
Der 34-jährige Jens Schmitt kam vor zwei Jahren als Exportleiter
zu Alva, seit einem Jahr ist er dort Geschäftsführer. Sein
erstes großes Projekt: Deko-Kosmetik. Die Entwicklung verlief
nicht ohne Stolpersteine, aber jetzt ist es geschafft.
Platz für kreative Ideen
Lippenstift mit Rote-Bete-Extrakt, traditionell gebackener Puder, immunstärkende Stoffe aus dem Hefepilz: Die Firma Alva nimmt ihren Auftrag als Produzentin von Naturkosmetik ernst – auch bei den neu entwickelten Schminkprodukten. // Von Gisa Bührer-Lucke
Ursprünglich kommt Jens Schmitt aus einer ganz anderen Ecke. Sportmanagement und Sportmarketing hat er studiert. „Aber das war mir nicht kreativ genug“, gibt der neue Geschäftsführer von Alva zu. Seiner kreativen Ader konnte der 34-Jährige gleich in seinem ersten Jahr bei der Naturkosmetikfirma freien Lauf lassen. Sein Vorhaben: Er wollte die Palette um Schminkprodukte erweitern.
Brainstorming war angesagt und schnell kam der erste Stolperstein: Zum perfekten Make-up gehört schöner roter Lippenstift. Das Karminrot stammt in natürlicher Kosmetik häufig aus dem Blut von Schildläusen. Zur Gewinnung der Farbe werden Schildläuse getrocknet und in Wasser unter Zugabe von Schwefelsäure gekocht. Das kam für Jens Schmitt nicht in Betracht. Tiere zu töten verträgt sich seiner Ansicht nach nicht mit der Grundidee von Naturkosmetik. Er suchte nach Alternativen – und fand schließlich eine: einen Extrakt aus Roter Bete. Das Gemüse wird klein gehäckselt, getrocknet und zu einem feinen Puder verarbeitet, der dann dem Lippenstift zugesetzt wird. Es sind noch ein paar andere Tricks, die der Alva-Chef aus verständlichen Gründen nicht verrät.
Noch eine Entwicklungsaufgabe: Momentan werden mineralische Pigmente wie Titanoxide und Eisenoxide hinzugesetzt. „Unser Ziel ist es aber, in einigen Jahren komplett auf diese Pigmente zu verzichten, sodass wir nur noch pflanzliche Rohstoffextrakte verwenden, um die Farbgebung hinzubekommen“, kündigt der Alva-Chef an. Um das zu erreichen, wird derzeit mit verschiedenen Brauntönen aus Nüssen experimentiert.
Mit dem VW-Bus durchs Land
2008 ist Jens Schmitt an die Stelle von Firmengründer Martin Plassonke getreten, der sich aus der Geschäftsführung zurückgezogen hat. Angefangen hatte dieser vor 21 Jahren: Mit einem VW-Bus zogen die überzeugten Umweltschützer Martin Plassonke und Felix Koerner über Märkte und Veranstaltungen, um umweltverträgliche Reinigungsmittel an den Mann respektive die Frau zu bringen. Ein Biowaschmittel war daher folgerichtig das erste Produkt, das die Firma Alva auf den Markt brachte. Das ist passé: Heute geht es hauptsächlich um Naturkosmetik und einige Gesundheitsmittel wie Teebaum- und Schwarzkümmelöl.
Schmitt hat von Martin Plassonke dessen Geschäftsanteile gekauft, jetzt ist er zu 25 Prozent Teilhaber. Außerdem ist seit 2008 das norwegische Unternehmen Immitec mehrheitlich an Alva beteiligt. Die Firma in Wallenhorst bei Osnabrück ist klein: 17 feste und sechs freie Mitarbeiter sind hier beschäftigt. Christa Einhaus ist seit sieben Jahren mit dabei und so etwas wie die gute Seele des Hauses. Die 51-Jährige ist hauptsächlich für Marketing, Pressearbeit und Schulungen zuständig, hat aber auch fleißig an der Entwicklung der Schminkprodukte mitgetüftelt.
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