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Sonnenschutz

Bald keine natürliche Sonnencreme mehr?

Viele Naturkosmetik-Hersteller haben die Produktion von Sonnenschutzmitteln eingestellt. Verantwortlich dafür sind neue EU-Vorgaben für den Schutz vor UVA-Strahlung. // Von Leo Frühschütz

Wer beim Sonnenschutz seine Lieblingsmarke hat, muss sich womöglich im Mai noch schnell einen Vorrat anlegen. Denn eine ganze Reihe von Sonnencremes wird es in Zukunft nicht mehr geben. Weleda, Dr. Hauschka, Martina Gebhardt und Santaverde haben die Produktion von Sonnenschutzmitteln eingestellt. Die Vorräte werden von den Läden zu Beginn der warmen Jahreszeit noch abverkauft. Danach gibt es von diesen Marken höchstens noch After Sun- Produkte. Auch von I&M, Sanoll, Urtekram und Living Nature gibt es in diesem Jahr keine neuen Sonnencremes mehr. Sind die Altbestände verkauft, wird es einsam im Regal. Naturkosmetischen Sonnenschutz werden dann noch die Marken Lavera, Eco Cosmetics und Sante anbieten.

Hersteller unter Druck

Der Grund für den Rückzug: Eine Empfehlung der EU-Kommission aus dem Jahr 2006, die den Schutz vor UVA-Strahlen neu regelt (siehe Kasten). Bis dahin war es üblich, dass die Hersteller den UVA-Schutz nach dem sogenannten aus-tralischen Standard bestimmten. Dafür genügte es, die UVA-Strahlen zu 90 Prozent zurückzuhalten. In den letzten Jahren nahm der UVB-Schutz der Produkte, angegeben als Lichtschutzfaktor (LSF), stark zu. Cremes mit LSF 20 oder 30 wurden zum Normalfall. Der UVA-Schutz hingegen blieb in vielen Fällen gleich. Um diese Lücke zu schließen, empfahl die EU, dass der UVA-Schutz mindestens ein Drittel des UVB-Schutzes betragen müsse und gab dafür auch Testmethoden vor.

Diese Testmethoden sind umstritten. Die Ergebnisse seien medizinisch nicht relevant, eine der Testmethoden zudem fehlerhaft, kritisierte die Gesellschaft für Dermopharmazie. Die darin zusammengeschlossenen Pharmazeuten und Haut-ärzte warnten davor, diese Methoden als verpflichtende Standardtests einzuführen oder sie zum Maßstab vergleichender Warentests zu machen. In der Praxis jedoch haben alle konventionellen Hersteller ihre Sonnenschutzmittel entsprechend eingestellt. Das ist mit synthe­tischen UV-Filtern auch kein Problem. Viel schwieriger ist es für Naturkosmetik-Hersteller, die nur mineralische Pigmente wie Titandioxid und Zinkoxid einsetzen.

„Man braucht mehr Pigmente, muss sie aufwendiger verarbeiten und benötigt teurere Emulgatoren“, erklärt Dieter Sorge, Geschäftsführer von Eco Cosmetics. „Die Kos­ten für eine Creme mit Lichtschutzfaktor 30 steigen dadurch für den Hersteller um 35 bis 40 Prozent.“ Eine Lotion mit LSF 20 und eine Creme mit LSF 30 wird er in diesem Jahr anbieten. An einem Produkt mit Lichtschutzfaktor 50 arbeite man noch.

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