
Gesunde Verführung
In der Antike ehrte man sie als Geschenk der Götter, als Jungbrunnen und Schönheitsmittel: Die Olive steckt voll uralter Weisheiten – und gesunder Wirkstoffe. // Von Dietlind Arndt
Ihre Blüte wird in japanischen Gedichten besungen, ihre Früchte beherrschen die Kunst der Verführung: Seidig glatte Haut in matt schimmernden Lila-, Rot- oder Gelbtönen umspannt das Fruchtfleisch, das bei reifen Früchten süß und aromatisch ist. Kein Zweifel: Pflaumen sind schön. Und nicht nur das: Sie machen auch schön. Denn sie sind der ideale Snack für die schlanke Linie. Pflaumen schenken viel Energie, enthalten reichlich Vitalstoffe und kaum Kalorien und wirken zudem noch entschlackend und harntreibend.
Auch die im harten Kern steckende Mandel steht im Dienst der Schönheit: Ihr nach Marzipan duftendes Öl enthält wertvolle ungesättigte Fettsäuren und Vitamin E und eignet sich gut zur Hautpflege, besonders bei trockener und empfindlicher Haut. In Frankreich ist es wegen seines ausgeprägten Mandel-Marzipan-Geschmacks auch zum Kochen sehr beliebt.
Schon in der Antike sehr geschätzt
Pflaumen, wie wir sie heute kennen, sind das Ergebnis jahrhundertelanger Züchtung und Veredelung. Ihr Ursprung liegt in Vorderasien, wo sie vermutlich aus einer Naturkreuzung von Schlehen und Kirschpflaumen entstanden. Sie wurden schon in der Antike sehr geschätzt. Ägypter nutzten getrocknete Pflaumen als Grabbeigaben und nahmen sie als Wegzehrung mit auf lange Karawanenstrecken. Das verhalf den Früchten zu einer schnellen Ausbreitung. Griechen und Römer schätzten ihren Geschmack und priesen ihre Heilwirkung. Um das Jahr 800 brachte Karl der Große sie schließlich über die Alpen nach Nordeuropa.
Pflaumen, Zwetschgen, Mirabellen, Renekloden
Die Vielfalt des gesunden Steinobsts ist sehr groß. Mal sind sie grün und oval, mal lila und kugelrund, mal klein und sonnengelb mit roten Bäckchen. Mehr als 2000 Arten von „Prunus domestica“ sind bekannt. Man unterscheidet grob zwischen echten Pflaumen, Zwetschgen, Mirabellen und Renekloden: Pflaumen sind rund oder eiförmig, etwas größer als Zwetschgen und mit weicherem Fleisch. Die grüngelben Renekloden, auch als „Ringlo“ oder „Ringlotte“ bekannt, verdanken ihren Namen einer französischen Königin („Reine Claude“), die im 16. Jahrhundert lebte und eine Schwäche für die feinwürzigen, vermutlich aus Syrien stammenden Früchte hatte.
Erst seit etwa 100 Jahren sind Mirabellen bei uns bekannt. Die süßen, goldgelben Früchte kommen aus Westasien und sind wärme- und lichthungrig. Japanische, chinesische oder kalifornische Pflaumen gehören zur selben Familie, aber einer anderen Art. Sie sind größer als heimische Früchte, dafür aber auch weniger aromatisch.
In der Küche sind Pflaumen echte Allrounder. Mit ihnen lassen sich leckere Kuchen, Kompott und Marmelade bereiten, sie eignen sich aber ebenso gut für süß-saure Chutneys, Bohnen- oder Fleischgerichte – und für Hochprozentiges. Am besten genießt man Pflaumen jedoch frisch, denn so sind sie am gesündesten.
Ausgewogener Vitalstoffcocktail
Die Früchte enthalten eine ganze Reihe von Vitalstoffen, die in einem besonders ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen. Neben Provitamin A, vielen B-Vitaminen sowie Vitamin C und E steckt in ihnen reichlich Eisen, Kupfer und Zink. Sie verfügen über ein gutes Kalium-Natrium-Verhältnis sowie eine günstige Verbindung von knochenstärkendem Kalzium und Phosphor.
Die lila Schale enthält wasserlösliche Pflanzenfarbstoffe, die abwehrfördernd und entzündungshemmend wirken – und die Gefäße schützen sollen. Auch eine krebsvorbeugende Wirkung wird diesen Stoffen nachgesagt, weil sie im Körper eine antioxidative Wirkung entfalten und freie Radikale binden.
Dank ihres hohen Ballaststoffgehalts regen Pflaumen sanft die Verdauung an. Besonders Dörrpflaumen helfen einem trägen Darm auf die Sprünge und sollen ihn noch dazu von Giftstoffen befreien. Das ausgewogene Verhältnis an B-Vitaminen ist gut für die Nerven und soll Stress vermindernd wirken. Zink und Kupfer verstärken diese Wirkung noch.

Brie mit Pfeffer-Renekloden
Für 4 Personen
1 Bio-Orange ⁄ 1 Zweig Rosmarin ⁄
2 TL Olivenöl ⁄ 400 g Renekloden ⁄
2 - 3 EL feiner Zucker ⁄
1 TL zerdrückte, schwarze Pfefferkörner ⁄
1 Stück Brie, ca. (400 g) ⁄ CantuccinisDie Orange heiß waschen und trocknen: Die Schale fein reiben, den Saft auspressen. Die Rosmarinnadeln fein schneiden. Die Renekloden waschen, halbieren und entkernen, die Schnittseite kräftig in den Zucker drücken, eine Pfanne erhitzen und Olivenöl hineingeben: Die Renekloden mit der Zuckerseite in die heiße Pfanne geben und karamellisieren lassen. Mit Orangensaft ablöschen und den Karamell loskochen, dann Orangenschale, Rosmarin sowie zerdrückten Pfeffer unter- schwenken. Lauwarm mit Rosmarin und Orangenschale garniert zu Brie und Cantuccinis servieren.
Auf die Bäume, fertig, los!
Jetzt beginnt die Zeit, in der man nach Herzenslust reife Pflaumen naschen kann. Von Juli bis September haben die Früchte bei uns Saison. Wer die Möglichkeit hat, pflückt sie am besten direkt vom Baum – in idealer Reife und Frische. Wer sie am Markt oder im Laden kauft, sollte darauf achten, dass die Früchte weder hart und grünstichig sind − ein Zeichen von Unreife −, noch zu weich, sonst beginnen sie schnell zu faulen. Der leichte weiße Schimmer auf der Pflaumenhaut ist dagegen eher ein Qualitätsmerkmal. Die dünne Wachsschicht, auch Duftfilm genannt, sorgt dafür, dass die Früchte nicht austrocknen.
Iranische Erzählung über einen Musiker, den nicht einmal die Aussicht auf sein Lieblingsessen vom Sterben abhält.
Marjane Satrapi: Huhn mit Pflaumen. Edition Moderne. 96 Seiten. 18 Euro.
Die Gretchenfrage im Obstgarten
Zwetschge oder Pflaume? Während die beiden zur selben Art gehörenden Früchte im Norden Deutschlands eher „Pflaumen“ genannt werden, neigt der Süden dazu, sie allesamt als „Zwetschgen“ in einen Korb zu werfen. Dabei gibt es Unterschiede: Die länglich-ovalen Zwetschgen sind meist kleiner und fester, haben deutliche Spitzen und eine weniger klare Naht. Pflaumen sind rundlicher, meist auch saftiger − und an der ausgeprägten Bauchnaht zu erkennen.
Marzipanduft
Die Mandel-Gesichtscreme von Weleda ist unparfümiert – und duftet trotzdem zart nach Marzipan. Das verdankt sie dem hautpflegenden Pflaumenkernöl.
Daneben verwöhnen Mandelöl und natürliche Feuchtigkeitsspender die besonders sensible Haut.
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