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Alva
Der Gesichtspuder wird nach traditionellem Verfahren gebacken. Stark im Team: Der neue Alva-Geschäftsführer Jens Schmitt (Dritter von links) hat innovative Deko-Kosmetik auf den Markt gebracht. Dabei konnte sich der Chef auf seine Mitarbeiter verlassen.

Altes Verfahren neu entdeckt

Die neuen Lippenstifte mit der Rote-Bete-Farbe waren aber erst der Anfang der Bemühungen um dekorative Kosmetik. Schmitt liebäugelte mit einem alten Verfahren aus Frankreich: dem Backen von Puder und Rouge. Er kannte das von seiner Mutter, einer Französin, die nur solchen Puder verwendete. Der sollte nun ein Highlight der neuen Alva-Kosmetikserie werden. Was ist der Vorteil von gebackenem Puder? „Er kommt fast gänzlich ohne Bindemittel aus“, erklärt Christa Einhaus. Denn die Feuchtigkeit wird auf natürliche Weise während des Backvorgangs entzogen. Er enthält zwar noch Öle, aber sie dienen lediglich der Glanzverstärkung. Die Konsistenz dieses Puders ist feiner und seidiger und macht ihn dadurch hautverträglicher. Da das Puderbacken eine fast vergessene Kunst ist, war es gar nicht so einfach, eine Firma zu finden, die diese Fertigkeit beherrscht und auch noch mit den Maximen der Naturkosmetik vertraut ist. In Italien fand man schließlich ein Unternehmen, das alle Voraussetzungen erfüllte. Zu Beginn der Zusammenarbeit stand ein Brainstorming auf allen Seiten, eine Rezeptur wurde entwickelt, der erste Prototyp gebacken.

Das Puderbacken selbst erinnert verblüffend an Weihnachtsbäckerei. Der Puderteig, wenn man ihn so nennen will, wird auf kleine Terrakottascheiben gespritzt, dann mit der Handpresse flach geformt und auf Bleche gelegt. Diese werden in den Ofen geschoben und rund zwölf Stunden lang gebacken. Fertig sind dann etwa 1200 Puderstücke. Nach der Abkühlung werden sie in die Puderdosen gesetzt. Genau so wird auch das Rouge produziert. Alles in aufwendiger Handarbeit, was die Herstellung nicht ganz billig macht. Die Resonanz beim Verbraucher ist gut. „Wir haben momentan sogar Lieferschwierigkeiten“, sagt Jens Schmitt mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Hefepilzextrakt fürs Immunsystem

Doch mit Lippenstift und gebackenem Puder war das innovative Potenzial des neuen Geschäftsführers noch nicht ausgeschöpft. Er war zudem auf einen ganz besonderen Inhaltsstoff gestoßen, mit dem er die Schminkprodukte noch verbessern wollte: Wellmune, ein Extrakt aus dem Hefepilz, auf Zuckerrohr gezogen. Ursprünglich stammt der Stoff aus den USA und hat dann in Skandinavien Fuß gefasst, wo er im Kampf gegen Grippe eingesetzt wird. Warum er so effektiv wirkt, ist noch nicht im Detail geklärt. Man weiß aber, dass Wellmune die Langerhans-Zellen aktiviert, die ihrerseits als Botenstoffe das Immunsystem stimulieren. Aber was hat der Inhaltsstoff in der dekorativen Kosmetik zu suchen? Ganz einfach, sagt Jens Schmitt: „Sensible Haut reagiert stark, häufig verstopfen die Poren, da ist es nur nahe liegend, dass man das Immunsystem hochfährt“.

Die Deko-Kosmetik steht, was kommt als nächstes? „Ach, Ideen sind genug da. Eventuell Sonnenkosmetik, eine Shampooserie, Seifen“, sinniert der Alva-Chef. Seiner Kreativität, die er früher nicht genügend ausleben konnte, sind jedenfalls keinerlei Grenzen gesetzt.

Steckbrief

Name: Alva Naturkosmetik
Gegründet: 1988 von Martin Plassonke und Felix Koerner. Die beiden Umweltschützer zogen mit einem VW-Bus über Märkte und andere Veranstaltungen, um ihr erstes Produkt – ein Biowaschmittel – zu verkaufen.
Firmensitz: Wallenhorst bei Osnabrück
Mitarbeiter: 17 feste und 6 freie Mitarbeiter
Besonderheiten: 1992 stellte Alva den Alaun-Kristall als Deo-Stein auf der Messe Biofach vor. Plassonke brachte damals auch das hierzulande noch kaum bekannte Teebaumöl aus Australien mit und begann es zu vermarkten. 1995 baute er eine eigene, 80 Hektar große biologische Teebaum-Plantage in Australien auf.

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