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Sonnenschutz<< Bald keine natürliche Sonnencreme mehr?

„UV-Filter belasten die Muttermilch“

Konventionelle Sonnencremes enthalten meist synthetische UV-Filter. Die Toxikologin Dr. Margret Schlumpf von der Universität Zürich hat eine hormonelle Wirkung dieser Filter nachgewiesen und wurde dafür von der Industrie angefeindet. // Von Leo Frühschütz

Margret SchlumpfDr. Margret Schlumpf leitet mit Prof. Walter Lichtensteiger die Arbeitsgruppe GREEN Tox (Group for Reproductive, Endocrine and Environmental Toxicology) an der Universität Zürich.

Sie machen seit Jahren auf die hormonelle Wirkung synthetischer UV-Filter aufmerksam. Haben sich Hersteller und Fachbehörden seither bewegt?

Als wir unsere Arbeiten 1999 erstmals den betroffenen Firmen vorstellten, wehrten die sich massiv und stellten unsere Ergebnisse in Frage. Das Gleiche passierte, als wir 2001 unsere Studie veröffentlichten. Man hat uns angefeindet und geschnitten, wie ich das bisher nicht erlebt hatte. Erst als ein Industrie-Toxikologe in Großbritannien unsere Versuche bestätigte, wurde es ruhiger. Inzwischen sind ein paar synthetische UV-Filter, deren östrogene Wirkung in unserem Labor nachgewiesen wurde, weitgehend vom Markt verschwunden.

Reicht das aus oder muss noch mehr getan werden ?

Wir haben in den letzten Jahren Muttermilch untersucht und konnten darin sechs von insgesamt acht analysierten UV-Filtern nachweisen, einige davon mit östrogenähnlicher Wirksamkeit. Das Vorkommen von synthetischen UV-Filtern in der Brustmilch war signifikant abhängig von der Verwendung von Sonnencremen oder von UV-Filter-haltigen Kosmetika durch die Mütter.

Welche Konsequenzen müssten Ihre Ergebnisse haben ?

Wir haben in der Muttermilch auch andere hormonell aktive Substanzen gefunden. Umweltgifte wie PCBs und DDT, die Jahrzehnte nach ihrem Verbot immer noch überall in der Umwelt präsent sind. Um so wichtiger ist es daher, hormonell wirksame und schwer abbaubare Chemikalien dort zu verringern, wo es leichter machbar ist, etwa bei den Kosmetika. Wer schwanger werden will, schon ist oder ein Baby stillt, sollte Kosmetika meiden, die synthetische UV-Filter, Parabene oder auch synthetische Moschusduftstoffe enthalten.

Was für eine Creme verwenden Sie für den Sonnenschutz?

Im Normalfall verwende ich eine Creme ohne UV-Filter, die nur Antioxidantien enthält. Wenn ich meine Haut starker UV-Strahlung aussetze, etwa bei einer Berg- oder Ski-Tour, creme ich mich mit einem Naturkosmetikprodukt ein, das Zinkoxid oder etwas Titandioxid enthält.

Haben Sie keine Bedenken wegen der nanokleinen Partikel ?

Nein. Die Partikel durchdringen die gesunde (nicht bereits gerötete) Haut wenig oder gar nicht. Außerdem verwende ich die Cremes nur, wenn ich mich wirklich schützen muss. Mit Lichtschutzfaktor 8 oder 15 ist auch nicht sehr viel von diesen Mineralstoffen drin.

So wenig Lichtschutz ?

Ich bin dunkelhaarig und somit weniger sonnenempfindlich. Und ich halte auch wenig davon, die Haut mit extrem hohen Lichtschutzfaktoren total von der Sonne abzuschotten. Wir brauchen das Sonnenlicht, um in unserer Haut Vitamin D zu bilden. Mediziner machen den Vitamin-D-Mangel für eine ganze Reihe chronischer Krankheiten verantwortlich. Was wir brauchen, ist ein gesundes Mittelmaß. –

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