zweigen Siegerkränze geflochten und nach der biblischen Sintflut war sie das Zeichen für Hoffnung und neues Leben. Bis heute ist Olea europaea, der Ölbaum, in vielen Regionen rund ums Mittelmeer Wirtschaftsgrundlage, Nahrungsquelle und Lebensmittelpunkt.

Heilmittel und Schönmacher

Schon in der Antike ehrte man die unscheinbare Steinfrucht als Jungbrunnen und Gesundheitselixier. Gicht und Magenschmerzen, Insektenstiche, Zahnbelag, Falten – kaum eine Beschwerde, für die es nicht die passende Olivenrezeptur gegeben hätte. Ihre Heilkraft verdankt die Olive vor allem den vielen ungesättigten Fettsäuren. Die regen den Stoffwechsel an und helfen bei Rheuma, Leber- und Gallenbeschwerden. Polyphenole wirken als natürliche Antioxidantien gegen freie Radikale. Sie sollen vorbeugend gegen Immunkrankheiten und sogar gegen Krebs wirken können.

Kosmetikproduzenten schätzen Olivenöl besonders wegen seines hohen Gehalts an Vitamin E und Beta-Carotin. In Lotionen und Masken soll es für schöne Haut sorgen, Falten mildern und Altersflecken vorbeugen. Olivenblätter wirken mit bioaktiven Substanzen antibakteriell und beruhigen gereizte Haut.

Über 150 verschiedene Olivensorten wurden im Laufe der Jahrtausende gezüchtet. Grüne Oliven werden unreif geerntet und enthalten weniger Fett als ihre dunklen Kollegen. Bei tiefschwarzen Exemplaren ist jedoch Vorsicht geboten. Um lange Einlegezeiten abzukürzen, werden dafür oft grüne Oliven in konzentrierter Lake „blitzgebeizt“. Weil sie bei dieser Prozedur ihre Farbe verlieren, färbt man sie anschließend schwarz ein. Vom ursprünglichen Geschmack bleibt dabei nicht viel übrig. Wer auf Nummer sicher gehen will, kauft Oliven deshalb besser in Bioqualität.

Seine gesunden Schätze gibt der Ölbaum nicht ganz einfach preis. Mindestens sieben Jahre Geduld und gute Pflege braucht es, bis die knorrige Pflanze mit den silbern schimmernden Blättern erste Früchte trägt. Als wahrer Überlebenskünstler wächst der Ölbaum auch auf kargem Untergrund, verträgt große Hitze und ist damit bestens gerüstet für den Mittelmeerraum, in dem der größte Teil der weltweiten Olivenernte heranreift.

Die Steinfrüchte machen es ihren Fans allerdings nicht leicht: Frisch gepflückt sind sie wegen ihrer vielen Bitterstoffe kein Genuss. Ihren charakteristischen Geschmack entwickeln sie erst nach fünf bis sechs Monaten Ruhezeit in Salzlake. Für eine Gesundheitskur eignen sie sich wegen des hohen Salzgehalts also nur bedingt.

Alt und gesund mit Olivenöl

Ernährungsexperten raten stattdessen zum großzügigen Umgang mit Olivenöl. Das native und kalt gepresste Öl sorgte vor einigen Jahren unter dem Stichwort Kreta-Diät für Schlagzeilen. Eine Studie hatte ergeben, dass die Menschen auf der griechischen Insel älter werden und gesünder sind als anderswo in Europa. Das Geheimnis: Sie decken ein Drittel ihres täglichen Kalorienbedarfs mit Olivenöl. Das „grüne Gold“ wird seither gerne gegen Herzinfarkt, Bluthochdruck und sogar Übergewicht empfohlen. Vor römischen Festgelagen im Dienste der Gesundheit sei allerdings gewarnt: Auf Kreta gehören neben Olivenöl vor allem frisches Obst und Gemüse auf den Tisch – und viel Bewegung zum Alltag. Die Wunderkraft der Olive genießt man deshalb am besten in der ganzen Fülle mediterraner Lebensart. Schon eine alte Weisheit aus Spanien rät: „Oliven sind gesund und der Zunge angenehm. Nichts an ihnen ist unnütz; aus den Steinen lässt sich Kohle machen. Und ein aus den Früchten gewonnenes Elixier weckt die schlafende Lust.“ Bleibt hinzuzufügen, dass Wissenschaftler bis heute nicht alle Mythen bestätigen konnten, die sich um die beliebte Frucht ranken. 

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