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Naturkosmetikstudio: Männliches Beauty-Erlebnis

Bernd Salamon mag Fußball, schnelle Autos, Sportläden und Bier. Nie hätte er gedacht, dass er mal mit einer grünen Gesichtspackung im Naturkosmetikstudio liegen würde − und sich gar nicht mal schlecht dabei fühlt.

Frauen, das ist eure Chance: Nehmt dieses Magazin, schlagt diese Seite auf, legt ein Bier und eine Packung Chips drauf und sagt euren Männern, sie sollen sich das mal anschauen. Läuft es gut, habt ihr beide was gewonnen. Abgemacht?

Prima.
Okay, Männer, jetzt sind wir unter uns. Ich kann euch erst mal beruhigen: Es folgt nichts Schlimmes. Ich bin einer von euch. Ich schaue Fußball, fahre gern schnell Auto und habe fast alle Bruce-Willis-Filme gesehen. Allerdings bin ich auch über 30 und mittlerweile hat mir schon die dritte Freundin geraten, doch mal was Gutes für mich und meinen Körper zu tun. Und keine meinte einen Wochenendtrip nach Amsterdam. Ich werde älter, das haben sie gemeint. Ich bekomme graue Haare und Falten. Irgendwann hab ich mir gedacht: Okay. Frauen wissen solche Dinge besser, ich lass mich mal beraten. Ich bin also ins Internet und hab‘ mitten in der Stadt einen Naturkosmetikladen entdeckt, der einem was über seinen Hauttyp erzählt. Natur klingt gut, wenn schon gesund, dann richtig. Chemie mochte ich schon in der Schule nicht.

Ich mache also einen Termin aus und schaue zwischen DVDs gucken und dem Sportladen kurz mal bei Marion vorbei. So heißt sie. Ihr Laden liegt mittendrin in der City zwischen Klamottenboutiquen, oben im dritten Stock. Es ist mehr eine coole Dreizimmerwohnung als ein Geschäft, sogar eine Küche gibt es. Auf dem Wartetisch liegen Ferrero Küsschen. Marion schlägt mir eine Hautanalyse vor und vielleicht noch eine Gesichtsbehandlung. Okay, wenn ich schon mal da bin. Der Raum, in den sie mich bringt, ist exakt so, wie ich es dachte: Die Wände sind frauenstylisch angemalt, in Aprikose. In der Mitte steht eine Massageliege. An den Wänden hängen Diplome. Aus der schicken Soundanlage dröhnen sanfte Klänge. „Lass die Seele frei“, Volume vier, tippe ich.

Marion, Anfang 40, Typ Jeans mit Hemd, kurzen Haaren und immer freundlich, aber nicht nervend fröhlich, erklärt mir, was sie jetzt tut. Wir starten mit einem: Fußbad. Jungs, ich weiß, das klingt nach Oma Hilde. Ich bin vom Jubeln auch weit weg. Aber wartet ab. Ich steck die Füße einfach mal unaufgeregt in eine Box und unterhalte mich nett mit Marion über meinen und ihren Job. Natürlich kommen nur wenige Männer zu ihr. Vor zehn Jahren kam allerdings noch gar keiner. Heute sind es entweder Teenies mit akuter Pickelproblematik oder ältere Semes-ter mit Brusthaarentfernungswunsch. Zwischen 20 und 35 ist da keiner. Egal. Einer muss anfangen. Wer nichts wagt, der spinnt.

Marion sagt, ich hätte schöne Füße

Ich darf nach fünf Minuten auf die bequeme Massageliege und Marion startet mit einer, jawoll, Fußmassage. Männer, ich sag’s euch, das ist ein Knaller. Nach 14 Sekunden vergesse ich die Welt und tauche ein ins Gedankennichts. Herrlich. Ein echter Moment der Ruhe. Marion sagt, ich hätte schöne Füße. Das ist zwar nicht unbedingt das Kompliment, das ich am Abend meinen Kumpels erzählen würde („Ey Jungs, meine Naturkosmetikerin sagt, ich hätte schöne Füße!“), aber immer noch besser als miese Füße, finde ich. Marion verwendet für die Massage Birkenöl, erzählt sie mir. Gut, das werd‘ ich mir wahrscheinlich nicht merken, aber was soll’s.

Weiter geht’s mit einer Handmassage mit Zitronenmilch. Die ist nicht ganz so spektakulär wie die Fuß-Offenbarung, aber auch okay. Nach einer Viertelstunde ist dann das Gesicht an der Reihe. Marion schaut sich erst mal alles an. Sie entdeckt viel zu viele Pickel auf der Stirn und mutmaßt ironisch, ich hätte mit meiner empfindlichen Haut bestimmt viel Spaß beim Rasieren. Volltreffer! Ich hasse rasieren. Ungefähr so wie gesperrte Strände oder Kartoffelsalat. Marion empfiehlt mir eine Feuchtigkeitscreme, nicht fettend. Und eine Nassrasur. Die mag ich aber auch nicht. Nun ja.

Marion reinigt erst mal alles, legt feuchte Tücher drauf und bläst mir Zitronendampf ins Gesicht. Der erwärmt die Haut, öffnet die Poren, ermöglicht den Pflegeprodukten, besser bei mir anzukommen. Und riecht echt freundlich. Der Dampf macht sogar gute Laune, meint Marion. Ich bin längst gut gelaunt. Und sehr entspannt.

Dann jedoch wird’s kurz übel. Marion piekst mir mit einem kleinen spitzen Teil, das sie Milienmesser nennt, im Gesicht rum. Das soll die Stellen öffnen, wo sich Talg gebildet hat. Oder, um es männermäßig zu sagen: Sie drückt die Pickel auf. Und ja, es schmerzt − aber nur kurz.

Die fiese grüne Gesichtsmaske

Jetzt folgt der Teil, den ich von Anfang an gefürchtet hatte: die fiese grüne Gesichtsmaske. Marion verwendet Mineralerde. Klingt weibisch, aber na gut: Wenn schon Kräuter im Gesicht, dann wenigstens gute. Die marokkanische Tonerde soll die Haut beruhigen, das Fett binden und die Schuppen. Okay, da geh ich mal besser nicht zu sehr ins Detail. Ich liege da, denke an das Gute im Menschen und vergesse die Zeit. Wieder lässt sie mich ein paar Minuten allein, wieder erreiche ich Chill-Stufe 10 auf der Zehnerskala. Langsam wird die Creme hart, das muss sie, damit’s wirkt. Marion kommt wieder, wäscht die Maske ab und ich denke, das war’s. Von wegen!

Jetzt wird wieder massiert. Erst mit einem Pinsel, das haben die Schweden erfunden. Es soll irgendwie die Flüssigkeitsprozesse im Gewebe anregen. Ich finde es eher langweilig. Die richtige Massage aber, im Gesicht, am Hals, im Nacken – ein Traum. Nach gefühlten vier Stunden Entspannung, realen 90 Minuten, ist der Spaß vorbei. Ich bekomme noch ein paar Pflegetipps und fahre relaxed heimwärts. Die 79 Euro sind natürlich schon happig, aber nicht übel investiert: Jetzt kann ich mich bei meinen Freundinnen einschleimen und klug daherreden.

Also, Männer, gebt das Magazin jetzt den Frauen zurück, legt ein Glas Rotwein und ein Ferrero Küsschen drauf und sucht euch eine Marion. Dann geht ihr hin und nehmt euren Mädels auf dem Rückweg einen Gutschein mit. Sie werden von euch begeistert sein. Und ihr riecht dabei noch gut. 

Tipps für Männerhaut

Zwei Drittel der Männer verwenden mittlerweile Gesichtspflegeprodukte. Dabei ist es sinnvoll, wenn „mann“ zu Kosmetik greift, die speziell auf seine Haut abgestimmt ist. Männerhaut ist rund 20 Prozent dicker als die der Frauen und produziert mehr Fett. Deshalb leiden Jungs häufiger unter Pickeln als Mädchen, und Männer bekommen später Falten als Frauen. Im Alter darf die Creme dann allerdings ruhig etwas reichhaltiger sein, denn dann lässt die Talgproduktion nach. Nach dem Rasieren sollten Männer mit empfindlicher Haut einen milden Shaving Balm oder ein Gel verwenden. Aftershaves mit Alkohol können die Haut zusätzlich reizen.

Bernd SalamonBernd Salamon (32) ist Redakteur beim Fußballmagazin „kicker“. Für cosmia besuchte er die Nürnberger Naturkosmetikpraxis Naturell von Marion Winter. www.naturell-mw.de

 

 

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