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Exotische Natur-Talente

Ob im Dschungel oder in der Wüste: Auf unserem Planeten gibt es jede Menge spannende Wirkstoffe zu entdecken. Kosmetikfirmen wetteifern darin, neue Beauty-Stars zu finden, die Haut und Haar verwöhnen. Bambus, Lotusblüten, Tigergras – schon die Namen lösen Fernweh aus. // Von Astrid Wahrenberg

(links) Mangos: Aus ihrem großen, fettreichen Kern wird Mangobutter gewonnen. (rechts) Lotusblüten sind nicht nur schön, ihr Extrakt soll auch für ein klares Hautbild sorgen.

Von A-Z: Beauty-Stars im Trend

Sie kommen aus immergrünen Regenwäldern, aus den Weiten der Savanne, aus einsamen Wüsten oder schlammigen Flussdeltas: Die exotischen Schönmacher sind weit gereist. Sie tragen wohlklingende Namen wie Babassuöl oder Mangobutter, machen Lust auf Sommer und bringen uns zum Träumen. Trendsetter sind Naturkosmetikfirmen. Sie versprechen sich von den Pflanzenrohstoffen besondere Eigenschaften. Gefragte Kandidaten sind etwa Überlebenskünstler wie die Aloe vera. Die Wüs­­­­tenlilie trotzt Dürreperioden, indem sie viel Feuchtigkeit in ihren dickfleischigen Blättern konzentriert – und diese Wirkstoffe sind auch gut für unsere Haut. Auch sie lechzt nach Feuchtigkeit, vor allem wenn sie nicht mehr die Jüngste ist. Aloe vera wird daher oft in Anti-Aging-Cremes verwendet.

Natürlichen Schätzen auf der Spur

In tropischen Regenwäldern warten die meisten Überraschungen, es sind große biologische Schatzkammern. Exotische Früchte wie Acai oder Papaya entpuppen sich dank ihrer vielen Antioxidantien als Verbündete im Kampf gegen freie Radikale, die uns schneller altern lassen. Hellhörig werden Kosmetikentwickler auch immer dann, wenn sie von Pflanzen erfahren, die Ureinwohner traditionell für die Pflege von Haut und Haar einsetzen. Meist stellt sich heraus, dass diese Pflanzen ungewöhnlich hohe Wirkstoffkonzentrationen enthalten.

Solchen Schätzen sind Rohstofflieferanten weltweit auf der Spur. Sie sammeln Wurzeln, Blätter, Blüten, Nüsse und Früchte. Im Labor werden sie untersucht, extrahiert und ihre wirksamen Bestandteile analysiert. Vielversprechende Substanzen präsentieren die Rohstoff-Scouts in Fachmagazinen, auf Messen sowie in Entwicklungsabteilungen von Kosmetikfirmen.

Damit beim Bezug der Rohstoffe kein Raubbau betrieben wird, achten Naturkosmetikfirmen in der Regel auf faire Bedingungen für die Umwelt und die Menschen vor Ort. Mit der Entdeckung eines neuen Beauty-Stars beginnt dann die eigentliche Kunst: Die Entwicklung einer Rezeptur, die den vielversprechenden Newcomer so in eine Pflege einbaut, dass er sich auf Haut und Haar optimal nützlich macht.

Auf den nächsten Seiten stellen wir Ihnen angesagte Neuentdeckungen und eine Auswahl traditioneller Schön­­macher vor − aus dem tropischen Regenwald, aus trockenen Regionen und aus Sumpfgebieten:

Acai-Frucht
Die dunkelroten Früchte der Acai-Palme aus dem Amazonasgebiet enthalten viele Polyphenole, die als gute Radikalfänger bekannt sind. Der Extrakt soll vor sonnenbedingter Hautalterung schützen und reife Haut pflegen.

Aloe vera
Das Blattgel der Wüstenlilie versorgt die Haut mit viel Feuchtigkeit. Voraussetzung dafür: Es muss viel davon in der Rezeptur stecken, was nicht immer gewährleistet ist. Auch gibt es verschiedene Qualitäten, beispielsweise mit Wasser aufgefüllte Trockenkonzentrate. Die beste Qualität hat Ganzblattsaft. Er wird aufwendig aus frisch geschälten Aloe-Blättern gewonnen.

Andirobaöl
Der Andiroba-Baum wächst in den Urwaldgebieten Brasiliens. Aus seinen Samen lässt sich ein wertvolles Hautöl gewinnen. Die Waldbevölkerung und Flussbewohner verwenden das Andirobaöl für die Behandlung von Entzündungen, Quetschungen, Prellungen und Hautkrankheiten. Es wirkt entzündungshemmend und spendet Feuchtigkeit.

Arganöl
Stammt aus den grünen Fruchtkernen des Arganbaums, der am Rande der Sahara in Marokko wächst. Berbervölker nutzen das Öl innerlich und äußerlich. Es ist reich an Vitamin-E-Verbindungen und anderen Antioxidantien. Das Öl spendet der Haut Feuchtigkeit, soll die Regeneration anregen und die Spannkraft verbessern.

Babassuöl
Stammt aus den Nüssen der Babassupalme aus dem brasilianischen Regenwald. Es zieht gut ein, ohne einen Fettglanz zu hinterlassen, versorgt die Haut mit Feuchtigkeit und eignet sich mit antibakteriellen Eigenschaften auch gut für unreine Haut.

Bambus
Die schlanken Stangen enthalten viel Kieselsäure, die das Bindegewebe stärkt. Außerdem liefert Bambus Mineralstoffe und Aminosäuren. Extrakte daraus sollen hautstraffend wirken.

Baobab
Der Affenbrotbaum wächst im Grenzbereich zur Wüste. In seiner afrikanischen Heimat verwenden Medizinmänner Samen, Fruchtfleisch, Rinde und Blätter in ihrer Heilkunst. Blätter und Rinde wirken antibakteriell und pilzhemmend, weshalb sie etwa in Fußpflegeprodukten ein­gesetzt werden. Die Früchte sind reich an Antioxidantien, Vitamin C, B und Kalzium. Die Wirkstoffe sollen die Abwehrkraft der Haut stärken.

Cat’s Claw
Auf Deutsch Katzenkralle, ist eine Kletterpflanze aus dem südamerikanischen Regenwald. Wurzeln und Rinde werden von indigenen Völkern der Region traditionell zur Stärkung der Gesundheit verwendet. In Kosmetikprodukten soll der Wirkstoff das körpereigene Reparatursystem aktivieren und der Zellalterung entgegenwirken.

Granatapfel
Die rote Frucht mit der ledrigen Schale gilt als Sinnbild für Fruchtbarkeit und Reichtum. Angebaut wird sie im Mittelmeerraum sowie im Nahen Osten. Kerne und Saft sind reich an sekundären Pflanzenstoffen und Vitamin C. Das aus den Kernen gepresste Granatapfelkernöl enthält viel von einer hochwertigen Fettsäure und Phytoöstrogene, das sind hormonähnliche Substanzen, die den Stoffwechsel positiv unterstützen sollen.

Grüner und weißer Tee
Beide enthalten viele Gerbstoffe, Vitamine und Mineralstoffe, wobei weißer Tee einen höheren Wirkstoffgehalt aufweist. Tee-Extrakte sollen die gereizte Haut beruhigen, gegen freie Radikale wirken und die Regenerationskräfte der Haut anregen.

Lotusblüten
Im Hinduismus steht der Lotus für Reinheit, Treue, Schöpferkraft und Erleuchtung. Der Blütenextrakt soll zellschützende und zusammenziehende Eigen­schaften haben und für ein klares Hautbild sorgen.

Mangobutter
Mangobäume sind in Indien so gewöhnlich wie bei uns Apfelbäume. Der wärmeliebende Baum wächst aber auch in anderen tropischen Regionen und auch im Mittel-meer­raum. Aus dem großen fettreichen Kern wird durch Auspressen Mangobutter gewonnen. Sie hat feuchtigkeits­spendende und hautglättende Eigenschaften.

Orchideenextrakt
Wird aus den getrockneten Früchten (Schoten) der Tropen-Orchidee Vanilla Planifolia gewonnen. Der Extrakt mit dem feinen Duft der Vanille soll beruhigend wirken, das Hautbild verfeinern und revitalisieren.

Papayafruchtextrakt
Für die Gewinnung von Papayafruchtextrakt werden die Schalen unreifer Früchte am Baum angeritzt. Der milchige Saft enthält das Enzym Papain. Es hilft in Peelings, abgestorbene Hautschuppen auf der Haut abzubauen. Daneben enthält der Extrakt Aminosäuren, die der Haut Feuchtigkeit spenden und sie regenerieren sollen.

Passionsfrucht
Die Früchte der Lianenpflanze enthalten Samen, aus denen sich ein Öl mit einem sehr hohen Anteil an Linolsäure gewinnen lässt. Dieses Öl kann Feuchtigkeit in der Haut binden und damit den Feuchtigkeitshaushalt harmonisieren.

Pongamia glabra-Kernöl / Karanjaöl
Im Sanskrit heißt der Baum Pongamia glabra, in Hindi ist er als Karanj bekannt. Das Samenöl wird in Indien traditionell bei Hauterkrankungen und als natürlicher Sonnenschutz benutzt. In Kosmetikprodukten pflegt es die Haut zart und lang anhaltend.

Reis
In Haarpflegeprodukten kommen Reisextrakt und Reiswachs (entsteht durch Pressen) zum Einsatz. Die Wirkstoffe sollen die Haare vor dem Austrocknen und vor Sonne schützen. Reiskeimöl findet sich in Hautpflege­pro­duk­ten. Dort soll es freie Radikale bekämpfen und für einen natürlichen UV-Schutz sorgen.

Tigergras
Es heißt, dass sich Tiger bei Verletzungen in dieser Sumpfpflanze wälzen. In Indien wird Tigergras wegen seiner antibakteriellen und entzündungshemmenden Eigenschaften bei einer Vielzahl von Hauterkrankungen eingesetzt. Die Wirkstoffe kurbeln in Bindegewebe und Lederhaut die Collagenproduktion an. Tigergras gilt als gute Anti-Aging-Substanz.

Ximenia-Kernöl
Wird aus den Kernen der sogenannten wilden Pflaume Ximenia gewonnen. Bei afrikanischen Frauen hat es eine lange Tradition in der Haut- und Haarpflege. Es enthält viele ungesättigte Fettsäuren und soll gut gegen Trockenheitsfältchen wirken. 

Gegen Raubbau an der Natur

dem World wide fund for nature (WWF) zufolge werden weltweit mehr als 50.000 Wildpflanzenarten wirtschaftlich genutzt, für medizinische oder kosmetische Zwecke. Nach aktuellen Schätzungen der Weltnaturschutzunion IUCN sind bis zu 15.000 dieser Pflanzenarten bedroht. Gründe dafür sind die Zerstörung der Lebensräume, zum Beispiel durch Siedlungsbau und die Übernutzung von Beständen. Stammen die Pflanzen aus ökologisch zertifizierter / kontrollierter Wildsammlung, ist sichergestellt, dass keine Pestizide zum Einsatz kommen.

Die EU-BioVerordnung schreibt außerdem vor, dass das Sammeln keine Bedrohung für die ökologische Stabilität und den Arterhalt im Sammelgebiet darstellt. „Wie das im Detail aussehen soll, steht aber nicht darin“, sagt Susanne Honnef vom WWF. Weil Naturkosmetikfirmen keinen Raubbau an der Natur betreiben wollen und die Lebensbedingungen der Menschen vor Ort stärken wollen, haben viele von ihnen auf eigene Faust Fair-Handels-Projekte initiiert oder sich bestehenden Initiativen angeschlossen.

FairWild-Gütesiegel

Seit Kurzem gibt es auch das FairWild-Gütesiegel, das verbindliche Kriterien für eine ökologische, soziale und ökonomisch verantwortungsbewusste Wildsammlung formuliert. Daran haben Vertreter aus Naturschutz, Wissenschaft, Industrie und Behörden, darunter das Bundesamt für Naturschutz, jahrelang gearbeitet. Unternehmen, die sich daran halten, können ihre Produkte zertifizieren lassen.

Die ersten FairWild-gelabelten Produkte sind bereits auf dem Markt. Die bislang zertifizierten Unternehmen erfüllen die sozialen und Fairtrade-Anforderungen und sind derzeit auf dem Weg, gemäß eines Stufenplans auch den ökologischen Kriterien zu entsprechen.

Natürliche Exotik für Haut und Haar:

Produkte

1. Heliotrop: Sensitive Tagescreme mit Tigergras- und Süßholzwurzel-Extrakt

2. Martina Gebhardt: Happy Aging Décolleté Spray mit „Cat‘s Claw“

Produkte

3. Wellments: Bamboo Haarmaske

4. i + m: Hydro-Performance Reinigungsmilch Aloe Vera Granatapfel

5. Lavera: Hair Mangomilch Shampoo

6. Alva: Lippenstift mit Pongamia-glabra-Kernöl

Produkte

7. SantaVerde: Aloe Vera Hydro Repair Gel

8. Logona: Tropic Körperpeeling mit Papaya & Kokosraspeln

Produkte 9. Sante: Gesichts-Tonikum „Lotus & White Tee“ 10. Tautropfen: Nayana Augenfältchenfluid mit Ximenia-Öl

 

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