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AlgenLakshmi-Chefin Katharina von Nagy lernte bei dem renommierten indischen Arzt Dr. Shri Balaji També und fährt seitdem regelmäßig nach Indien, um ihr Wissen über Ayurveda zu vertiefen.

Von Indien inspiriert

Parfums, die nach Orient duften, Kajal, der eine Spur Bollywood ins Gesicht zaubert und Lippenstifte mit geklärter Butter: Klingt nach Indien, wird aber von dem kleinen Unternehmen Lakshmi in Süddeutschland hergestellt – nach ayurvedischen Rezepten. // Von Jutta Krause

Zur Begrüßung kocht sie erst einmal einen kräftigen Chai mit frisch geriebenem Ingwer und im Mörser zerstoßenen Gewürzen, dann beginnt sie zu erzählen. Katharina von Nagy besitzt das feurige Temperament ihrer österreichisch-ungarischen Vorfahren und behauptet sich mit ihrem kleinen Unternehmen damit nun schon seit zwei Jahrzehnten am Markt. Die Firmengeschichte und ihre eigene Lebensgeschichte sind eng miteinander verwoben. „Ich bin die Firma“ erklärt die 50-Jährige und meint damit nicht nur, dass sie zugleich Geschäftsführerin und kreativer Kopf des Unternehmens ist, als Laborleiterin die Rezepturen selbst entwickelt, Design und Auftritt ihrer Produkte bestimmt und Lehrlinge ausbildet. Sie meint auch, dass, was sie tut, ihrem Wesen entspricht und mit ihrer Lebensaufgabe in Einklang ist. „Mein Traum war es immer, Ärztin zu werden. Ich wollte Leute heilen“, erzählt sie. Nun tut sie etwas, das für sie eng damit verbunden ist.

Auch die Duftlinie ihrer Naturparfums hat die Autodidaktin selbst konzipiert. Stolz erzählt sie, dass ihre 1997 entwickelte Parfumlinie „Im Reich der Sinne“ die erste war, die Naturkosmetikstandards entsprach und ausschließlich aus Blütenessenzen, ätherischen Ölen und Weingeist besteht.

Faszination Indien

Als Katharina von Nagy das Unternehmen vor 21 Jahren gründete, war sie mitten in einer persönlichen Umbruchphase. Kurz zuvor hatte sie ihre Tochter Yasmin zur Welt gebracht. Zu dieser Zeit lernte sie den renommierten indischen Arzt und Lehrer für Yoga, Musik und Ayurveda Dr. Shri Balaji També kennen und begann, die von ihm traditionell hergestellten ayurvedischen Öle und andere Produkte in Deutschland zu vertreiben. Als ihre Tochter fünf Jahre als war, ging sie für ein halbes Jahr nach Indien. „Ich war völlig fasziniert von den Farben, der Üppigkeit und der Lebenskraft, die dort aus allen Poren dringt. Ich habe mich sofort zuhause gefühlt“, erzählt Katharina von Nagy. Sie besuchte Seminare bei Dr. També, wurde seine Schülerin und fährt seither jedes Jahr nach Indien, um ihr mittlerweile beachtliches Wissen über Ayurveda zu vertiefen. „Ayurveda hat mich einfach begeistert“, schwärmt sie. „Ich fand es unglaublich, so ein Wissen entdecken zu dürfen und es war mir ein echtes Bedürfnis, es anderen Menschen nahezubringen.“

Küchen-Experimente

Die mehr als 3000 Jahre alte „Lehre vom Leben“ eröffnete der experimentierfreudigen Macherin eine neue Welt voller faszinierender Erkenntnisse und Möglichkeiten. Mitte der Neunziger entwickelte sie zusammen mit einem indischen Hersteller ihren ersten, auf traditionellen Rezepten basierenden Kajal. Seit 2004 fertigt sie die Stifte selbst – aus geklärter Butter (Ghee), die im Ayurveda als heilsam und wohltuend für die Augen gilt, und gereinigten Bio-Ölen. Auch die Kohle für die schwarzen Khol-Kajals stammt von Ghee, das in einem aufwendigen Verfahren zu Kohlenstoff verbrannt wird. „Ich begann in meiner Küche die Rezepturen auszutesten und mit den Rohstoffen zu experimentieren. Wenn ich nicht weiter wusste, fragte ich meinen Lehrer, der mir wertvolle Ratschläge gab.“

Offenbar gelang die Rezeptur, denn Lakshmi ist mit den traditionsreichen Stiften, deren Inhaltsstoffe zu über 50 Prozent aus Demeter-zertifizierter und zu rund 80 Prozent aus biologischer Erzeugung stammen, europäische Marktführerin im Naturkosmetik-Segment. Seit 2007 sind die Khol-Kajals vom Bio-Anbauverband Demeter zertifiziert, der nicht nur auf eine biologische, sondern auf eine biologisch-dynamische Wirtschaftsweise nach anthroposophischen Grundsätzen Wert legt − eine große Ausnahme bei der dekorativen Kosmetik. Auch die Grundmasse für die Farbkajals und Lippenstifte besteht aus Demeter-Ghee und Bio-Ölen. Seit Anfang 2008 tragen sie das Ecocert-Zertifikat.

Im neu erbauten Labor in Wolpertshausen produziert Lakshmi seit diesem Frühjahr. Stolz zeigt Katharina von Nagy den nagelneuen Entstehungsort ihrer Naturkosmetik mit seinen vier Laborräumen. Der erste davon, ein sachlicher, mit Abzugschrank und Wägetisch ausgestatteter Arbeitsraum, ist erfüllt von intensivem Wohlgeruch, der einem großen Regal entströmt. Es ist mit Flaschen verschiedenster Größe und Provenienz voll gestellt, die allesamt reine ätherische Öle enthalten: Der Rohstoff, aus dem die Parfumeurin ihre Duftkompositionen kreiert.

Den zweiten Raum füllt die neueste technische Errungenschaft aus: Hier steht die kürzlich erworbene High-tech-Abfüllmaschine, die − bei entsprechender Manpower − pro Stunde bis zu 700 Lippen- oder Kajalstifte produzieren könnte. Schnelle Produkte entstehen im Lakshmi-Labor dennoch nicht, denn vor der Abfüllung wird zunächst die Masse in einem langen Prozess hergestellt. Etwa einen Monat dauert es, bis aus den Ausgangsprodukten ein fertiger Stift geworden ist.

Nebenan in der Laborküche stehen riesige Töpfe auf großen Gaskochern: Hier siedet Lebensmittelchemikerin Vera Hirsch-Lechler die mit Kräutern vermischte Rohmasse. „In der traditionellen Herstellung werden die Öle zwei Wochen lang zusammen mit Heilkräutern gekocht. Dadurch werden sie gereinigt“, erklärt sie. Alle Stoffe, die die Haut nicht gut verträgt, kristallisieren dabei aus und können abgefiltert werden. Durch den langen Kochprozess sind die Öle wasserfrei und werden nicht mehr ranzig. „Man braucht weder Konservierungs- noch Duftstoffe“, erzählt die Mitarbeiterin.

(links) „Lakshmi“: Die indische Göttin für Wohlstand, Glück und Schönheit. (rechts) Katharina von Nagy mit den Mitarbeiterinnen Stephanie Burucker und Marleen Carle bei der Produktionsplanung.

Die Chefin füllt „Ghee“ in indische Altarlampen

Ein großes Gefäß ist mit Ghee, geklärter Butter, gefüllt. Jede Woche bekommt Lakshmi 25 Kilo handgebutterte Sauerrahmbutter von einem Demeter-Betrieb. „Im Ayurveda ist Ghee das Heilmittel schlechthin“, erklärt Katharina von Nagy. Ein Teil des Ghees wird unter die Rohmasse gemischt, der Rest wird im geheimnisvollen vierten Laborraum weiterverarbeitet. Hier entsteht die Kohle für die Khol-Kajals − nach einem jahrtausendealten Verfahren. Dazu füllt die Chefin die geklärte Butter in indische Altarlampen aus reinem Silber, dreht Biobaumwolle zu Dochten, taucht sie in die Buttermasse, zündet sie an und stellt das Ganze dann unter eine große, mit Wasser gefüllte Silberschale. Das Ghee schmilzt und verströmt dabei einen angenehmen, unaufdringlichen Geruch. Mit der Zeit beginnt es zu verbrennen und der Ruß setzt sich an der Unterseite der Silberschale an. Das Wasser sorgt dafür, dass er nicht überhitzt. Ein Kilo Ghee über den Tag verbrannt ergibt ungefähr acht Gramm Ruß. „Das reicht für etwa 100 Stifte“, erzählt Katharina von Nagy. Noch immer ist sie von dieser einfachen, aber arbeitsaufwendigen Methode fasziniert. „Wenn ich solche alten Tüfteleien finde, will ich sie ausprobieren. Mein Ehrgeiz ist, das in eine Form zu bringen, die edel ist und hohen modernen Ansprüchen genügt.“

Damit zu den Ursprüngen zurückzukehren und dort den Markt zu erobern, das ist ihr Traum. Sie will mit ihren Kajals nach Indien. „Dort machen die Frauen ihre Stifte nach dieser Methode selbst, aber man kann nirgends etwas in dieser Qualität kaufen. Das ist ein altes Brahmanenrezept.“ 

Steckbrief

Name: Lakshmi Ayurvedische Naturkosmetik
Gegründet: 1988 in München
Firmensitz: Wolpertshausen bei Schwäbisch Hall
Mitarbeiter: 9
Produkte: Khol-Kajal, Farbkajals in 18 verschiedenen Farben, Naturparfums, auf die Kajals abgestimmte Lippenstifte in neun Rottönen.
Homepage: www.lakshmi.de

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