<< Bald keine natürliche Sonnencreme mehr?
Verzicht auf höheren LSF
Marktführer Lavera hat für 2009 drei Sprays und dreimal Sonnenmilch jeweils mit LSF 15 und 20 im Sortiment, dazu einen Lippenbalsam mit LSF 10. Auch Produkte mit höherem Lichtschutzfaktor wollte Lavera anbieten. Doch hätten nicht alle Testinstitute in Europa die erreichten Werte bestätigt, teilte das Unternehmen mit. Deshalb habe man darauf verzichtet.
Die Marke Sante bietet 2009 die bestehende Serie Sante Soleil an. „Es handelt sich bei dem EU-Papier bislang nur um eine Empfehlung“, argumentiert Pressesprecherin Bettina Bockhorst und verweist auf die Kritik der Gesellschaft für Dermopharmazie. Die Reformhausmarke Börlind setzt in ihren Sonnenschutzprodukten eine Kombination von synthetischen und mineralischen UV-Filtern ein und kann so der EU-Empfehlung nachkommen.
In konventionellen Sonnencremes stecken in der Regel synthetische UV-Filter, deren Wirkung umstritten ist. Einige der Filter wirken sensibilisierend, können also allergische Reaktionen verursachen. Andere sind hormonell aktiv und können theoretisch die kindliche Entwicklung und die Fortpflanzungsfähigkeit beeinflussen. Synthetische Filter dringen zudem in den Körper ein. Die Wissenschaftlerin Dr. Margret Schlumpf von der Universität Zürich konnte mehrere UV-Filter in der Muttermilch nachweisen. Je häufiger die Frauen sich eingecremt hatten, desto stärker war die Muttermilch belastet. Für echte Naturkosmetika kommen synthetische UV-Filter nicht in Frage. Der neue europäische Naturkosmetikstandard COSMOS verbietet sie ausdrücklich. Nach den Regeln des zweiten europäischen Standards NaTrue könnte ein synthetischer Filter zertifiziert werden, wenn er aus pflanzlichen Rohstoffen mithilfe erlaubter chemischer Verfahren hergestellt wurde. Ob es so weit kommt, erscheint fraglich, angesichts der Probleme, die die existierenden synthetischen UV-Filter machen.
Diskussion um Nanopartikel
Die winzigen mineralischen Pigmente, die in naturkosmetischen Sonnencremes stecken, sogenannte Nanopartikel, bleiben auf der Haut. Nur wenn diese, etwa bei einem Sonnenbrand, schon verletzt ist, können einzelne Partikel in tiefere Hautschichten vordringen. Manche Ärzte-, Umwelt- und Verbraucherorganisationen kritisieren das eventuelle Risiko, das damit verbunden sein könnte. Der österreichische Naturkosmetikhersteller Sanoll hat aufgrund dessen im vergangenen Jahr die Produktion von Sonnenschutzmitteln eingestellt. Doch muss man dieses eventuelle Risiko abwägen gegen die möglichen Folgen synthetischer UV-Filter (dazu auch das Interview auf S.18). Ansonsten gäbe es nur eine Lösung: Nicht eincremen, Hut aufsetzen und sich nur im Schatten aufhalten.
Neue Spielregeln bei Sonnenschutz
Laut EU-Empfehlung soll jedes Sonnenschutzmittel einen UVA-Schutz aufweisen, der mindestens ein Drittel des für den UVB-Schutz ausgewiesenen Lichtschutzfaktors (LSF) beträgt. Als Logo soll ein Kreis mit der Aufschrift UVA darauf hinweisen. Für den UVB-Schutz soll es nur noch vier Produktkategorien geben, denen bestimme LSF zugeordnet sind: Basis (LSF 6, 10), mittel (15, 20, 25), hoch (30, 50), sehr hoch (50+). Andere LSF wie 40 entfallen künftig. Durchaus sinnvoll sind die empfohlenen Warnhinweise auf der Verpackung wie „Intensive Mittagssonne vermeiden“ oder „Auch Sonnenschutzmittel mit hohen Lichtschutzfaktoren bieten keinen vollständigen Schutz vor UV-Strahlen.“
UVA oder UVB
Die ultravioletten Strahlen der Sonne werden nach ihrer Wellenlänge in UVA- und UVB-Strahlen eingeteilt. Die kurzwelligeren UVB-Strahlen sind notwendig, damit sich in der Haut Vitamin D bilden kann. Sie verursachen aber auch – bei längerer Einwirkung – Sonnenbrand. Die dabei entstehenden Hautschäden erhöhen langfristig die Hautkrebsgefahr.
Die weniger energiereichen UVA-Strahlen schädigen das Kollagen in der Haut – sie verliert Spannkraft und altert frühzeitig. Außerdem bilden sich durch die Strahlung freie Radikale, die das Erbgut der Zellen schädigen können und so ebenfalls das Krebsrisiko erhöhen.
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